Hermann Plönnies

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hermann Plönnies und seine erste Frau Ida auf dem von ihnen gestifteten Verkündigungsaltar des Jacob van Utrecht

Hermann Plönnies (* in Münster; † 1533 ebenda) war ein Bürgermeister der Hansestadt Lübeck.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plönnies wurde in Lübeck 1522 Ratsherr und befehligte im gleichen Jahr gemeinsam mit dem ebenfalls aus Münster stammenden Ratsherrn Berend Bomhover die Lübecker Flotte zur Unterstützung von Gustav Wasa, die 1523 Stockholm einnahm und so den Schwedischen Befreiungskrieg beendete. Das für die schwedische Nationalgeschichtsschreibung äußerst wichtige Tagebuch dieser Gesandtschaft nach Stockholm ist im Archiv der Hansestadt Lübeck erhalten.[1]

1529 wurde Plönnies zu einem der Lübecker Bürgermeister bestimmt. In dieser Funktion reiste er mit Joachim Gercken zum Hansetag nach Bremen, um mit den Holländern zu verhandeln.

Am 8. April 1531 verließ er gemeinsam mit einem weiteren Bürgermeister, Nikolaus Brömse, aus Protest gegen den von den Anhängern des Jürgen Wullenwever forcierten Eintritt in den Schmalkaldischen Bund die Stadt und ging zunächst zu Herzog Albrecht VII. von Mecklenburg. Die Briefe, die sie von dort an den Rat, den Bürgerausschuss der 64 und die Ämter richteten, drohten der Stadt den kaiserlichen Zorn an. Am anti-reformatorischen Hof Kaiser Karls V. wurden beide zu Rittern geschlagen.[2] Plönnies starb wenig später in seiner Heimatstadt.

Plönnies war in erster Ehe mit Ida Greverade, Tochter des Heinrich Greverade, Nichte von Adolf Greverade und Witwe des Hermann Papenborch, verheiratet. Sie starb 1522. In zweiter Ehe heiratete er Anna Witte, eine Tochter des Lübecker Bürgermeisters Heinrich Witte. Er bewohnte in Lübeck das Haus Königstraße 41 und war Nießbraucher des Gutes Strecknitz. Er hatte mehrere Kinder. Ein Sohn Heinrich Plönnies wurde ebenfalls Ratsherr und Bürgermeister in Lübeck; seine Tochter Mathilde Plönnies (* 1508) wurde 1584 im letzten Lebensjahr kurzzeitig Äbtissin des Johannisklosters in Lübeck.

Seit 1522 bewohnte er das Haus Königstraße 22.[3]

Verkündigungsaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von Jacob van Utrecht 1520/22 geschaffene Verkündigungsaltar zeigt auf den Innenseiten der Außenflügel Bilder des Stifters Hermann Plönnies und seiner ersten Frau. Das Wappen der zweiten Ehefrau findet sich auf der Außenseite. Er befand sich früher in der Sammlung Reedtz-Thott auf Schloss Gavnø auf der Insel Gavnø bei Næstved auf Seeland, war dann für mehr als drei Dekaden in Privatbesitz und ist seit 2012 im St. Annen-Museum in Lübeck.[4]

Der Verbleib eines von Jacob van Utrecht 1522 gefertigten Porträts von Hermann Plönnies ist unklar.[5]

Kreuzigungsaltar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreuzigungsaltar (um 1520), zugeschrieben dem Meister des Schinkelretabels, wurde ebenfalls von Hermann Plönnies gestiftet und zeigt ihn mit seiner zweiten Ehefrau auf den Innenflügeln. Er befindet sich als Leihgabe des St.-Annen-Museums in der Sakristei der Jakobikirche und wurde um 1525 von Jacob van Utrecht überarbeitet.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Albrecht: Kostbarer Flügelaltar des 16. Jahrhunderts kehrt zurück - Lübeck erwirbt das Gavnø-Retabel in London. In: Lübeckische Blätter 2012, S. 44–45
  • Heinrich Dormeier: Der Lübecker Bürgermeister Hermen Plönnies († 1533)
    • Teil I: Retabelstiftung, Testament und soziales Engagement in: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte, Band 94 (2014), S. 75–136
    • Teil II: Handelsaktivitäten, gesellschaftliches Umfeld und das "Exil" während der Reformation in: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte, Band 96 (2015), S. 63–112
    • Teil III: Nachlassregelung, das Engagement des Matthias Hestorp und das Los der Familie nach der Reformation in: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte, Band 96 (2016), S. 93–126
  • Emil Ferdinand Fehling: Lübeckische Ratslinie, Lübeck 1925, Nr. 613
  • Antjekathrin Graßmann (Hrsg.): Lübeckische Geschichte. Lübeck 1989, ISBN 3-7950-3203-2, S. 374 und 388.
  • Friedricke Schütt: sog. Gavnø-Retabel in: Jan Friedrich Richter (Hrsg.): Lübeck 1500 - Kunstmetropole im Ostseeraum, Katalog, Imhoff, Petersberg 2015, S. 328–331 (Nr. 57)
  • Hildegard Vogeler: Das Triptychon des Hinrich und der Katharina Kerckring von Jacob van Utrecht, Lübeck 1999.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Neuverzeichnung der Bestände Altes Senatsarchiv Externa Batavica und Suecica., abgerufen am 27. September 2013
  2. Ploennies (Adelsgeschlecht)
  3. Archiv der Hansestadt Lübeck [archiv.luebeck.de/files/bast/ak10.pdf Königstraße 22 bis 59] (pdf, abgerufen am 13. Dezember 2014)
  4. Heimkehr@1@2Vorlage:Toter Link/www.kulturstiftung.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (10. Februar 2012)
  5. Vogeler, S. 19 mit Fußnote auf S. 35
  6. Nereida Baum: Kreuzigungsretabel in: Jan Friedrich Richter (Hrsg.): Lübeck 1500 - Kunstmetropole im Ostseeraum, Katalog, Imhoff, Petersberg 2015, S. 222–225 (Nr. 23)