Gustav Jungbauer

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Gustav Jungbauer (* 17. Juli 1886 in Oberplan im Böhmerwald, Bezirk Krumau; † 23. Oktober 1942 in Prag) war ein deutsch-böhmischer Professor für Volkskunde an der Karls-Universität Prag und Mitbegründer des Böhmerwald-Museums in Oberplan.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jungbauer besuchte das deutsche Gymnasium in Krumau in Südböhmen und war dort Schüler des Gymnasiallehrers Josef Johann Amman (1862–1913), einem Volkskundler des Böhmerwaldes. Anschließend studierte er Germanistik an der Karls-Universität Prag bei August Sauer und Adolf Hauffen, die er mit der Promotion zum Dr.-phil. abschloss. Nach der Lehramtsprüfung war er von 1910 bis 1914 Lehrer an der höheren Staatsgewerbeschule in Reichenberg in Nordböhmen.

Während des Ersten Weltkrieges geriet er als Kriegsteilnehmer der österreich-ungarischen Armee 1915 in russische Kriegsgefangenschaft. Aus einem Lager in Turkestan gelang ihm die Flucht zurück nach Böhmen. 1919–1921 hielt er sich in Russland auf, wo er im Auftrag des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes die Rückführung von Kriegsgefangenen erreichen sollte.

Als Privatdozent wurde er 1923 an der Karlsuniversität Nachfolger von Adolf Hauffen und setzte dessen Bibliographie der deutschen Volkskunde in Böhmen fort. 1933 wurde er zum außerordentlichen. 1937 zum ordentlicher Professor ernannt. Er war Mitglied zahlreicher, das Volkstum fördernder Gesellschaften und Vereine.

In seiner Geburtsstadt Oberplan war Jungbauer 1923 Mitbegründer des Böhmerwaldmuseums, das aus Stiftungen und Nachlässen aufgebaut wurde. Von 1928 bis 1938 war er Herausgeber der „Sudetendeutschen Zeitschrift für Volkskunde“ und Schriftleiter der „Beiträge zur Sudetendeutschen Volkskunde“. Eine Gedenktafel am Friedhof von Horní Planá (Oberplan), wo sein Grab erhalten ist, erinnert an ihn.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volksdichtung und Volkslieder – Beitrag zur deutsch-böhmischen Volkskunde. Prag, Reichenberg Band 8, 108 ff.
  • Die Rübezahl-Sage. Habilitationsschrift 1923.
  • Böhmerwald-Märchen. 1923.
  • Böhmerwald-Sagen. Jena 1924.
  • Zwiebelkalender. In: Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. Berlin/Leipzig 1927. Nachdruck Berlin 1987, Spalte 971.
  • Volkslieder des Egerlandes. 1932.
  • Schwarzer Freitag. In: Handwörterbuch des Deutschen Aberglaubens. Berlin und Leipzig, 1932. Nachdruck: Walter de Gruyter, Berlin New York, 2000, Spalte 45–73.
  • Deutsche Volksmedizin. Berlin/Leipzig 1934.
  • Deutsche Sagen aus der Tschechoslowakei. 1934.

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jungbauer Gustav. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 149.
  • Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum von Heribert Sturm, Band II (I-M), Seite 72 und 73. Oldenbourg Verlag München 2000. ISBN 3-486-52551-4
  • Hans Giebisch, Gustav Gugitz: Biographisch-Bibliographisches Literatur-Lexikon Österreichs von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1963.
  • Erhard Josef Knobloch: Deutsche Literatur in Böhmen – Mähren – Schlesien von den Anfängen bis heute. 2. Auflage München 1976.
  • Jahrbuch der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Prag, 1942.
  • Franz Eduard Hrabe: Universitätsprofessor Dr. Josef Jungbauer, sein Wirken und Schaffen. Mit einem Werkverzeichnis, 1936.
  • Johanna von Herzogenberg: Zwischen Donau und Moldau – Bayerischer Wald und Böhmerwald. Das Mühlviertel und Südböhmen. Die Stadt Oberplan in dem Abschnitt: Die Moldau, S. 260–268, Prestel Verlag München, 1968.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Gustav Jungbauer – Quellen und Volltexte