Großsteingrab von Bunsoh

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Großsteingrab Bunsoh, Ansicht von Norden

Das Großsteingrab von Bunsoh wurde 1874 in einem runden Grabhügel bei Bunsoh im holsteinischen Dithmarschen freigelegt und 1908 näher untersucht. Das Ganggrab der Trichterbecherkultur (TBK) wird auf 3500–2800 v. Chr. datiert und im "Atlas der Megalithgräber Deutschlands" als "Sprockhoff 143" geführt.[1]

Das Ganggrab vom Typ Holsteiner Kammer ist mit 3,75 m Länge verhältnismäßig klein. Seine Breite beträgt 1,55 m und die Längsachse ist von West nach Ost orientiert. Der Boden der Kammer des Großsteingrabes war mit kopfgroßen Rollsteinen gepflastert. Die Zwischenräume zwischen den Tragsteinen waren mit flachen Steinplatten verschlossen. Die Kammer, deren Zugang im Süden liegt, war in vier Quartiere unterteilt. Als Grabbeigaben fand sich Keramik und Geräte aus Feuerstein.

Die Schalensteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf acht vertikalen Tragsteinen ruhen drei Decksteine, von denen der westliche ein in der Fachwelt bekannter Schalenstein ist, mit etwa 300 Schälchen, mehreren eingravierten Linien, einem Radkreuz, stilisierten menschlichen Händen und einem Fußabdruck. Die letzteren drei sind in Deutschland nicht bzw. nicht mehr und auch sonst nur selten anzutreffen. Der Schalenstein von Bunsoh gilt als eines der bedeutendsten Kultobjekte aus urgeschichtlicher Zeit.

In der Umgebung des Großsteingrabes wurden noch sechs weitere Schalensteine entdeckt. Der verstorbene Heimatforscher Nikolaus Lorenzen, wies bereits 1971 in seiner nur als Manuskript vorliegenden Chronik Unser Bunsoh auf fünf weitere Schalensteine hin, die neben Schälchen auch Ringe sowie Hand- und Fußdarstellungen aufgewiesen haben sollen, aber bis auf einen alle verloren gegangen sind. Dieses nur fragmentarisch erhaltene Exemplar befindet sich im Museum in Albersdorf. Etwas später wurde nördlich des Fundortes des berühmten Schalensteins, neben den Überresten eines großen Grabhügels der sechste Schalenstein entdeckt. Dieser so genannte „kleine Schalenstein von Bunsoh“ besteht aus rötlichem Sandstein und hat die Maße 1,1 × 0,8 × 0,5 m. Er ist mit fünf Schälchen verziert, die in einer Reihe liegen, sowie mit einer ovalen Eintiefung von neun Zentimeter Länge und vier cm Breite sowie einem sechsten, sehr kleinen Schälchen mit zwei konzentrischen Ringen mit einem äußeren Durchmesser von 19 cm.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Westedt: Steinkammer mit Näpfchenstein bei Bunsoh, Kirchspiel Albersdorf, Kreis Süderdithmarsch. In: Verhandlungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. 1884.
  • U. Ickerodt, R. Kelm: Neue Untersuchungen am kleinen Schalenstein von Bunsoh. In: Archäologische Nachrichten aus Schleswig-Holstein. Band 17, 2011, S. 62-64.
  • Jutta Roß: Megalithgräber in Schleswig-Holstein. Untersuchungen zum Aufbau der Grabanlagen nach neueren Ausgrabungsbefunden. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 1992, ISBN 3-86064-046-1.
  • C. Rothmann: Die Grabkammer mit dem Schalenstein bei Bunsoh in Dithmarschen. In: Mittheilungen des Anthropologischen Vereins in Schleswig-Holsten. Band 19, 1911, S. 20–25.
  • Ernst Sprockhoff: Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 1: Schleswig-Holstein. Rudolf Habelt Verlag, Bonn 1966, S. 39.
  • Jürgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Band 36 in Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, 2003. ISBN 3-930036-70-3

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.megalithic.co.uk/article.php?sid=17070

Koordinaten: 54° 9′ 54″ N, 9° 18′ 25″ O