Helge Majer

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Helge Majer (* 13. August 1941 in Isny im Allgäu; † 19. September 2006 in Prien am Chiemsee) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Nachhaltigkeitsforscher und leidenschaftlicher Segler. Er leitete von 1979 bis 2005 die Abteilung für Umwelt- und Innovationsforschung an der Universität Stuttgart und gründete 1993 zusammen mit Freunden den Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e.V. (unw).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre am der Eberhard-Karls-Universität Tübingen von 1966 bis 1970 promovierte Majer 1973 über internationale Produktivitätsvergleiche mit dem Titel Die "Technologische Lücke" zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika. 1978 folgte an der Universität Tübingen die Habilitation mit dem Titel Industrieforschung in der Bundesrepublik Deutschland.

Von 1979 bis März 2005 war Majer Inhaber der Abteilung für Umwelt- und Innovationsforschung am Institut für Volkswirtschaftslehre und Recht (IVR) der Universität Stuttgart.

Waren seine wissenschaftlichen Arbeiten zunächst stark neoklassisch orientiert (auch in Umwelt- und Energiefragen), so wandelte sich sein Forschungsinteresse im Laufe der 80er und 90er Jahre zusehends. 1984 erschien unter seiner Herausgeberschaft „Qualitatives Wachstum. Einführung in Konzeptionen der Lebensqualität“, das die zunehmende Kluft zwischen traditionellen Sozialproduktsberechnungen und der schwer zu fassenden Größe „Lebensqualität“ thematisierte.

Majer wurde zu einem Wachstumskritiker, der den negativen Folgen quantitativen Wirtschaftswachstums immer mehr das Leitbild einer „nachhaltigen Entwicklung“ entgegenstellte. Seit Gründung des unw ist Majer in den Bereichen regionale, volkswirtschaftliche sowie unternehmerische Nachhaltigkeit aktiv gewesen. Zu seinen Forschungsbereichen zählten nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, regionale Nachhaltigkeit, Innovationsforschung, Strukturforschung und Netzwerktheorie. Wichtigste Werke waren u. a. „Wirtschaftstwachstum und nachhaltige Entwicklung“ (1997) sowie „Moderne Makroökonomik“ (2001).

Helge Majer war zudem unter den ersten Mitgliedern der 1996 gegründeten Vereinigung für Ökologische Ökonomie e.V. (VÖÖ).

Veröffentlichungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die „Technologische Lücke“ zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Eine empirische Analyse. (= Schriftenreihe des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung. Band 22). Tübingen 1973, ISBN 3-16-334731-2.
  • Gesamtwirtschaftliche Angebots-Nachfrageanalyse. Tübingen 1982.
  • als Hrsg.: Qualitatives Wachstum. Einführung in Konzeptionen der Lebensqualität. Frankfurt am Main/ New York 1984.
  • als Hrsg.: Neue Wege der Wachstumsanalyse. Ein interdisziplinärer Ansatz. Frankfurt am Main 1986.
  • Wirtschaftswachstum. Paradigmenwechsel vom quantitativen zum qualitativen Wachstum. München/ Wien 1992.
  • Ökologisches Wirtschaften – Wege zur Nachhaltigkeit in Fallbeispielen. (= Schriftenreihe des unw. Band 1 u. 2). Ludwigsburg/ Berlin 1995.
  • Auf dem Wege zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die ökologische Ausrichtung unseres Wirtschaftssystems aus volkswirtschaftlicher Sicht. In: UnternehmensGrün (Hrsg.): Konkurrenten oder Partner? Ökobilanz und Öko-Audit im Vergleich. München 1996, S. 21–28.
  • mit J. Bauer, C. Leipert, U. Lison, F. Seydel und C. Stahmer: Regionale Nachhaltigkeitslücken. Ökologische Berichterstattung für die Ulmer Region. (= Schriftenreihe des unw. Band 2). Sternenfels, Berlin 1996.
  • Wirtschaftswachstum und nachhaltige Entwicklung. 3., vollständig neu bearbeitete Auflage. München/ Wien 1997, ISBN 3-486-24557-0.
  • mit F. Seydel (Hrsg.): Pflastersteine. Ulmer Wege zur Nachhaltigkeit. (= Schriftenreihe des unw. Band 4). Sternenfels, Berlin 1997.
  • Leitsätze für Nachhaltige Unternehmensführung. In: H.-P. Wruk, H. Ellringmann (Hrsg.): Praxishandbuch Umweltschutz-Management. Methoden, Werkzeuge, Lösungsbeispiele, Umsetzungshilfen. Köln 1999.
  • Moderne Makroökonomik. Ganzheitliche Sicht. München, Wien 2001.
  • mit J. Bauer, U. Lison und K. Weinmüller: Kooperative Lösungen für Nachhaltigkeitsprojekte in der mittelständischen Industrie. (= Schriftenreihe des unw. Band 5). Sternenfels, Berlin 2003.
  • Regionale Netzwerkarbeit mit Industrieunternehmen. In: A. Biesecker, K. Grenzdörffer, W. Elsner (Hrsg.): Neuartige Netzwerke für Nachhaltigkeit. 2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]