Heizkissen

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Dieser Artikel beschreibt das für Lebewesen entwickelte Gerät. Für das Gerät zur Erwärmung von Reifen siehe Heizdecke (Motorsport).
Gefaltete Heizdecke mit Schalter

Heizkissen und Heizdecken sind Wärmespender, die elektrisch betrieben, eine kontinuierliche, körpernahe Wärmezufuhr ermöglichen. Heizkissen werden von wärmebedürftigen Menschen und Tieren gebraucht, um sich vor Kälte zu schützen oder das Bett anzuwärmen. Eine weitere Anwendung ist die Wärmetherapie bei chronischen Schmerzen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heizkissen mit Verpackung, um 1939

Die ersten Heizkissen und Heizdecken kamen bereits zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Beginn der Versorgung der Bevölkerung mit Elektroenergie auf. Sie ersetzten die mit glühender Kohle betriebenen Bettwärmepfannen sowie die in der Backröhre zu erhitzenden Wärmesteine fast vollständig,[1] konnten die in den 1920er Jahren aufkommenden Wärmflaschen aus Gummi aber nicht verdrängen.

Funktion und Beschaffenheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu Wärmekissen, die durch eine chemische Reaktion zeitweilig Wärme abgeben, werden Heizkissen und Heizdecken durch eine Elektroheizung erwärmt. In den Elektrogeräten befinden sich Heizdrähte (Widerstandsdrähte), die den zugeführten elektrischen Strom in Wärme umwandeln. Die zur Beheizung notwendige Leistung ist vergleichsweise gering und beträgt nur ca. 60W bei Heizkissen sowie ca. 100–200W bei Heizdecken. Bereits in älteren Geräten ermöglichten Stufenschalter unterschiedliche Mengen von parallelgeschalteten Heizdrähten zu betreiben und so die Größe der Wärmezufuhr zu steuern. Moderne Heizkissen und -decken besitzen eine elektronische Temperaturregelung und Abschaltautomatik, um Überhitzungen zu vermeiden. Dadurch ist auch ein weitgehend unbeaufsichtigter Betrieb möglich, wie zum Beispiel während des Schlafens. Allerdings sollten schwangere Frauen Heizkissen nur mit Vorsicht anwenden, da diese dem Baby schaden können[2].

Die meisten Geräte werden direkt am Stromnetz mit einer Wechselspannung von 230 Volt und gleichzeitig nahe bis unmittelbar am menschlichen Körper betrieben. Daher werden hohe Ansprüche an die Sicherheit gestellt. So muss die Umhüllung der Heizdrähte, bei gleichzeitig gewünschter Flexibilität, bruchfest und wasserdicht isoliert sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass beim Kontakt mit Körperflüssigkeiten, wie zum Beispiel bei starkem Schwitzen, Harn- und Stuhlinkontinenz oder durch verschüttete Flüssigkeiten Elektrounfälle vermieden werden.

Spezielle Heizkissenschalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit zwei verschieden starken Heizkreisen können drei verschiedene Leistungsstufen konfiguriert werden. Verwendet man zum Beispiel einen Heizkreis mit 30 Watt Leistung und einen zweiten Heizkreis mit 60 Watt Leistung, so kann ein Stufenschalter folgende Zustände aktivieren:

  • Heizkreis 1 in Betrieb: 30 Watt
  • Heizkreis 2 in Betrieb: 60 Watt
  • Beide Heizkreise in Betrieb: 90 Watt (Parallelschaltung)

Es wurden spezielle Stufenschalter entwickelt, die mit zwei gleich starken Heizkreisen ebenfalls drei verschiedene Leistungsstufen anbieten können, allerdings mit einer stärkeren Spreizung der Stufen. Debei werden die Heizkreise entweder in Reihenschaltung oder in Parallelschaltung betrieben. Bei zwei Heizkreisen mit je 50 Watt Leistung ergeben sich folgende Leistungsstufen:

  • Beide Heizkreise in Reihe geschaltet: 25 Watt
  • Ein Heizkreis in Betrieb: 50 Watt
  • Beide Heizkreise parallel geschaltet: 100 Watt

Damit ergibt sich bei beiden Stufenübergängen ein Faktor 2, was ohne diese speziellen Schalter bei nur zwei Heizkreisen nicht erreichbar ist. Für diese Schalter reichte Emerich Motz am 17. November 1949 eine Patentschrift unter dem Titel Heizkissenschalter für Serien-Parallel-Schaltung ein. [3]
Wie auch die einfache Stufenschaltung, so kann auch die Reihen-Parallel-Schaltung mit einem dreiadrigen Kabel realisiert werden.

Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Nachteil dieser Schalter ist jedoch, dass eine der drei Adern (vom Schalter zum Heizkissen) beim Wechsel der Schaltstufen von Phase auf Nullleiter oder umgekehrt umgeschaltet werden muss. Damit ergibt sich sicherheitstechnisch zusätzlich zu den einfachen möglichen Störfällen

  • Gerät funktioniert nicht (Schalter schaltet nicht ein, Unterbrechung)
  • Ausschalten nicht möglich (Schalter hängt, Unterbrechung nicht möglich)

ein dritter, weitaus gefährlicherer möglicher Störfall, nämlich

  • Kurzschluss (Schalter verbindet fälschlicherweise Phase mit Nullleiter)

Durch die bei Heizanwendungen auftretenden relativ hohen Ströme besteht bei den Schaltkontakten die Gefahr der Überhitzung und damit des Verklebens der Kontakte (d.h. der Kontakt löst sich nicht mehr). Diese Gefahr steigt mit zunehmendem Alter des Schalters an. Wenn dies bei einem Reihen-Parallel-Schalter auftritt, ist ein Kurzschluss möglich. Daher sind diese speziellen Schalter bei Heizkissen nicht mehr in Verwendung. Bei Stufenschaltern von Elektroherden kommen sind sie aber gelegentlich noch vor.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Heizkissen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Heizkissen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Heizdecke – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Holtmann: Zur Geschichte der Wärmespender.
  2. Erik Kasper: Heizkissen in der Schwangerschaft.
  3. Heizkissenschalter für Serien-Parallel-Schaltung, Google Patents, abgerufen am 1. Januar 2015