Gralglas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Gralglas war der Name einer Glashütte in Dürnau (Landkreis Göppingen). Als Gral-Glas-Werkstätten ab 1930 und als Gral-Glashütte GmbH ab 1955 produzierte Gralglas Gebrauchs- und Kunstgegenstände.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl Seyfang, der 1904 eine Kunsthandlung in Göppingen eröffnet hatte, gründete 1918 die Kunstwerkstätten Seyfang in Göppingen. 1930 spezialisierte er sich zusammen mit seinem Sohn Rolf Seyfang auf Glasveredelung in den Gral-Glas-Werkstätten in Göppingen. Bekannt wurde vor allem die Kelchglasgarnitur A 50 aus dem Jahr 1932 nach Entwürfen von Karl Seyfang und Josef Stadler, der ab 1946 Gesellschafter und Designer des Unternehmens war.

1939 konnte ein Zweigbetrieb im Böhmerwald eingerichtet werden, der jedoch wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs nicht mit der Produktion beginnen konnte.

Nach dem Krieg wurde ein eigener Glasschmelzofen in Göppingen eingerichtet, da die bislang aus Böhmen und Schlesien gelieferten Rohgläser nicht mehr von dort bezogen werden konnten. Die Glasproduktion wurde durch Glasmacher aus Eleonorenhain übernommen, die ihre Heimat verlassen hatten.

Von den 250 Mitarbeitern, die das Unternehmen 1947 hatte, waren 90 % Heimatvertriebene. Gralglas errichtete nun eine zweite Glashütte in Dürnau, die ab 1950 mit einem 12-Hafen-Ofen arbeitete. Der Göppinger Ofen dagegen wurde 1951 stillgelegt. In Dürnau wurde im gleichen Jahr mit dem Bau der ersten Gralglassiedlung begonnen.

Eine Ausstellung im Landesgewerbeamt Stuttgart zeitigte große Erfolge für die Produkte von Gralglas. Das Unternehmen hatte sich auf Gebrauchsgläser und Geschenkartikel spezialisiert und wuchs weiter. 1955 hatte es in Dürnau 400 Mitarbeiter, von denen immer noch fast drei Viertel Heimatvertriebene waren. Es firmierte jetzt unter dem Namen Gral-Glashütte GmbH, Dürnau. 1959 übernahm es die Glashütte Leichlingen bei Köln in Pacht, in der allerdings fünf Jahre später der Betrieb eingestellt werden musste, da die räumlichen Verhältnisse nicht mehr ausreichend waren. Dürnau wurde Hauptsitz des Unternehmens, deren Produkte seit 1966 in Sonderausstellungen gezeigt wurden.

1969 erhielt Rolf Seyfang das Bundesverdienstkreuz erster Klasse; im gleichen Jahr wurde das Lagergebäude durch einen Brand schwer beschädigt. Zwei Jahre später wurde die Josephinenhütte in Schwäbisch Gmünd von Gralglas übernommen. Nachdem 1976/77 Bleiglas eingeführt worden war und wenig später im Betrieb noch einmal modernisiert worden war, erfolgte 1982 der Konkurs. Dem Unternehmen Gralglas, das seit 1961 mit Gastarbeitern gearbeitet hatte, wurden die hohen Lohnkosten durch die erforderliche Handarbeit in der Produktion zum Verhängnis. Eine Auffanggesellschaft führte den Betrieb noch bis 1987 weiter, dann erfolgte wieder ein Konkurs. Weitere Rettungsversuche konnten Gralglas nicht vor dem endgültigen Ruin 1995 bewahren.

Künstler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Künstler wie Konrad Habermeier und Karl Wiedmann, Livio Seguso, Hans Theo Baumann und Cuno Fischer schufen Entwürfe für Gralglas.

Museum und Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zugang zum Gralglasmuseum in Dürnau

Im Gralglasmuseum in Dürnau sind Exponate zur Glasherstellung, zur Unternehmensgeschichte und zur Produktpalette zu sehen. Es befindet sich in der Bahnhofstraße in Dürnau im Durchgang zu den Überresten des Dürnauer Wasserschlosses.[1]

Repräsentative Beispiele aus der Zusammenarbeit von Konrad Habermeier und Karl Wiedmann mit Gralglas Dürnau gingen 1982 mit der Schenkung des Stuttgarter Kunsthistorikers Wolfgang Kermer an das Glasmuseum Frauenau.[2]

Im Jahr 2011 war die Ausstellung Gralglas. 1930-1981. Ein Beispiel des deutschen Designs in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen.[3] Die Wanderausstellung war unter dem Titel Gralglas Dürnau. Deutsches Design 1930-1981 im selben Jahr im Museum Kunstpalast in Düsseldorf gezeigt worden.[4] Im Frühjahr 2012 wurde sie im Finnischen Glasmuseum in Riihimäki präsentiert[5] sowie 2015 im Göppinger Stadtmuseum.

Grundschule Dürnau-Gammelshausen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das von Gralglas gestiftete Fenster befand sich im Treppenhaus der Schule. Es war von Professor Konrad Habermeier entworfen und ausgeführt worden und 1955 in das neue Schulgebäude eingebaut worden. Dargestellt war eine intakte Familie, umgeben von Symbolen des Lehrens und Lernens, der Landwirtschaft und der Glasindustrie, den Wappen von Dürnau, Gammelshausen, Göppingen und Baden-Württemberg. Nach unten abgeschlossen wurde die Darstellung durch Symbole für die vier Elemente nach Empedokles.

Die Mitte des Fensters bestand aus durchsichtigem Rohglas, die Rahmenfiguren aus durchscheinendem Rohglas. Die Symbole waren eingeschliffen. Licht und Landschaft waren gestaltende Elemente. Das Gralglasfenster fiel dem Schulumbau 1992 zum Opfer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Baedeker Allianz Reiseführer Schwäbische Alb, Ostfildern, 9. Aufl. 2008, ISBN 978-3829711432, S. 66
  2. Alfons Hannes (mit Beiträgen von Wolfgang Kermer und Erwin Eisch): Die Sammlung Wolfgang Kermer, Glasmuseum Frauenau: Glas des 20. Jahrhunderts; 50er bis 70er Jahre. Schnell & Steiner, München, Zürich 1989. (= Bayerische Museen, Band 9), ISBN 3-7954-0753-2, S. 29–30, Nr. 53–56 mit Abb. sowie S. 44–45, Nr. 94–98 mit Abb.
  3. Pinakothek der Moderne
  4. Museum Kunstpalast@1@2Vorlage:Toter Link/www.smkp.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  5. Deutsche Botschaft Helsinki