Gustav von Hugo

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Gustav von Hugo

Gustav von Hugo (* 23. November 1764 in Lörrach; † 15. September 1844 in Göttingen) war ein deutscher Jurist. Hugo gilt gemeinhin als Wegbereiter und Mitbegründer der Historischen Rechtsschule des 19. Jahrhunderts.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Conrad Hugo war der Sohn des badischen Landschreibers, ursprünglich Hofrat am markgräflich-badischen Hof in Karlsruhe, Johann Michael Hugo (1718–1799) und Sophia Elisabeth H., geb. Morstadt (1725–1784). Im Alter von 14 Jahren ging er für zwei Jahre auf das Gymnasium Mömpelgard (heutiges Montbéliard), das seinerzeit noch unter württembergischer Herrschaft stand. Da er auf einer französischen Schule war, kam er früh mit der Literatur Voltaires in Berührung, was er selbst als einen der „entscheidendsten Punkte“ seines Lebens bezeichnete.[1] 1779 wechselte er bis 1782 auf das Gymnasium in Karlsruhe. Vom Gymnasium in Karlsruhe ging er 1782 zur Universität Göttingen, wo er drei Jahre Rechtswissenschaften studierte. Nachdem er zum Lehrer Leopolds von Anhalt-Dessau ernannt worden war, promovierte er 1788 an der Universität Halle. Im gleichen Jahr wurde er als außerordentlicher Professor nach Göttingen zurückgerufen, wo er 1792 dann ordentlicher Professor wurde. Rufe nach Heidelberg und Halle lehnte er ab. 1802 Ernennung zum Hofrat. Gustav Hugo war seit 1797 verheiratet mit Julie H., geb. Mylius (1774–1821). Die gemeinsame Tochter Pauline Hugo war mit Karl Otfried Müller verheiratet.

Im Vorwort zu seinem Beiträge zur civilistischen Bucherkenntniss der letzten vierzig Jahre (1828–1829) skizziert er die Bedingungen, unter denen zu der Zeit in Göttingen Zivilrecht gelehrt werden konnte. Gustav Hugo pflegte eine ausgesprochen persönliche und vertrauensvolle Korrespondenz sowie eine freundschaftliche Beziehung zu den Brüdern Grimm.

Da in den existierenden Gesetzen das Römische Recht und germanische Elemente ohne Kritik und Unterscheidung miteinander verwoben waren, für den praktischen Nutzen in ein angeblich Ganzes eingeschweißt, konnte man nicht mehr sagen, ob die historische Wahrheit oder die praktischen Beweggründe stärker präjudiziert wurden. Da dies zudem von Person zu Person weitergegeben wurde, schlichen sich neue Fehler ein, und sogar die besten Lehrer konnten nicht mehr den falschen Methoden entfliehen, die mittlerweile Tradition geworden waren. Mit diesem Übel hatte Gustav von Hugo zu kämpfen, als er der Begründer der historischen Schule der Jurisprudenz wurde, die dann von Friedrich Carl von Savigny weitergeführt und ausgebaut wurde. Er folgte dem auf den Hochklassiker Gaius zurückgehenden Institutionensystem und analysierte besonders kritisch das Obligationenrecht (Vorläuferbegriff zum „gesamten bürgerlichen Recht“).[2]

Sein Hauptwerk ist das in sieben Bänden erschienene Lehrbuch eines civilistischen Cursus (1792–1821), daneben ist das in sechs Bänden erschienene Zivilistische Magazin (1790–1837) von Bedeutung. Im zweiten Band des „civilistischen Cursus“ befasst sich Hugo mit dem Naturrecht unter dem Titel Naturrecht als einer Philosophie des positiven Rechts, besonders des Privatrechts. Bis in die Gegenwart wird das Werk im Lichte einer Fortsetzung der kantischen Rechtslehre interpretiert.[1]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Institution des heutigen Römischen Rechts, August Mylius, Berlin, 1792.
  • Lehrbuch eines civilistischen Cursus
    • Band I: Lehrbuch der juristischen Encyclopädie. 1. Auflage, August Mylius, Berlin, 1792. 7. Auflage, August Mylius, Berlin, 1823.
    • Band II: Lehrbuch des Naturrechts. 1. Auflage, August Mylius, 1798. 4. Auflage, August Mylius, Berlin, 1819.
    • Band III: Lehrbuch der Rechtsgeschichte. 1. Auflage, August Mylius, Berlin, 1790. 11. Auflage, Erste Abtheilung, August Mylius, Berlin, 1832. 11. Auflage, Zweyte Abtheilung, August Mylius, Berlin, 1832.
    • Band IV: Lehrbuch des heutigen Römischen Rechts. 1. Auflage, August Mylius, Berlin, 1790. 7. Auflage, August Mylius, Berlin, 1826.
    • Band V: Philosophische Encyclopädie, August Mylius, Berlin, 1802.
    • Band VI: Civilistische Literärgeschichte, 1. Auflage, August Mylius, Berlin, 1812. 3. Auflage, August Mylius, Berlin, 1830.
    • Band VII: Chrestomathie von Beweisstellen für das heutige Römische Recht. 1. Auflage, August Mylius, Berlin, 1802. 3. Auflage, August Mylius, Berlin, 1820.
  • Beyträge zur civilistischen Bücherkenntniß
    • Band I: August Mylius, Berlin, 1828.
    • Band II: August Mylius, Berlin, 1829.
    • Band III: August Mylius, Berlin, 1844.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gustav Hugo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Arno Buschmann: Naturrecht und geschichtliches Recht. Gustav Hugos Rechtsphilosophie und die Anfänge der geschichtlichen Rechtswissenschaft, in: Okko Behrends, Dietmar von der Pfordten, Eva Schumann, Christiane Wendehorst (Hrsg.), Elementa iuris, Schriftenreihe des Instituts für Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung, Nomos, Band 1, 2009, ISBN 978-3-8329-4473-5, S. 17–40.
  2. Zum Begriffswechsel vergleiche Hans Hermann Seiler: Geschichte und Gegenwart im Zivilrecht, Heymanns, Köln 2005, ISBN=978-3-452-25387-3, S. 315–328 (316 f.).