Polyvinylchlorid

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Strukturformel
Struktur von Polyvinylchlorid
Allgemeines
Name Polyvinylchlorid
Andere Namen
CAS-Nummer 9002-86-2
Monomer Vinylchlorid
Summenformel der Wiederholeinheit C2H3Cl
Molare Masse der Wiederholeinheit 62,50 g·mol−1
Art des Polymers

Thermoplast

Kurzbeschreibung

weißes Pulver[1]

Eigenschaften
Aggregatzustand

fest

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
keine GHS-Piktogramme
H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze [1]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Polyvinylchlorid (Kurzzeichen PVC) ist ein thermoplastisches Polymer, das durch Kettenpolymerisation aus dem Monomer Vinylchlorid hergestellt wird. PVC ist nach Polyethylen und Polypropylen das drittwichtigste Polymer für Kunststoffe.

Die PVC-Kunststoffe werden in Hart- und Weich-PVC unterteilt. Hart-PVC wird beispielsweise zur Herstellung von Fensterprofilen, Rohren, sowie für Schallplatten verwendet. Weich-PVC enthält hingegen Weichmacher, die zu einem elastischen Verhalten des Materials führen. Sie werden beispielsweise für Kabelummantelungen und Bodenbeläge verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der französische Chemiker Henri Victor Regnault war 1835 der erste, der im Gießener Laboratorium von Justus von Liebig Vinylchlorid herstellte und bemerkte, dass sich daraus bei längerer Einwirkung von Sonnenlicht ein weißes Pulver – Polyvinylchlorid – bildete, konnte die Bedeutung seiner Entdeckung jedoch nicht erkennen.

1912 entwickelte Fritz Klatte bei der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron die Synthese von Vinylchlorid aus Ethin und Chlorwasserstoff. Auch er setzte Glasgefäße mit Vinylchlorid und verschiedenen Zusätzen dem Sonnenlicht aus. Er legte damit die Grundsteine für die Herstellung von PVC. 1913 patentierte Klatte die „Polymerisation von Vinylchlorid und Verwendung als Hornersatz, als Filme, Kunstfäden und für Lacke“.[2] Marktfähige Produkte wurden jedoch nicht entwickelt.

Mit der Rohstoffknappheit während und nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Anstrengungen verstärkt, PVC als Rohstoff zu nutzen, um teure Rohstoffe durch kostengünstige Materialien zu ersetzen. Es kam jedoch erst Ende der 1920er Jahre zu weiteren Anwendungen. 1928 erfolgte die großtechnische Ausweitung durch Produktion in den USA und 1930 in Rheinfelden (Baden) durch die BASF; 1935 nahm die I.G. Farben die PVC-Produktion auf.

1935 gelang in Bitterfeld (D) die Herstellung von Weich-PVC. Ein Warenzeichen dieser Zeit war Igelit. Erste PVC-Produkte waren Folien und Rohre. Letztere wurden 1935 in Bitterfeld und Salzgitter (D) verlegt. Nach 1945 war PVC der meistproduzierte Kunststoff der Welt. Im Jahr 1948 wurden schließlich Schallplatten aus PVC hergestellt, das den Schellack endgültig ablöste.

Mit dem Wachstum der chemischen Industrie wurde Natronlauge in immer größeren Mengen benötigt. Natronlauge wird über eine Chloralkali-Elektrolyse aus Natriumchlorid gewonnen. Koppelprodukt ist dabei Chlor. Die Entwicklung der Chlorchemie beruht unter anderem auf dem kostengünstigen Koppelprodukt, was auch die Produktion und Vermarktung von PVC begünstigte. Von Kritikern wird PVC als „Chlorsenke“ für das Koppelprodukt der Chloralkali-Elektrolyse betrachtet.

In den Vereinigten Staaten wurde der Werkstoff in den 1960er Jahren zu nachchloriertem PVC (Chloriertes Polyvinylchlorid) weiterentwickelt, welches nach DIN mit „PVC-C“, im Ausland auch mit „CPVC“ abgekürzt wird. Der Massenanteil von Chlor in PVC-C liegt über den 56,7 % von PVC und kann bis 74 % aufweisen. Bei höheren Temperaturen ist es korrosionsbeständiger und hat bessere mechanische Eigenschaften als PVC, sodass es sich auch zur Herstellung von Rohren für die Warmwasserversorgung und mit Einschränkungen sogar für Heizungskreisläufe eignet. Handelsnamen sind beispielsweise Corzan, Trovidur und (ehemals) Glastoferan.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalottenmodell von Polyvinylchlorid

Polyvinylchlorid wird durch radikalische Kettenpolymerisation aus dem Monomer Vinylchlorid (H2C=CHCl) erzeugt:

Vinylchlorid zu Polyvinylchlorid

Im Wesentlichen sind drei verschiedene Polymerisationsverfahren üblich.[3] Die Taktizität der Wiederhohleinheiten sind bei allen Verfahren hauptsächlich ataktisch. Der bis etwa 10%ige kristalline Anteil des Polymers hat eine syndiotaktische Struktur.

Das älteste Verfahren ist die Emulsionspolymerisation (erstmals 1929). Man erhält das sogenannte E-PVC. Mit Hilfe von Emulgatoren wird Vinylchlorid als kleine Tröpfchen in Wasser eingerührt. Als wasserlösliche Initiatoren werden zum Beispiel Wasserstoffperoxid oder Kaliumpersulfat verwendet. Bei erhöhter Temperatur bilden sich aus den Monomertröpfchen Polyvinylchloridteilchen. Diesen Primärteilchen werden bei Unterdruck die nicht umgesetzten Monomere entzogen. Im Produkt verbleiben die eingesetzten Emulgatoren. Polymerdispersionen aus diesem Verfahren werden u. a. für Klebstoffe oder Beschichtungsmittel verwendet.

Wird das Vinylchlorid durch sehr intensives Rühren in Wasser verteilt und als Initiator im Monomer lösliche organische Peroxide, wie Azobis(isobutyronitril) verwendet, spricht man von einer Suspensionspolymerisation. Das Produkt wird S-PVC genannt. In sehr kleinen Mengen werden Schutzkolloide zugesetzt, um ein verkleben der Tröpchen im Verlauf der Polymerisation zu vermeiden. Die Körner werden entgast, um nicht umgesetzte Monomere und Wasser zu entfernen. Etwa 90 % der PVC-Herstellung erfolgt auf diesem Weg.

Bei der Massenpolymerisation wird die Polymerisation direkt in flüssigen Vinylchlorid mit darin löslichem Initiator durchgeführt. Das Produkt wird M-PVC genannt. Der Umsatz wird nur bis etwa 80 % geführt und das nicht umgesetzte Monomer bei Unterdruck entfernt. M-PVC hat im Vergleich zu E- und S-PVC eine sehr hohe Reinheit.

Hart-PVC und Weich-PVC[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PVC wird in Hart-PVC (Kurzzeichen PVC-U, wobei U für engl. unplasticized steht) und Weich-PVC, (Kurzzeichen PVC-P, wobei P für engl. plasticized steht) unterteilt. Aus Hart-PVC werden Rohre, Profile zum Beispiel für Fenster und Pharmazie-Folien hergestellt. Weich-PVC spielt als Kabelisolator eine große Rolle und findet auch in Fußbodenbelägen, Schläuchen, Schuhsohlen und Dachabdichtungen Anwendung. Weich-PVC enthält bis zu 40 Prozent Weichmacher; Hart-PVC enthält grundsätzlich keinen Weichmacher.

Additive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das an sich spröde und harte PVC wird mit Additiven, in erster Linie Stabilisatoren, Schlagzäh-Modifier an die verschiedensten Einsatzgebiete angepasst. Die Additive verbessern die physikalischen Eigenschaften wie die Temperatur-, Licht- und Wetterbeständigkeit, die Zähigkeit und Elastizität, die Kerbschlagzähigkeit, den Glanz und dienen der Verbesserung der Verarbeitbarkeit. Die Additive sollen in möglichst geringer Konzentration eine hohe Wirkung haben, die Herstellungsprozesse für das Kunststoffformteil nicht beeinträchtigen und dem Produkt die gewünschte Gebrauchsdauer verleihen. Als Schlagzäh-Modifier werden in der Regel Acrylatpolymeren oder chloriertem Polyethylen verwendet. Durch Modifier wird auch die Verarbeitung von PVC verbessert, so wird eine schnellere Plastifizierung von PVC erreicht.

PVC ist ein thermoplastisches Polymer, der normalerweise im Temperaturbereich von 160 bis 200 °C verarbeitet wird. Bei diesen Temperaturen beginnt ein Zersetzungsprozess unter Abspaltung von Chlorwasserstoff (HCl). Der Zusatz von Thermostabilisatoren ist notwendig. Wenn das PVC bei der Weiterverarbeitung erhöhten Temperaturen ausgesetzt ist (zum Beispiel durch Heizelementschweißen bei 260 °C), muss das Additivpaket darauf abgestimmt sein.

Weichmacher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zusatz von Weichmachern verleiht dem Polymer plastische Eigenschaften, wie Nachgiebigkeit und Weichheit. Als Weichmacher werden vor allem Phthalsäureester eingesetzt. Weniger Bedeutung haben Chlorparaffine,[4] Adipinsäureester und Phosphorsäureester. Die Weichmacher lagern sich bei der thermoplastischen Verarbeitung zwischen die Molekülketten des PVC ein und lockern dadurch das Gefüge. Diese Einlagerung ist eine physikalische Aufdehnung der Struktur, sodass trotz der geringen Flüchtigkeit eine Migration und Gasabgabe erfolgt. Dadurch kommt es je nach Anwendungszweck zu einer sorbierten Oberflächenschicht oder auch zur Wanderung des Weichmachers in angrenzende Materialien oder auch durch den Luftraum in benachbarte Substanzen. Produkte auf anderer Basis, die auf Grund wesentlich niedrigerer Dampfdrücke langsamer migrieren, sind deutlich teurer, werden aber zunehmend in Europa eingesetzt. Dazu zählen beispielsweise Acetyltributylcitrat und 1,2-Cyclohexandicarbonsäurediisononylester. Pulvermischungen aus PVC mit eingearbeitet Weichmachern und Additiven werden Dry-Blends genannt.

Weichmacher (Beispiele)
Phthalsäureester Andere Carbonsäureester
Bis(2-ethylhexyl) phthalate.svg
Bis(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP)
DINCH-6 Formula V.1.svg
1,2-Cyclohexandicarbonsäurediisononylester (DINCH)
Diisononyl phthalate.svg
Diisononylphthalat (DINP)
Acetyltributylcitrat.svg
Acetyltributylcitrat (TBAC)

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PVC lässt sich gut einfärben und nimmt kaum Wasser auf, es ist beständig gegen einige Säuren und Laugen und bedingt beständig gegen Ethanol, Öl und Benzin. Angegriffen wird PVC von Aceton, Ether, Benzol, Chloroform und konzentrierter Salzsäure. Hart-PVC lässt sich gut, Weich-PVC schlecht spanabhebend verarbeiten. Bei Temperaturen von 120 bis 150 °C kann es spanlos verformt werden. Verbindungen können mit Klebstoffen (Lösungsmittelklebstoffe, Zweikomponentenklebstoffe) oder durch Schweißen (verschiedene manuelle und maschinelle Schweißverfahren) hergestellt werden.

PVC brennt mit gelber, stark rußender Flamme und erlischt ohne weitere externe Beflammung schnell. Aufgrund des hohen Chlorgehalts ist PVC im Gegensatz zu anderen technischen Kunststoffen wie beispielsweise Polyethylen oder Polypropylen schwer entflammbar. Bei Bränden von PVC-Kunststoffen entstehen allerdings Chlorwasserstoff, Dioxine und auch Aromate.

PVC ist ein guter Isolator. Die Ausbildung von Dipolen und deren ständige Neuausrichtung im elektrischen Wechselstrom-Feld führt im Vergleich zu den meisten anderen Isolatoren zu hohen Dielektrizitätsverlusten. Wegen der hohen Festigkeit des Kabelmantels und der guten Isoliereigenschaften sind PVC-Niederspannungskabel für die Verlegung unter Putz oder im Freien sehr gut geeignet.

Mechanische und elektrische Eigenschaften
Eigenschaft Hart-PVC (PVC-U) Weich-PVC (PVC-P) Chloriertes PVC (PVC-C)
Dichte in g/cm³ 1,38…1,40 1,20…1,35 1,51[5]...1,64 [6]
Wärmeausdehnungskoeffizient in 10−6 K−1 k. A. k. A. 60 [7]...70 [5]
Schmelzpunkt Zersetzung oberhalb +180 °C[1] Zersetzung oberhalb +180 °C[1]
Glastemperatur +79 °C[8] k. A.
Schlagzähigkeit in kJ/m² (nach DIN 53453) gering[9], >20 o. k. A.
Kerbschlagzähigkeit in kJ/m² (nach DIN 53453) 2...75 o. Br. 12[5][7]
Elastizitätsmodul in MPa
Zug-E-Modul (nach DIN 53457)
1000...3500 k. A. 2800[7]
Elastizitätsmodul in MPa
Biege-E-Modul bei 23 °C
k. A. k. A. 2800[5]
Wasseraufnahme in 24 Stunden gering[9] gering[9] 0,04 %[10]
Löslichkeit praktisch unlöslich in Wasser [1]
löslich in organischen Lösungs-
mitteln (Aceton sowie Ester und
Fleckenreinigungsmittel), wenn
Molgewicht ≤30 kDa[9]
wie PVC-U ähnlich PVC-U
Chemische Beständigkeit beständig gegen konzentrierte
und verdünnte Alkalien, Öle,
aliph. Kohlenwasserstoffe,
Zersetzung durch oxidierende
Mineralsäuren[9]
wie PVC-U beständig gegen konzentrierte
und verdünnte Säuren, Alkalien,
Öle, aliph. Kohlenwasserstoffe,
nicht beständig gegen Ester,
Ketone, chlorierte Kohlenwasser-
stoffe, starke Oxidationsmittel.[5]
Wärmeleitfähigkeit in W/(m·K) gering[9] gering[9] 0,15[5][7]
Zugfestigkeit in N/mm² (nach DIN 53455) 50…75 10…25 k. A.
Reißdehnung/Reißfestigkeit
(nach DIN 53455)
10…50 % 170…400 % k. A.
Streckspannung in MPa bei 23 °C k. A. k. A. 55[5] …60[7]
Kugeldruckhärte in MPa
(10-Sekunden-Wert nach DIN 53456)
75…155 k. A. 110[7]
spezifischer Durchgangswiderstand
(nach DIN 5348)
>1015 Ω >1011 Ω k. A.
Oberflächenwiderstand (nach DIN 53482) 1013 Ω 1011 Ω 1013 Ω
Gebrauchstemperatur −50 °C bis +60 °C k. A. bis +80 °C[7] …+93 °C[10],
kurzzeitig +100 °C[7]
Dielektrizitätszahl (nach DIN 53483)
   bei 50 Hz
   bei 1 MHz

3,5
3,0

4…8
4…4,5

k. A.
k. A.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorteil von PVC ist seine Haltbarkeit. Sonnenlicht zersetzt es nicht, die mechanischen Eigenschaften werden nicht beeinträchtigt. Wasser (auch salziges Meerwasser) und Luft können PVC wenig bis gar nicht zerstören. Deshalb kommt PVC vor allem bei langlebigen Produkten zum Einsatz.

PVC wird überwiegend als Grundstoff für Fensterprofile, Rohre, Fußbodenbeläge und Dachbahnen im Bausektor eingesetzt. Rohre setzen sich aufgrund der glatten Innenfläche weniger zu, Fensterprofile sind pflegeleicht, wartungsarm und witterungsbeständig, sie sind in den verschiedensten Farben und Dekors herstellbar. PVC wird für schwerentflammbare Kabel-Ummantelung eingesetzt. PVC-Folien haben verschiedene Anwendungen, z. B. für Wasserkerne von Wasserbetten und als Kunstleder.

PVC wird oft als Isolationsmaterial für Elektro-Kabel, als Elektro-Schalterdose und als Einziehrohr für Kabel verwendet. Kreditkarten u. ä. bestehen meist aus PVC. PVC-Hartschaum findet in der Faserverbundtechnologie Verwendung als Sandwichwerkstoff. Anwendungsgebiete sind Sportboote und der Waggonbau. Geschäumtes PVC in Plattenform wird als Trägermaterial für Werbemedien, wie ausgeplottete Schriftzüge, Bilder und Grafiken verwendet, vor allem wegen des geringen Gewichts und der einfachen Verarbeitung. Spezielle Präparationen finden ihren Einsatz bei künstlerischen Installationen und Events. Stark weichgemachte PVC-Folien werden als rutschfeste Unterlagen angeboten.

In einigen Anwendungsbereichen werden auch andere Kunststoffe wie Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE) mit dem Vorteil eingesetzt, dass die aus Weich-PVC ausdünstenden (typischer Plastik-Geruch) und gesundheitsschädlichen Stoffe wegfallen. Auch die dem PVC zugeschriebene Säure-, Öl- und Seewasser-Beständigkeit sind oft nicht erforderlich. Einige Umweltverbände raten, den Einsatz von PVC auf wenige Spezialanwendungen einzuschränken.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorwiegend werden Fenster mit PVC-Rahmen exportiert. Häufig wird PVC für Rohre in Kabeltrassen und für Membrandächer eingesetzt, auch für Bodenbeläge. Im Jahr 2001 erbrachten in Deutschland 150.000 Beschäftigte in 5.000 Unternehmen einen Umsatz von 20 Milliarden Euro, das ist etwa ein Viertel der gesamten Kunststoffbranche.

Umweltaspekte, Entsorgung und Recycling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deponierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Jahr 1989 deponierte man etwa 70 Prozent des Abfallvorkommens. Hart-PVC vergeht nicht und schadet auch weder Wasser noch Luft, allerdings nimmt es gerade deswegen auf der Müllhalde viel Platz ein. Weiterhin kann keine Prognose getroffen werden, ob das Hart-PVC nicht doch irgendwann durch Mikroorganismen oder chemische Vorgänge angegriffen werden kann. Von den Inhaltsstoffen des Weich-PVC kann man aber mit großer Sicherheit annehmen, dass diese aufgrund ihres Weichmacheranteils das Sickerwasser und somit die Umwelt verschmutzen. Die Deponierung von Siedlungsabfällen mit Brennwert ist in mehreren europäischen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr zulässig.

Energetische Verwertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Verbrennungsprozess lässt sich Energie gewinnen. Der Brennwert mit 26,9 MJ/kg ist im Vergleich zu anderen Kunststoffen, wie Polypropylen (PP) mit 52,6 MJ/kg relativ klein.[11] Wird PVC verbrannt, bildet sich ätzender, gasförmiger Chlorwasserstoff. In Müllverbrennungsanlagen wird dieser beispielsweise mit Kalk in den Ablüftungsanlagen neutralisiert. Die entstehenden Rückstände sind als gefährliche Abfälle eingestuft.

Eine Gefahr geht von schwermetallhaltigen Stabilisatoren wie etwa Bleidistearat aus. Aus diesem Grund werden bei Müllverbrennungsanlagen aufwendige Filtertechniken eingesetzt, die die schädlichen Emissionen filtern. Damit stehen der Gewinnung von Energie hohe Ausgaben für ökologischen Schutz gegenüber.

Recycling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Recycling-Code von Polyvinylchlorid ist 03. Beim Recycling unterscheidet man zwischen einer Werkstoff- und einer Rohstoffrecycling-Methode. Für PVC existiert ein Rücknahmesystem; gesammelt werden vor allem Fußbodenbeläge, Dachbahnen, Fensterprofile, Elektrokabel und PVC-Rohre. Der Auf- und Ausbau von Recyclingstrukturen basiert auf einer Selbstverpflichtung der PVC-Branche (VinylPlus).[12]

Werkstoffliches Recycling[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thermoplaste lassen sich, einmal zu einem Werkstück geformt, wieder einschmelzen und zu einem neuen Produkt formen. Die Abfolge von Wärmebehandlungen führt allerdings zu einem fortschreitenden Qualitätsverlust des Materials (Downcycling). Ein Beispiel für ein solches minderwertiges Endprodukt ist der Bakenfuß (die Halterung, in die rot-weiße Straßenabsperrungen gesteckt werden). Die werkstoffliche Verwertung wird daher zurzeit fast ausschließlich dort eingesetzt, wo große Mengen eines sortenreinen Materials zur Verfügung stehen.

Das größte Problem bei der Wiederaufbereitung stellen Verunreinigungen dar. Kabelabfälle, bei denen das Kupfer entfernt wurde, sind noch stark verschmutzt und müssen gereinigt werden, um wieder in einen echten Kreislauf zu gelangen und die Qualität eines Neumaterials zu erlangen.

Mit dem Verfahren Vinyloop lassen sich mit dem Lösemittel Methylethylketon aus PVC-haltigen Verbundwerkstoffen die PVC-Moleküle und die Weichmacher herauslösen. Nach Ausfällung und Trocknung lässt sich die Mischung aus den Polymeren und Weichmachern zur Herstellung beliebiger PVC-Produkte verwenden. In Europa besteht hierfür nur eine Anlage in Ferrara (Italien).

Rohstoffliche Verwertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Pyrolyse lassen sich Kunststoffe in petrochemisch verwertbare Stoffe, wie Methanol oder Synthesegas spalten. Diese Verfahren werden naturgemäß vor allem für die Verwertung von Mischkunststoffen genutzt, die sich nur unter großem Aufwand trennen lassen würden.

Gesundheitliche Gefahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste Arbeiter in der PVC-Produktion an Deformationen der Fingerendgliedmaßen erkrankten oder schwere Leberschäden bis hin zu Leberkrebs (Hämangioendothelsarkom) aufwiesen, wurde der Arbeitsschutz bei der Herstellung und Weiterverarbeitung von PVC verbessert. Die „VC-Krankheit“ wurde von den Berufsgenossenschaften als Berufskrankheit anerkannt.[13] Der Ausgangsstoff für PVC, Vinylchlorid, kann beim Menschen Krebs erzeugen und wirkt erbgutverändernd. Auch andere Ausgangsstoffe der PVC-Herstellung sind bedenklich.

Weich-PVC ist durch die enthaltenen Weichmacher je nach Einsatzbereich physiologisch bedenklich. Für Spielzeuge ist der Einsatz von Weich-PVC problematisch, obwohl es wegen seines günstigen Preises und der Eigenschaften verbreitet ist. Trotz des geringen Dampfdrucks können Weichmacher über Speichel, Hautkontakt oder die Atemwege in den kindlichen Körper gelangen. Die Phthalatweichmacher sind zum Teil leber- und nierenschädigend und stehen im Verdacht, krebserzeugend zu wirken. Dies ergaben mehrere Untersuchungen, bei denen sich deutliche Spuren im Blut fanden. Diethylhexylphthalat (DEHP) wurde durch eine EU-Arbeitsgruppe im Jahr 2000 als frucht- und fruchtbarkeitsschädigend eingestuft. Weich-PVC mit Phthalatweichmachern wurde in der EU im Jahre 1999 für Kleinkinderspielzeug verboten.

„Der menschliche Organismus nimmt PVC-Weichmacher in höheren Mengen auf, als bisher angenommen. Besonders gefährdet sind Kinder. Die weit verbreiteten Weichmacher Phthalate gelten als höchst gesundheitsgefährdend, weil sie in den Hormonhaushalt des Menschen eingreifen und die Fortpflanzung oder Entwicklung schädigen“

Umweltbundesamt

In Lebensmittelverpackungen ist Weich-PVC problematisch, wenn nicht durch Sperrschichten das Einwandern in die Lebensmittel verhindert wird. Für fetthaltige Lebensmittel sollte Weich-PVC unbedingt vermieden werden, da Weichmacher gut vom Fett aufgenommen werden.

Die Maximale Arbeitsplatzkonzentration für PVC in der Atemluft beträgt 0,3 mg/m³.[1] Der MAK-Wert wurde in der Schweiz auf 3 mgm3 (gemessen als alveolengängiger Staub) festgelegt.[14]

Bestimmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einer Brennprobe riechen die Gase nach Chlorwasserstoff. Beim Verbrennen auf Kupfer färbt sich die Flamme grün (siehe Beilsteinprobe). Sowohl für eine solche Brennprobe als auch für die Beilsteinprobe sollten (außerhalb der Untersuchungslabore) nur Kleinstmengen benutzt werden, da gesundheitlich bedenkliche chlororganische Verbindungen entstehen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Polyvinylchlorid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Eintrag zu CAS-Nr. 9002-86-2 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 9. Januar 2015 (JavaScript erforderlich)
  2. Martin Bonnet: Kunststoffe in der Ingenieuranwendung, Vieweg+Teubner, Wiesbaden, 2009, S. 121.
  3. Wolfgang Kaiser: Kunststoffchemie für Ingenieure, 3. Auflage, Carl Hanser, München, 2011, S. 276 ff.
  4. Lassen, Carsten et al. (2014): Survey of short-chain and medium-chain chlorinated paraffins, Copenhagen: The Danish Environmental Protection Agency, S.51, 55. ISBN 978-87-93283-19-0
  5. a b c d e f g Hinweise für Akatherm FIP Produkte, bei Kwerky.de
  6. Trovidur der Röchling SE & Co. KG
  7. a b c d e f g h Werkstoffeigenschaften der Rohre aus Corzan, abgerufen bei PVC-Welt.de, Februar 2016
  8. Adolf Franck, Karlheinz Biederbick Kunststoff-Kompendium 1988, S. 264 ISBN 3-8023-0135-8.
  9. a b c d e f g Wissenschaft-Online-Lexika: Eintrag zu Polyvinylchlorid im Lexikon der Chemie, abgerufen 6. März 2008
  10. a b PVC (PolyVinyl Chloride) & CPVC (Chlorinated PolyVinyl Chloride) Specifications
  11. Oliver Türk, Stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe: Grundlagen – Werkstoffe – Anwendungen, Springer-Verlag, 2013. Eingeschränkte Vorschau
  12. Arbeitsgemeinschaft PVC und UMWELT e.V. (AGPU): Selbstverpflichtung der PVC-Branche
  13. Zur kontroversen Geschichte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den Krebsfällen in der PVC-herstellenden Industrie vgl. Andrea Westermann: Plastik und politische Kultur in Westdeutschland. Kap. 4.
  14. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA): Grenzwerte am Arbeitsplatz 2015 – MAK-Werte, BAT-Werte, Grenzwerte für physikalische Einwirkungen, abgerufen am 2. November 2015.