Zum Inhalt springen

Heinrich Hansen (Gewerkschafter)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Heinrich Hansen (* 11. November 1895 in Wilhelmsburg; † 8. Februar 1971 in Stuttgart[1]) war ein deutscher Gewerkschafter. Er war Vorsitzender der IG Druck und Papier und in herausragender Rolle beim Aufbau der Gewerkschaften in der Bundesrepublik nach 1945 beteiligt.

Heinrich Hansen trat als Sohn eines Fruchtpackers sehr früh als Steindrucker-Lehrling dem gewerkschaftlichen Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandte Berufe bei. 1913 erfolgte sein Eintritt in die SPD. Dem Krieg entkam Hansen als überzeugter Pazifist. Nach der Novemberrevolution engagierte er sich in Hamburg zunächst in der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), trat allerdings nach 1922 als Gegner jedweder Kaderpolitik wieder der SPD bei. Von 1924 bis 1931 arbeitete er als Offsetdrucker beim Hamburger Echo und danach bis 1933 hauptamtlich beim Hamburger Gewerkschaftsverband.[2] Hansen gehörte in der Zeit des Nationalsozialismus zum gewerkschaftlichen Widerstand. 1936 wurde er unter dem Vorwurf der „Vorbereitung zum Hochverrat“ für vier Jahre inhaftiert. Er wurde im Oktober 1940 freigelassen, stand aber unter Polizeiaufsicht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs baute er die IG Druck und Papier mit auf und engagierte sich beim Aufbau des Deutschen Gewerkschaftsbunds.[3]

Beim ersten Verbandstag der graphischen Gewerkschaften der Westzonen 1948, bei dem die IG Druck und Papier gegründet wurde, wurde Hansen zum zweiten Vorsitzenden gewählt, Vorsitzender wurde Christian Fette. Hansen war bis dahin Zweiter Vorsitzender des Bezirks Nordmark gewesen.[4] Im Mai 1949 nahm Hansen am Gründungskongress der Internationalen Graphischen Föderation in Stockholm teil.[5]

Heinrich-Hansen-Haus

Nachdem Fette 1951 DGB-Vorsitzender geworden war, trat Hansen seine Nachfolge als Vorsitzender der IG Druck und Papier an. Das Amt hatte er bis 1962 inne. Er starb 1971.

Nach ihm ist das Heinrich-Hansen-Haus des Instituts für Bildung, Medien und Kunst der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di (der Nachfolgeorganisation der IG Druck und Papier) in Lage-Hörste, Nordrhein-Westfalen benannt. Es wurde 1954 unter dem Namen „Bergheim Hörste“ eröffnet.[6] Die Bildungseinrichtung wurde 2019 von der Gewerkschaft ver.di an eine Immobilienfirma verkauft. Seit 2023 werden dort Flüchtlinge aus der Ukraine untergebracht,[7] ab 1. Juli 2025 wird es eine Zentrale Unterbringungseinrichtung[8].

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Heinrich Hansen gestorben, Druck und Papier. Zentralorgan der Industriegewerkschaft Druck und Papier, Jg. 109, Nr. 3, 8. Februar 1971, S. 5.
  2. Rüdiger Zimmermann: Heinrich Hansen, in: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie. Band 8. Wallstein, Göttingen 2023, S. 187–188
  3. Gewerkschaftliche Informationen, S. 768 (PDF-Datei; 11 kB)
  4. Industriegewerkschaft Medien, Druck und Papier, Publizistik und Kunst, Landesbezirk Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) 50 Jahre Mediengewerkschaft in Nordrhein-Westfalen 1947–1997, S. 25, S. 32 (PDF-Datei; 1,6 MB)
  5. Gründung der Industriegewerkschaft Druck und Papier auf dem 1. Trizonalen Verbandstag in München vom 29. November bis 1. Dezember 1948
  6. 50 Jahre Mediengewerkschaft in Nordrhein-Westfalen 1947–1997, S. 37–38 (PDF-Datei; 1,6 MB)
  7. Lippische Landeszeitung vom 9. November 2023
  8. Lippische Landeszeitung vom 21. Mai 2025