Herkulessaal

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Innenansicht bei einem Konzert der Hochschule München
Fassade zum Hofgarten

Der Herkulessaal (anfänglich Neuer Herkulessaal genannt) ist ein Konzertsaal in der Münchner Residenz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Herkulessaal befindet sich im Festsaalbau, der den nördlichen Abschluss der Residenz zum Hofgarten hin bildet. Dieser Trakt war unter Ludwig I. erbaut und enthielt ursprünglich eine Raumfolge, die im Thronsaal gipfelte. Im Dachbereich hatte Ludwig II. einen Wintergarten mit künstlichem See, Maurischem Kiosk, Fischerhütte und exotischer Flora und Fauna anlegen lassen, der jedoch schon 1897 abgetragen wurde. 1944 wurde auch dieser Flügel der Residenz durch Bombentreffer schwer beschädigt, jedoch nicht stärker als andere Teile, die bald nach dem Krieg unter Verwendung ausgelagerter Innenausstattung leidlich originalgetreu wiederhergerichtet wurden. Auch die Festsäle waren nicht unrettbar verloren, doch standen die Kunst des 19. Jahrhunderts und speziell die klassizistisch-historistische Münchner Schule tief im Kurs und so entschied man sich, wie in vielen anderen Fällen (z. B. Neue Pinakothek, Innenausstattung der Glyptothek, Allerheiligen-Hofkirche), gegen einen Wiederaufbau.

Mit dem Odeon war im Bombenkrieg das angestammte Konzerthaus Münchens zerstört worden. 1951 wurde nur die historische Fassade wiederhergestellt und das Gebäude zum bayerischen Innenministerium umgebaut. Zum Ausgleich wurde beschlossen, einen neuen Konzertsaal im Festsaalbau der Residenz zu errichten. Dies geschah 1951–1953 durch Felix Finkbeiner in monumentalem klassizistischem Stil, vielfach wegen seiner Nähe zur Nazi-Architektur kritisiert. Der Name „Herkulessaal“ leitet sich von einer Folge von Wandteppichen ab, die Herzog Albrecht V. 1565 in Auftrag gegeben hatte und die die Herkulessage bildlich darstellen. Die Wandteppiche hingen bis 1993 im Saal und wurden danach durch gedruckte Kopien ersetzt. Bereits seit etwa dem Jahr 1600 existierte im Hofdamenstock der Residenz ein Festsaal namens „Herkulessaal“, der im Krieg ebenfalls zerstört wurde. Er wurde 1959 wieder aufgebaut und später, um Verwechslungen vorzubeugen, in „Max-Joseph-Saal“ umbenannt.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel, ein Werk der Orgelbauwerkstatt G. F. Steinmeyer & Co., wurde 1962 als viermanualiges Werk errichtet, sie verfügt seit einer Renovierung 2017/18 durch Orgelbau Kaps aus Eichenau über 79 Register. Die Disposition lautet:[1]

I Hauptwerk C–g3
Prinzipal 16'
Bordun 16'
Prinzipal  8'
Gemshorn 8'
Gedackt 8'
Praestant 4'
Querflöte 4'
Nasard 223'
Octav 2'
Waldflöte 2'
Rauschpfeife V 223'
Mixtur VI-VII 113'
Cornett V 8'
Trompete 16'
Trompete 8'
Clarine 4'
II Seitenwerk C–g3
Quintade 16'
Harfenprinzipal 8'
Viola 8'
Gedackt 8'
Singend Prinzipal 4'
Nachthorn 4'
Prinzipal 2'
Blockflöte 2'
Quinte 113'
Septime 117'
Scharff V 1'
Terzzimbel III 16'
Dulcian 16'
Krummhorn 8'
Rohrschalmei 4'
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
Gedackt 16'
Holzprinzipal 8'
Salicional 8'
Geigenschwebung 8'
Dulziangedackt 8'
Italienisch Prinzipal 4'
Koppelflöte 4'
Quintade 4'
Quint 223'
Nachthorn 2'
Terz 135'
Sifflöte 1'
Plein jeu VII-IX 2'
Basson 16'
Oboe 8'
Helle Trompete 8'
Tremulant
IV Kronwerk C–g3
Kupfergedackt 8'
Spitzflöte 8'
Praestant 4'
Rohrflöte 4'
Gemsquinte 223'
Octav 2'
Quintan II 113' + 89'
Scharffmixtur V 1'
Rankett 16'
Musette 8'
Regal 4'
Auxiliar[A 1] C–g3
Konzertflöte 8‘
Trompete 16‘
Trompete 8‘
Tuba 16‘
Tuba 8‘
Tremulant
Pedal C–f1
Prinzipalbaß 16'
Subbaß 16'
Gedacktbaß 16'
Streichbaß 16'
Quint 1023'
Octavbaß 8'
Bordun 8'
Choralbaß 4'
Gedacktpommer 4'
Hornpfeife 2'
Baßzink IV 513'
Pedalmixtur VI 223'
Bombarde 32‘
Posaune 16'
Bombarde 16‘
Sordun 16'
Trompete 8'
Trompete 4'
Singend Cornett 2'
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P,
    • Subkoppeln: sub III/II, sub III/I, sub III (alle 2017)
  • Spielhilfen: Setzeranlage (2017), Tutti, Registercrescendowalze, Zungeneinzelabsteller
Anmerkungen
  1. 2018 hinzugefügt; an I, II u. IV koppelbar.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Saal hat 1.270 Sitz- und 180 Stehplätze. Als Konzertsaal folgt der Herkulessaal mit einer Größe von 43,15 m × 22,35 m[2] dem Schuhschachtel-Prinzip. Er wird sowohl für Symphoniekonzerte wie auch für Kammermusik genutzt. Da es in München an einem großen Kirchenraum mit guter Akustik mangelt, werden auch geistliche Chorwerke gerne im Herkulessaal aufgeführt. Für groß besetzte symphonische Musik gab es daneben den Kongresssaal am Deutschen Museum, ab 1985 dann die Philharmonie am Gasteig. Während die Münchner Philharmoniker im Gasteig Hausrecht genießen, spielt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks teils dort, teils im Herkulessaal, wo es zwei Abonnementreihen veranstaltet. Private Konzertveranstalter bieten Abonnementreihen für Klavier- und Kammermusik. Auch ambitionierte Laienorchester und -chöre treten im Herkulessaal auf.

Aufnahmen aus dem Herkulessaal (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Strauss
    • Frau ohne Schatten: Der Kaiser: Rene Kollo, Die Kaiserin: Cheryl Studer, Die Amme: Hanna Schwarz, Der Geisterbote: Andreas Schmidt, Barak/Der Färber: Alfred Muff, Die Färberin: Ute Vinzing, Der Einäugige: Jan Hendrik Rootering, Der Einarmige: Kurt Rydl, Der Bucklige: Kenneth Garrison, Die Wächter: Andreas Schmidt/Jan Hendrik Rootering/Kurt Rydl, Dirigent: Wolfgang Sawallisch, Chor des Bayerischen Rundfunks, Tölzer Knabenchor, Symphonie Orchester des Bayerischen Rundfunks (Aufgenommen im Herkulessaal München - EMI 1987) Hinweis: Erste vollständige Aufnahme.

Koordinaten: 48° 8′ 30,5″ N, 11° 34′ 46,1″ O

Panorama der Hofgartenseite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Festsaalbau der Münchner Residenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationen zur Orgel auf Organindex
  2. Bayerische Schlösserverwaltung | Veranstaltungsräume | Residenz München. Abgerufen am 16. Juli 2020.