Gottes Speise

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Gottes Speise ist die fünfte von zehn Kinderlegenden im Anhang der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm (KHM 205; ATU 751G*).

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine arme Witwe mit fünf Kindern bittet ihre reiche Schwester um Brot, aber die ist hartherzig und schickt sie weg. Als der Mann der Reichen heimkommt und das Brot anschneidet, fließt Blut heraus. Er erfährt, was geschehen war, und will der Armen helfen, aber findet sie mit den Kindern betend und sterbend. Irdische Speise will sie nicht mehr.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Legende ist ab der Zweitauflage (1819) als Kinderlegende Nr. 5 enthalten, laut Grimms Anmerkung aus dem Paderbörnischen von Familie Haxthausen. Sie nennen zum Vergleich ein Lied von zwei unbarmherzigen Schwestern in Brabant, Deutsche Sagen Nr. 240 und weitere Quellen.

Vgl. KHM 204 Armut und Demut führen zum Himmel, KHM 143a Die Kinder in Hungersnot. In Grimms Nachlass wurde ein Manuskript mit ähnlichen Schluss gefunden, wobei drei Schwestern vergessen, der kranken jüngsten Essen zu bringen.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grimm, Brüder. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen herausgegeben von Heinz Rölleke. Band 3: Originalanmerkungen, Herkunftsnachweise, Nachwort. S. 275–276, 517. Durchgesehene und bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1994. (Reclam-Verlag; ISBN 3-15-003193-1)

Liedfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Legende wird auch als Lied überliefert mit folgendem Text:

Es war'n einmal zwei Schwestern.
Die eine war jung und schön.
Die and're war 'ne Witwe
Und hatte fünf Kinderlein.

Da ging die arme Schwester
Und machte sich auf den Weg
Zu ihrer reichen Schwester,
Die sie in Seide fand.

„Ach, Schwester, liebste Schwester,
Hast du nicht ein Stückchen Brot
Für meine lieben Kleinen,
Damit sie nicht leiden Not.“

„Ach, Schwester, liebste Schwester,
Mein Mann ist noch nicht zuhaus'
Und, ohne ihn zu fragen,
Geb' ich kein Brot heraus.“

Da ging die arme Schwester
Und machte sich auf den Weg
Zu ihren lieben Kleinen,
Die sie in Hunger fand.

Und als der Mann nach Hause kam,
Das Messer so rot wie Blut.
Das Brot so hart wie Stein,
Das Messer so rot wie Blut.

Da ging die reiche Schwester
Und machte sich auf den Weg
Zu ihrer armen Schwester,
Die sie in Trauer fand.

„Ach, Schwester, liebste Schwester,
Hier hast du ein Stückchen Brot
Für deine lieben Kleinen,
Damit sie nicht leiden Not.“

„Ach, Schwester, liebste Schwester,
Meine Kinder sind alle schon tot.
Der Herr hat sie genommen,
Damit sie nicht leiden Not.“

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Gottes Speise – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rölleke, Heinz (Hrsg.): Märchen aus dem Nachlass der Brüder Grimm. 5. verbesserte und ergänzte Auflage. WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, Trier 2001, ISBN 3-88476-471-3, S. 26, 105–106.