Heizelementstumpfschweißen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das Heizelementstumpfschweißen (HS) wird nach Regelwerk DVS 2207 Teil 1 angewandt. Es dient zur Verbindung von Kunststoffrohren aus teilkristallinem Thermoplast (z. B. Polyethylen, Polypropylen, Polyvinylidenfluorid) vorwiegend in großen Dimensionen (z. B. ab 160 mm Durchmesser) und kommt ohne Fittinge und Formteile aus. Die Rohrenden werden auf Schmelztemperatur erhitzt und zur Verbindung stumpf aufeinander gedrückt.[1]

Ein ähnliches Verfahren ist das Heizelementmuffenschweißen, das vor allem bei kleineren Rohrdimensionen zum Einsatz kommt. Im Gegensatz zum Heizelementstumpfschweißen werden hierbei Muffen zum Verbinden der Rohrenden verwendet, die vor dem Zusammenfügen gemeinsam mit dem Rohrende erhitzt werden.[2]

Ablauf des Schweißens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DVS 2207-1 beschreibt den genauen Arbeitsablauf für das Schweißverfahren. Der Schweißzyklus beginnt mit dem Vorbereiten der Fügeflächen und dem Einlegen der Fügeteile. Nachdem die Werkzeughälften geschlossen wurden, werden die Fügeteile an das elektrische Heizelement durch leichtes Abschmelzen angeglichen, bis sie vollständig anliegen und gut erwärmen können. Ist eine ausreichende Schmelzeschichtdicke erzeugt, so werden die Werkzeughälften rasch auseinandergefahren, das Heizelement fährt hinaus und die Bauteile werden unter Druck gefügt. Daran schließt sich die Kühlzeit an, die abgewartet werden muss, bevor die Fügeteile entnommen und nachgearbeitet werden können.[3]

Vor- und Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verfahren erzeugt eine relativ hohe Schweißnahtqualität. Durch die gegenüber anderen Verfahren schonende, langsame Erwärmung wird eine größere Schmelzeschichtdicke erzeugt. Die Zykluszeit ist dadurch recht lang. Das Heizelementschweißen ist weiterhin bekannt für seine Prozesssicherheit. Es können komplexe Fügeflächen realisiert und kleine sowie große Bauteile geschweißt werden.[3]

Anwendungsgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heizelementstumpfschweißen wird u. a. in der Gas- und Wasserversorgung angewandt. Hier werden Kunststoffrohre von einem Durchmesser OD 32 mm bis OD 1200 mm verschweißt (OD = Outside Diameter). Hier findet das Verfahren DVS 2207-1 durch den geprüften Schweißer nach Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches DVGW GW 330 Anwendung. Der Lehrgang GW 330 richtet sich an Facharbeiter aus Rohrleitungsbau- und Versorgungsunternehmen, sowie an Mitarbeiter die bereits eine langjährige Berufspraxis im erdverlegten Rohrleitungsbau nachweisen können.

Im Behälterbau, Lüftungsbau, Geothermie, in der Fernwärmeversorgung, sowie im Entsorgungsbereich findet die reine DVS Anwendung. Hier wird bei der DVS 2207-1 noch zusätzlich nach DVS 2212-1 in Untergruppen (UG) unterschieden:

  • UG I-6.1 – I-6.2 - I-6.3 HS PE-HD (Polyethylen high density)
  • UG I-4.1 - I-4.2 HS PP-H; PP-R; PP-B (Polypropelen PP)
  • UG I-8 HS PVDF (Polyvinylidenfluorid PVDF)

Kunststoffschweißlizenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kunststoffschweißer mit der Lizenz DVS 2207-1 mit entsprechender Untergruppe darf nicht im öffentlichen Gas- und Wassernetz schweißen. Dieses ist dem Kunststoffschweißer mit der Lizenz GW 330 vorbehalten.

Die Verlängerungsprüfung nach DVGW GW 330 muss nach einem bzw. drei Jahren durchgeführt werden, um weiterhin schweißberechtigt zu sein.

Die Verlängerungsprüfung nach DVS 2207 muss nach einem bzw. zwei Jahren durchgeführt werden, um weiterhin schweißberechtigt zu sein.

Schweißbeurteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Beurteilung dieser HM-Verbindungen erfolgt nach Regelwerk DVS 2202 Teil l, Bewertungsgruppe I, II oder III.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Wenner: Hilfe für das Herstellen und Beurteilen von Heizelementstumpf- & Heizwendelschweißungen an thermoplastischen Rohren- und Rohrleitungsteilen. 2. Auflage. Dortmund 2012, ISBN 978-3-00-037602-3 (inkl. Schulungs-DVD).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rohrleitungssystem Fusiotherm® climatherm - Rohrleitungssysteme aus Fusiolen® PP-R, S. 64f, aquatherm GmbH
  2. Rohrleitungssystem Fusiotherm® climatherm - Rohrleitungssysteme aus Fusiolen® PP-R, S. 38ff, aquatherm GmbH
  3. a b Christian Bonten: Kunststofftechnik Einführung und Grundlagen. Hanser Verlag, 2014, ISBN 978-3-446-44093-7.