Guaraní (Volk)

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Guaraní-Familie
Schamane bei einem Treffen von Führern der Guaraní

Die Guaraní sind eine indianische Ethnie, die bereits in präkolumbischer Zeit als Ackerbauern im mittleren Südamerika siedelte und somit zu den indigenen Völkern Südamerikas zählt. Ihre Siedlungsgebiete gehören heute zu Paraguay, Bolivien, Argentinien, Brasilien und Uruguay.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Guaraní waren eines der ersten Völker Südamerikas, die mit Europäern in Kontakt kamen. 1567 berichtete Ulrich Schmidl in seinem Werk Wahrhafftige Historien einer wunderbaren Schiffahrt von ihnen.[1]

Bereits der erste spanische Gouverneur Paraguays förderte offiziell die Vermischung der spanischen Kolonisten mit den Ureinwohnern, ein Anliegen, das auch spätere Herrscher hatten. Viele Paraguayer haben deshalb Guaraní-Vorfahren, obwohl sie offiziell nicht diesem Volk zugerechnet werden.

Die Jesuiten engagierten sich für den Schutz der Guaraní vor Sklavenjägern und der Ausbeutung durch die weiße Oberschicht. Mit den „Jesuitenreduktionen der Guaraní“ schufen sie ab 1610 die ersten „Indianerreservationen“ Amerikas. Diese geschützten Siedlungen durften nur von Guaraní sowie von Jesuiten und geladenen Gästen betreten werden; sie unterstanden nicht der Rechtsprechung der Kolonialregierung, sondern formal der spanischen Krone.

Die Konflikte mit den Kolonialbehörden und Großgrundbesitzern führten jedoch 1767 dazu, dass die Jesuiten auf Befehl des spanischen Königs Karl III. aus den spanischen Gebieten Lateinamerikas vertrieben und die Jesuitenreduktionen aufgehoben wurden. Ein Zeugnis ist die Ruinenstadt San Ignacio Miní, ein UNESCO-Weltkulturerbe in der argentinischen Provinz Misiones.

1857 erschien der historische Roman O Guarani von José de Alencar, eines der bedeutendsten Werke der brasilianischen Romantik. Die Handlung spielt im Jahr 1604. Die Opernadaption von Antônio Carlos Gomes (1870) gilt als Meilenstein der brasilianischen Musikgeschichte.

Die Vernichtung der Jesuitenreduktionen durch die Spanier und Portugiesen ist Thema des Films Mission (1986).

Guaraní heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Paraguay stellen die Guaraní heute ca. 1 Prozent der Bevölkerung. Ihre Sprache wird jedoch von über 80 Prozent der Paraguayer gesprochen und ist als zweite offizielle Sprache des Landes anerkannt. Auch der Spitzname der paraguayischen Fußballnationalmannschaft und die Währung Paraguays heißen Guaraní.

In Brasilien bilden die Guaraní das größte indigene Volk des Landes, aufgeteilt in drei Untergruppen (Kaiowá, Ñandeva und M’byá). In Bolivien wohnen knapp 150.000 Guaraní und ihre Sprache wird wie alle im Inland vorkommenden indigenen Sprachen offiziell anerkannt. Ein Teil der Sprecher gehört eigentlich zu den Chiriguanos, die sich jedoch selbst in der Regel heutzutage als Guaraní identifizieren.

Den Überlebenskampf der Guaraní im brasilianischen Mato Grosso hat der Spielfilm Birdwatchers – das Land der roten Menschen zum Thema, in dem indigene Laiendarsteller mitwirken (2008, Regie: Marco Bechis).[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethnologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clemente McNaspy: Pueblos de Guaranies en las Selvas Rio-Platenses. Ediciones Loyola, Asunción 1981.
  • Franz Müller: Etnografía de los Guaraní del Alto Paraná. Societatis Verbi Divini, Rosario 1989.
  • Elisabeth Gallhoff: Das Ñemongaraí Ritual der Guaraní. Eine ethnologische Analyse (= Arbeitshefte des Lateinamerika-Zentrums. Nr. 63). Lateinamerika-Zentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Münster 1999.
  • Branislava Susnik: Die Eingeborenen am Rio Paraguay. Ethnogeschichte der Guaranies. Neuwied 1995, ISBN 3-9803007-6-5 (deutsche Übersetzung von Wilhelm Chraska der 1980 vom Museo Etnográfico „Andres Barbero“, Asunción, unter dem Titel Los Aborigenes del Paraguay. Etnohistoria de los Guaranies, Epoca Colonial veröffentlichten Erstausgabe).
  • Angélica Otazú Melgarejo: Práctica y Semántica en la Evangelización de los Guaraníes del Paraguay (S. XVI–XVIII). Centro de Estudios Paraguayos „Antonio Guasch“ / Distribuidora Montoya, Asunción 2006, ISBN 99925-895-7-4.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf Dietrich: More evidence for an internal classification of Tupi-Guarani languages. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-7861-1606-7.
  • Bartomeu Melia: La lengua guarani del Paraguay. Editorial MAPFRE, Madrid 1992, ISBN 84-7100-608-1.
  • Azucena Palacios Alcaine: Introducción a la lengua y cultura Guaraníes. Universitat de València, Valencia 1999, ISBN 84-370-4151-1.
  • Yolanda Russinovich Solé: Valores comunicativos y emblemáticos del Español y del Guaraní. Instituto Caro y Cuervo, Bogotá 2001.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lucía Gálvez: Guaranies y Jesuitas. De la Tierra sin Mal al Paraíso. 2. Auflage. Sudamericana, Buenos Aires, 1995.
  • Ernesto Maeder: La Conquista de la Justicia. Ruiz de Montoya y los Guaranies. Editorial Docencia, Buenos Aires 1988.
  • John Manuel Monteiro: Os Guarani e a história do Brasil meridional, séculos XVI–XVII. In: Manuela Carneiro da Cunha (Hrsg.): Historia dos índios do Brasil. Editora Schwarcz, São Paulo 1992, S. 475–500.
  • León Goldstein: Las Misiones Jesuíticas Guaraníes. Manrique Zago ediciones, Buenos Aires 1997, ISBN 950-9517-92-5.

Die Guaraní heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manya Ghahramani: Die Entwicklung eines zweisprachigen interkulturellen Schulsystems in Bolivien unter besonderer Berücksichtigung der Guaraní. Edition Praesens, Wien 1996, ISBN 3-7069-0097-1.
  • Richard K. Reed: Guardianes de la Selva. Comunidades guaraní y recolección comercial. Centro de Estudios Antropológicos de la Universidad Católica, Asunción 2003, ISBN 99925-879-0-3.
  • Diethelm Busse: Schule bei den Guaranies in Bolivien. Indigene Identitätsstärkung und Zukunftsbefähigung. Paulo Freire Verlag, Oldenburg 2006, ISBN 3-86585-218-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Guaraní – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Expedition zum Silberstrom. Die Abenteuer des Ulrich Schmidl in Südamerika. (Memento vom 12. April 2013 im Webarchiv archive.is) TV-Dokumentation von Engelbert Schwarzenbeck
  2. Website zum Film Birdwatchers (mit Video)