Helmut Wobisch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Helmut Wobisch (* 25. Oktober 1912 in Wien; † 20. Februar 1980 ebenda) war ein österreichischer Musiker und Kulturmanager.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmut Wobisch studierte Philosophie und Chemie an der Universität Wien, gleichzeitig besuchte er die Wiener Musikakademie. 1936 wurde der Trompeter Bühnenmusiker an der Wiener Staatsoper.

Wobisch war seit dem 1. Mai 1933 (zunächst illegales) Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer: 1.529.268)[1], hatte am Juli-Putsch 1934 teilgenommen und war seit November 1934 Mitglied der SS und brachte es zum Unterscharführer.[2]

Nach dem „AnschlussÖsterreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde Wobisch der Titel eines Kammermusikers verliehen. 1939 wurde Wobisch Mitglied der Wiener Philharmoniker und von der Bühnenmusik in das Staatsopernorchester befördert. Während der Zeit des Nationalsozialismus war er Leiter der Bläserausbildung der Hitlerjugend im Gebiet Wien. Von den NS-Behörden wurde er als „gut unterrichteter“ Informant (Spitzel) des SD geführt.

Nach dem Krieg wurde Wobisch aufgrund des Verbotsgesetzes aus dem Orchester der Wiener Staatsoper entlassen. 1950 wurde er wieder eingestellt. Von 1954 bis 1968 war der Solotrompeter Geschäftsführer der Wiener Philharmoniker. Ab 1953 hatte er einen Lehrauftrag an der Wiener Musikakademie inne. 1958 wurde ihm der Titel „Professor“ verliehen. 1967 erhielt Wobisch das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Aus dem Archiv der Wiener Philharmoniker geht eindeutig die NS-Verstrickung von Wobisch hervor, deshalb wird der Gemeinderat von Villach am 31. Juli 2013 die Ehrenringverleihung an Wobisch (vom Mai 1979) widerrufen. Es sollen auch die Wobisch-Straßen umbenannt werden. [3]

Als Solotrompeter ist Helmut Wobisch auf verschiedenen Schallplattenaufnahmen zu hören, unter anderem mit den Zagreber Solisten.

1969 gründete Wobisch gemeinsam mit Jakob Stingl den Carinthischen Sommer in Ossiach. Bis zu seinem Tod war Wobisch Intendant des Festivals.

Affäre Schirach

Der 1946 in Nürnberg verurteilte NS-Politiker Baldur von Schirach amtierte als Reichsstatthalter und Gauleiter in Wien, als die Wiener Philharmoniker mit seiner Hilfe 1942 ihr 100-jähriges Bestehen feierten. Auf sein Betreiben waren die Musiker vom Kriegsdienst freigestellt. Schirach erhielt damals den Ehrenring des Orchesters; die Gasse zwischen der Wiener Staatsoper und dem Hotel Sacher erhielt den Namen Philharmonikerstraße.

Wobisch hat Baldur von Schirach nach dessen 1966 erfolgter Entlassung aus der Haft, die er im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis verbrachte, höchstwahrscheinlich ein Duplikat des 1942 an ihn verliehenen Ehrenrings überbracht; es bleibt offen, ob dies eine inoffizielle Privatmission Wobischs oder ein diskreter Beschluss des Orchestervereins war.[4] Die zweite Ringübergabe wurde durch den Überbringer anonymisierende Äußerungen eines Sohnes Schirachs offenbar; Historiker trugen dann Indizien zusammen, die sehr stark auf Wobisch verwiesen.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clemens Hellsberg, Demokratie der Könige. Die Geschichte der Wiener Philharmoniker, Zürich 1992, S. 514
  • Andreas Lang (Hrsg.): Opfer, Täter, Zuschauer. 70 Jahre danach. Die Wiener Staatsoper und der „Anschluss“ 1938. Edition Wiener Staatsoper II, Wien 2008 (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung an der Wiener Staatsoper, 10. März - 30. Juni 2008).
  • Oliver Rathkolb: Führertreu und Gottbegnadet. Künstlereliten im Dritten Reich, ÖBV, Wien 1991, S. 19 und S. 131f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. Kiel 2004, CD-ROM-Lexikon, S. 7874.
  2. Oliver Rathkolb: Führertreu und Gottbegnadet, 1991, S. 131
  3. Carinthischer Sommer: Der nächste Kultur-Schock auf Kleine Zeitung, abgerufen am 10. Juli 2013
  4. Philharmoniker stellen sich NS-Vergangenheit: „Längst fällig“, bei ORF, abgerufen am 10. März 2013
  5. Siehe Wiener Philharmoniker und Website des Orchesters