Hazienda

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
La Hacienda Xcanchakan, Kupferstich von Frederick Catherwood, 1843

Hazienda ist die deutsche Schreibweise für spanisch hacienda, ein Landgut in Lateinamerika. Die Größe einer Hazienda variiert regional stark, kann aber eine Fläche von mehreren tausend Hektar umfassen. Zwischen den Arbeitern und dem Besitzer, dem hacendado, besteht häufig ein informelles Abhängigkeitsverhältnis.

Andere Quellen wissen dagegen zu berichten, dass der Begriff Hacienda vielmehr den Viehbestand einer Estancia bezeichnet.[1]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Konquista fiel im 16. Jahrhundert ein Großteil des Landes in Mittel- und Südamerika an die kastilische und portugiesische Krone, die wiederum die Konquistadoren zeitlich beschränkt mit den Tributen (encomienda) indigener Gemeinden belohnten. Zusätzlich wurde im Folgenden durch Schenkungen, illegale Besetzungen und dubiose Geschäfte immer mehr Land an Konquistadoren und Siedler verteilt. Dies wurde durch den drastischen Rückgang der indigenen Bevölkerung im 16. und 17. Jahrhundert (die sogenannte Demographische Katastrophe) begünstigt und gerade encomenderos gründeten daraufhin häufig Haciendas. Durch die Enteignung und Privatisierung kirchlicher Güter vergrößerte sich der Großgrundbesitz in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein weiteres mal und auch durch technologische Entwicklungen, sowohl durch bessere Marktanbindung als auch durch bessere Produktionstechnologien, wurde die Expansion erleichtert.[2]

Wesentliche Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strukturelle Eigenschaften waren die Beherrschung der Märkte, der Böden und Wasservorkommen und der Arbeitskräfte durch die Hacienda und ihre Eigentümer in ihrer Umgebung, wobei andere Merkmale wie die hauptsächlich produzierten Produkte oder die Betriebsorganisation variierten. Während ihre Form vom 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts stabil blieb, näherte sie sich dann wegen besserer Anbindung an die (überregionalen) Märkte der Plantage an. Diese, sowie die Viehzucht-Haciendas im heutigen Argentinien und Uruguay, waren exportorientiert und größtenteils in den Regionen der Atlantikküsten Amerikas gelegen. Die Hochland-Haciendas produzierten Getreide und Vieh für nahegelegene Bergwerkszentren und spanische Kolonialstädte. Aufgrund der hohen Transportkosten in den gebirgigen Gegenden Amerikas blieben sie auf regionale Märkte beschränkt, eine Ausnahme war z. B. der Wollexport nach Europa ab den 1830er Jahren.[2]

Weitere Merkmale waren:

  • Absentismus: Eigentümer verpachtet nur sein Land, lebt aber in der Stadt
  • Land wurde früher meist von Indios bewirtschaftet
  • Verwaltung durch hierarchisch geordnetes System (Verwalter, Unterverwalter, Vorarbeiter, Arbeiter, Pächter und Unterpächter)
  • Indios mussten Abgaben an Besitzer leisten und erhielten dafür ein Stück Land
  • Viehhaltung und Ackerbau

Arbeits- und Lebensverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeitsverhältnisse hingen unter anderem von den Marktchancen und der Verfügbarkeit von Arbeitskräften ab. Waren Arbeitskräfte knapp, wurde versucht, sie an das Gut zu binden, so z. B. infolge der Demographischen Katastrophe. Mittel dazu waren Lohnvorschüsse und daraus entstehende Schuldbindung sowie eine durch Vererbung gebundene Pacht, also eine Form der Leibeigenschaft. Bei einer ausreichend großen Zahl an Arbeitskräften wurde auf diese Bindung verzichtet und auf billigere Saisonarbeiter*innen zurückgegriffen. Waren die Marktchancen schlecht, wurde oft Land verpachtet.

Die Hacienda war ein relativ abgeschlossenes soziales System, deren Bewohner*innen nur sehr wenig Kontakt zur Außenwelt hatten, vor allem der Eigentümer und dessen Stellvertreter. Zu ihr gehörten neben Wohnungen auch eine Kapelle, ein Laden und oft auch andere dorfähnliche Einrichtungen wie ein Postamt, ein Gefängnis oder eine Schule und sie war insofern für die indigenen Arbeiter*innen ein Ersatz für ihre frühere Dorfstruktur. Viele Eigentümer der Haciendas zählten aufgrund ihrer Einkünfte zu den regionalen und nationalen Eliten.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert J. Nickel: Soziale Morphologie der mexikanischen Hazienda, Wiesbaden 1978.
  • Hans G. Mertens: Wirtschaftliche und soziale Strukturen zentralmexikanischer Weizenhaziendas aus dem Tal von Atlixco (1890-1912), Wiesbaden 1983.
  • Klett-Perthes: Fundamente - Entwicklung in den Tropen und Subtropen (2002)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Viehzucht im Großbetrieb (Die Estancia) in Die La Plata-Länder von Herbert Wilhelmy und Wilhelm Rohmeder, S.177ff
  2. a b c Reinhard Liehr: Hacienda. In: Enzyklopädie der Neuzeit. Band 5. Stuttgart 2007, S. 15–20.