Große Moschee von Algier

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Die Große Moschee von Algier (GMA, arabisch مسجد الجزائر الأعظم, französisch Djamaâ el Djazaïr) ist eine 2019 fertiggestellte Moschee in der algerischen Hauptstadt Algier. Nach den beiden islamischen Pilgerstätten Mekka und Medina ist sie die drittgrößte Moschee der Welt. Die Fertigstellung war zunächst für 2015 geplant, verschob sich aber seitdem aber immer wieder. In Algerien selbst gilt sie vielen Gläubigen als Prestigeprojekt des Präsidenten Abd al-Aziz Bouteflika, der mit dem monumentalen Projekt von den sozialen und politischen Problemen Algeriens ablenken wolle.[1] Der Bau wurde durch China finanziell unterstützt.[2]

Djamaâ el Djazaïr

Auftraggeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Moschee von Algier entstand im Auftrag des algerischen Religionsministeriums. Sie ist Teil eines 280 Milliarden Euro schweren Investitionsprogramms der algerischen Regierung von Präsident Abd al-Aziz Bouteflika. Die Kosten des Projekts wurden anfangs mit 1 Mrd. Euro angegeben und sind inzwischen auf 1,4 Mrd. Euro gestiegen.[3] Die Moschee hat den Spitznamen „Bouteflika-Moschee“ erhalten.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Moschee sollen verschiedene kulturelle und religiöse Einflüsse des Islam in Algeriens vereint werden. Um Die Große Moschee von Algier soll nach dem Willen des Bauherren ein neuer Stadtteil Algiers entstehen, mit Kulturzentrum, Park, Kinosälen, Boutiquen, Teehäusern, Hochschule, Bibliothek, Studentenwohnheim und 6000 Parkplätzen.

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Moschee entstand in der Bucht von Algier auf einem 26 ha großen Gebiet. Das Architekturbüro spricht von einer „Landmark und Impulsgeber für eine neue Stadtentwicklung in Algier“.[4] In der Umgebung der Djamaa El Djazair sind Wohnviertel geplant. Eine Straßenbahnlinie soll von der Moschee zum Zentrum führen.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Komplex soll eine maghrebinische Hallenmoschee mit Einflüssen der Klassischen Moderne werden. Weithin sichtbar wird der Gebäudekomplex auch durch sein weltweit höchstes Minarett von ca. 265 m Höhe sein. Es handelt sich auch um ein Hochhaus, in dem ein Museum und Forschungseinrichtungen untergebracht werden.

Der zentrale Gebetssaal ist ein gewaltiger Kubus mit einer quadratischen Grundfläche von ca. 145 × 145 m und einer Höhe von 22,5 m, der bis zu 120.0000 Menschen fassen kann.[3] Etwas eingerückt ist in dem Kubus ein etwa 45 m hoher, aber deutlich kleinerer Kubus mit der zentralen Kuppel. Der Gebäudekomplex wird mit Solarmodulen und einer Regenwasserrückhalteeinrichtung ausgestattet.[3]

Beteiligte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für das Projekt wurde eine Durchführungsgesellschaft als Bauherr gegründet, die Agence Nationale de Réalisation et de Gestion de la Mosquée de l’Algérie.

Mit der Entwicklung erster Pläne wurde 2008 eine deutsche Planungsgemeinschaft aus dem Frankfurter Architekturbüro KSP Jürgen Engel Architekten und der Darmstädter Ingenieurgesellschaft Krebs und Kiefer International beauftragt. Die Haustechnik (Heizungs-, Kälte-, Klima-, Lüftungs-, Automatisierungs- und Feuerlöschtechnik) plant die Klett Ingenieur GmbH mit Hauptsitz in Fellbach, die Elektrotechnik die Steinigeweg Planungsgesellschaft aus Darmstadt. Das Sicherheitskonzept (baulich - technisch - organisatorische Maßnahmen) ist von KRAISS WILKE & KOLLEGEN Sicherheitsberater aus Wiesbaden[5].

Erdbebensicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baugrund ist erdbebengefährdet, so dass die Pfeiler des Minaretts 45 Meter tief verankert wurden. Diese aufwändige Fundamentierung, die sogenannten Barrette-Gründung, soll die Standfestigkeit erhöhen. Zudem verändert sich auch die Wandstärke der tragenden Außenwände des Turms entsprechend den statischen Anforderungen von 150 cm in den unteren Ebenen bis hin zu 45 cm in den oberen Ebenen.

Der Gebetssaal wurde zur Sicherung vor Erdbeben auf sogenannte seismische Isolatoren aufgeständert. Diese baulichen Vorrichtungen zum Erdbebenschutz sind bisher in dieser Größenordnung einmalig.

Der Erdbebenexperte Abdelakrim Chelghoum warnte davor, dass der Bau nicht ausreichend gegen Erdbeben gesichert sei. Nach Aussage eines Regierungssprechers ist ein seismischer Mechanismus eingebaut, der Auswirkungen eines Erdbebens der Stärke 9 auf der Richterskala auf solche der Stärke 3,5 abpuffert.[3]

Energieversorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die elektrische Energieversorgung erfolgt grundsätzlich über das das öffentliche Stromnetz. Darüber hinaus verfügt die Moschee über ein eigenes Kraftwerk zur Energieversorgung. Die Produktion von Wärme, Kälte und Strom erfolgt auf der Basis von Erdgas. Blockheizkraftwerke, ein Heizkessel, warmwasser- und gasbeheizte Absorptionskältemaschinen, Kompressionskältemaschinen und Kühltürme (Nass-/ Trockenbetrieb) bilden zusammen die Energieanlage. Mehrere Blockheizkraftwerke übernehmen die Stromversorgung des Komplexes parallel zum öffentlichen Stromnetz. Die Abwärme der Anlagen wird für die Deckung des Wärmebedarfes der Gebäude und die Beheizung der mit Warmwasser betriebenen Absorptionskältemaschinen verwendet. Die Energiezentrale soll die Eigenproduktion von 12 MW Kälteleistung, 4 MW Heizwärme und 4,6 MW Eigenstromerzeugung verteilen. Der Gesamtelektroanschluss des Komplexes liegt bei 8,5 MW.[6]

Bauablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. November 2011 wurde der Grundstein für die Moschee gelegt. Der Bau der Moschee wird von 1700 algerischen und chinesischen Bauarbeitern ausgeführt. Als Generalunternehmer für die Bauausführung wurde die China State Construction & Engineering Corporation beauftragt. Es ist das derzeit größte Projekt des staatlichen chinesischen Baukonzerns in Algerien.

Bei dem Bau traten verschiedene Schwierigkeiten auf. So fehlte 2013 Sand. Der feine Wüstensand eignet sich nicht für hochfesten Beton. Die 680 teilweise 34 Meter hohen Stützenelemente aus Schleuderbeton wurden in Deutschland von Europoles (Sonthofen) gefertigt und per Schiff nach Algier geliefert. Auch feuerfeste, zertifizierte Steine sind in Algerien selten. Viele Baumaterialien werden deshalb importiert. Der Kalkstein für die Fassade wurde aus der Türkei und aus Italien geliefert.

Kritik und Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Projekt ist in Algerien umstritten, weil das Land eine Reihe von schweren Problemen hat, die von Vielen als wichtiger erachtet werden. Die Zeitung Liberté zählte 2012 auf: Hohe Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Wasserknappheit, mangelhaftes Gesundheitswesen, fehlende Schulen, Abhängigkeit von importierten Nahrungsmitteln, Textilien und Medikamenten. In Algerien gab es 2012 bereits 14.659 Moscheen und 20.000 weitere Gebetsstätten.[7] Adlène Meddi, Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung El Watan Weekend, verglich das Projekt mit den überdimensionierten Bauprojekten in den Golfstaaten.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Große Moschee von Algier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ARD:Ein gelähmtes Land, gesichtet am 5. März 2016
  2. QZ: China completes Africa's largest mosque in Algeria
  3. a b c d AFP: Algeria builds giant mosque with world's tallest minaret. In: theguardian.com. 6. Mai 2016, abgerufen am 6. Mai 2016 (englisch).
  4. Homepage von KSP Jürgen Engel, abgerufen am 4. März 2016
  5. Sicherheitskonzept für die große Moschee Algier. KRAISS WILKE & KOLLEGEN. Abgerufen am 25. April 2019.
  6. Angaben von Klett GmbH
  7. Rudolph Chimelli: Bau des höchsten Minaretts der Welt verärgert Algerier. Süddeutsche Zeitung, 30. August 2012

Koordinaten: 36° 44′ 5,3″ N, 3° 8′ 29,7″ O