Heinrich Füllmaurer

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Die von Leonhart Fuchs beauftragen Künstler: Albrecht Meyer zeichnete die Objekte nach der Natur, Heinrich Füllmauer kopierte diese auf Holzblöcke, die dann von Veit Rudolf Speckle geschnitten wurden

Heinrich Füllmaurer (* um 1497 in Herrenberg; † 1547/1548 Tübingen)[1] war ein deutscher Renaissance-Maler und Zeichner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde um 1497 geboren und erscheint in den Urkunden ab 1514.[1] Er war ein enger Freund des Theologen Kaspar Gräter, der später ein lutherischer Hofprediger wurde und ihm im Jahre 1537 einen Katechismus widmete.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Gothaer Tafelaltar“ mit 157 Einzelbildern aus der Werkstatt des Heinrich Füllmaurer, 1540, ausgestellt im Herzoglichen Museum Gotha

Füllmaurer hat mit Albrecht Meyer und Marx Weiss dem Jüngeren (1536–1580) an der Bemalung der herzoglichen Gemächer in Stuttgart gearbeitet. Er arbeitete auch mit Meyer an einer Reihe von über 500 farbigen Zeichnungen (Wien, Österreich) für die beiden Kräuterbücher des Botanikers Leonhart Fuchs:[2]

  • De historia stirpium commentarii (Basel, 1542) und
  • Neues Kräuterbuch (New Kreüterbuch) (Basel, 1543).[3]

Er fertigte außerdem hunderte von Zeichnungen für ein umfassendes neues Kräuterbuch von Fuchs an, das nie veröffentlicht wurde. Es ist aber erhalten und befindet sich unter der Bezeichnung Codex 11 117-11125 in der Nationalbibliothek in Wien. Alle 1541 Bilder dieses Werks finden sich in dem Werk der Familie Baumann von 2001:

  • B. Baumann, H. Baumann, S. Baumann-Schleihauf: Die Kräuterbuchhandschrift des Leonhart Fuchs. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001. ISBN 3-8001-3538-8

Eine kleine Zahl der noch erhaltenen Holzblöcke wird heute in Tübingen im Botanischen Institut der Universität aufbewahrt. Einer der gedruckten Holzschnitte zeigt Porträts von Füllmaurer und Meyer sowie ein Porträt des Straßburger Holzschnitt-Schnitzers Veit Rudolf Speckle († 1590), das klar auf einer Zeichnung von Hans Baldung basiert.

In älteren Berichten wird Füllmaurer außerdem als Bildwirker bezeichnet, was in späteren Publikationen gelegentlich falsch als Bildhauer wiedergegeben wird. Die Kombination von Maler und Bildwirker wäre außergewöhnlich, doch spricht vieles dafür, dass Füllmaurer nicht selbst an Bildteppichen gearbeitet hat. Vielmehr hat er nur die Motive dafür entworfen, während ein Werkstattbetrieb die Ausführung übernahm. Kugler wies um 1850 darauf hin, dass man bis ins 18. Jahrhundert noch Meister und Werkstatt gleichgesetzt hat, es aber schon aus rein zeitlichen Gründen nicht möglich gewesen wäre, dass Füllmaurer sich neben dem umfangreichen grafischen Werk auch mit der handwerklich komplizierten und langwierigen Technik der Weberei beschäftigt habe. Stattdessen sei anzunehmen, dass er einer größeren Werkstatt vorstand. Die Kombination mehrerer Gewerke innerhalb dieser Werkstatt lässt ferner darauf schließen, dass es sich um eine höfische Werkstatt handelte, die frei von den Beschränkungen der Zünfte war. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um die Stuttgarter Hofmalerwerkstatt von Herzog Ulrich von Württemberg, über die wenig bekannt ist, da sich Ulrich aus politischen Gründen zur Zeit Füllmaurers lange außer Landes befand. Füllmaurer könnte die Hofmalerprivilegien genossen und sich in Ulrichs Abwesenheit mit privaten Aufträgen aus dem Kreis der Theologen um Kaspar Gräter über Wasser gehalten haben. Ein Mitarbeiter seiner Werkstatt war der Holzschnitzer Veit Rudolf Speckle, der später in Straßburg tätig war.

Füllmaurer wird auch als Maler des Mömpelgarder Altars, den für die Stiftskirche St-Maienboeuf in Montbéliard/Mömpelgard geschaffenen Altars angesehen, der im Kunsthistorischen Museum Wien, ausgestellt ist. Die eindeutige Zuschreibung des Mömpelgarder und des Gothaer Altars erfolgte erst spät durch Werner Fleischhauer. Der Altar ist eine Bilderpredigt über das Leben Jesu, nach einer Evangelienharmonie, auf der Basis der Bibelübersetzung Martin Luthers von 1522. An einem Mittelschrein sind in zwei Reihen je sechs bewegliche Flügel angebracht, die wie ein Buch gelesen werden können. Auf jeder Tafel gibt es zwölf Bilder. Im Altarschrein sind Passion und Kreuzigung dargestellt. Graf Georg von Württemberg, Regent der Grafschaft Mömpelgard, gab 1538/40 den Auftrag, für die Pfarrkirche St. Maienboef einen Flügelaltar zu malen, der später in die Stuttgarter Kunstkammer und von dort als Kriegsbeute nach Wien gelangte. Als theologischer Berater des Malers gilt der deutscher Theologe und Reformator Kaspar Gräter, der als erster evangelischer Pfarrer 1534 nach Herrenberg kam und dort die Reformation einführte.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Kugler: Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte. Zwei Bände. Stuttgart 1854.
  • Der Mömpelgarder Altar: Zeitzeuge der Reformation. Herausgeber: Evangelische Kirchengemeinde Herrenberg; Redaktion: Eberhard Feucht, Ralf Krauss, Helmut Maier; Text: Helmut Maier; Herrenberg Evangelische Kirchengemeinde, 2016
  • Staatsgalerie Stuttgart, Elsbeth Wiemann (Hrsg.): Der Meister von Meßkirch. Katholische Pracht in der Reformationszeit. Hirmer, München 2017, ISBN 978-3-7774-2918-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Timo Trümper: Der Gothaer Tafelaltar. Ein monumentales Bilderbuch der Reformationszeit. Michael Imhof, Petersberg. 2. Auflage 2018, Seite 29–30. ISBN 978-3-7319-0595-0
  2. The Grove Dictionary of Art in Englisch.
  3. New Kreüterbuch (Memento des Originals vom 3. Dezember 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/imgbase-scd-ulp.u-strasbg.fr
  4. Der Mömpelgarder Altar: Zeitzeuge der Reformation. Herausgeber: Evangelische Kirchengemeinde Herrenberg; Redaktion: Eberhard Feucht, Ralf Krauß, Helmut Maier; Text: Helmut Maier; Herrenberg Evangelische Kirchengemeinde [2016], S. 8. ISBN 978-3-00-054391-3)