Hermann von Stahleck

Hermann von Stahleck († 2. Oktober[Anm. 1] 1156 im Kloster Bildhausen[1]) war Pfalzgraf bei Rhein.
Herkunft und Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hermann war der Sohn des Grafen Goswin von Stahleck und der Luitgard von Heimbach[2], Witwe Heinrichs I. von Katzenelnbogen. Hermann war der Halbbruder von Heinrich II. von Katzenelnbogen, der 1138 von König Konrad III. zum Grafen erhoben wurde.[3]
Herrmann war mit einer Gertrud verheiratet, die lange als Schwester Konrad III. galt.[4] Der Nachweis dieser Abstammung beruht aber auf zwei gefälschten Urkunden. Wahrscheinlich entstammte Gertrud dem Haus Wettin.[5] Die Ehe blieb ohne Nachkommen.[6]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hermann erbte von seinem Vater Besitz im östlichen Franken mit dem Titel Graf von Bildhausen[Anm. 2] sowie in Höchstadt. Wahrscheinlich aus dem Erbgut seiner Mutter stammten Besitzungen um die Burg Stahleck oberhalb von Bacharach am Rhein. Die Burg war ein Kölner Lehen, ebenso wie die Vogtei über Bacherach. Dazu besaß er Güter im Hunsrück und im Nahegau.[7]
Hermann war wichtigster Unterstützer der Staufer in Franken und beteiligte sich auf deren Seite, vielleicht schon 1127, sicher aber 1138, an Belagerungen von Nürnberg.[8]
Wahrscheinlich im Januar 1143 – der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt – wurde Hermann von König Konrad III. mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein belehnt, nachdem der ein Jahr zuvor eingesetzte Pfalzgraf, des Königs Halbbruder Heinrich II. Jasomirgott aus dem Haus der Babenberger, das Herzogtum Baiern übernommen hatte. Die letzte erhaltene Urkunde, in der Heinrich II. als Pfalzgraf bezeichnet wird, stammt aus dem September 1141,[9] das älteste Zeugnis, das Hermann als Pfalzgrafen bezeichnet, stammt vom Juni 1143.[10] Die Bezeichnung „Pfalzgraf bei Rhein“ hat sich erst unter Hermann durchgesetzt.[11] Hermann bekämpfte anschließend konkurrierende Ansprüche der Verwandten von Heinrichs II. Vorgängern, insbesondere des Grafen Otto I. von Salm-Rheineck und dessen Sohn, Otto II., auf die Pfalzgrafschaft. 1148 lockte Hermann ihn in einen Hinterhalt, nahm ihn gefangen und setzte ihn auf der Schönburg[Anm. 3] gefangen, um seinen Verzicht auf Ansprüche an die Pfalzgrafschaft zu erzwingen. Otto II. tat das aber nicht. 1149 starb er in Gefangenschaft. Einer Quelle zufolge ließ Hermann ihn erdrosseln.[12] Otto I. starb im darauffolgenden Jahr, seine Burg Rheineck wurde auf Anordnung des Königs durch Hermann zerstört.
Seit seiner Ernennung zum Pfalzgrafen fand sich Hermann häufig in der Umgebung von Konrad III., der 1147 zum Zweiten Kreuzzug aufbrach, an dem Hermann aber nicht teilnahm. Er beteiligte sich aber am Wendenkreuzzug von 1147.[13]
Hermann erhielt auch die Vogtei über das Hochstift Trier, verwickelte sich aber in schwere militärische Auseinandersetzungen mit Erzbischof Albero von Trier, der sich für die Interessen der Rheinecker einsetzte, die ihm dafür deren Burg Treis überließen.[14] 1149 wird Hermann als Vogt der Abtei Saint-Remi in Reims genannt.[15] Mit dem Erzbischof von Mainz unterhielt er gute Beziehungen. Zwischen 1143 und 1152 bezeugte er zahlreiche Urkunden des Mainzer Erzbischofs Heinrich I.[16] Nach dem Tod Konrad III. setzte König Friedrich I., (Barbarossa) Erzbischof Heinrich I. aber ab, der gegen seine Wahl als König opponiert hatte, und setzte Arnold von Selenhofen als neuen Erzbischof durch. Der wiederum empfand die Stellung Hermanns in seiner unmittelbaren Nachbarschaft als zu stark, so dass es zum Konflikt kam, wobei Hermann auch Mainz selbst angriff.[17] 1155 wurden beide, sowohl Hermann als auch der Erzbischof, dafür von Kaiser Friedrich I. auf der Reichsversammlung in Worms zur Rechenschaft gezogen. Der Reichstag verurteilte ihn und Erzbischof Arnold wegen Landfriedensbruchs zu der entehrenden Strafe des Hundetragens.[18] Diese Demütigung wurde offensichtlich als sehr strenge Strafe empfunden: „Als dieses strenge Urteil im ganzen transalpinischen Reich[Anm. 4] verbreitet wurde, befiel alle ein solcher Schreck, daß sie lieber Frieden halten, als sich auf Kriegswirren einlassen wollten.“[19] Bei der Strafe handelte es sich wahrscheinlich um ein Ritual, dass einer Todesstrafe vorausging.[20] Soweit wollte und konnte die Reichsversammlung nicht gehen. Die Bestraften wurden durch das Ritual ehrlos gestellt, also sozial geächtet. Es dürfte der älteste Fall sein, dass wegen Landfriedensbruchs in solcher Weise gegen Mitglieder des Hochadels vorgegangen wurde.[21] Die Bestrafung beeinträchtigte die Beziehung zwischen Kaiser Friedrich I. und Pfalzgraf Hermann I. aber nicht dauerhaft, da Hermann bis zu seinem Tod weiterhin in der Umgebung des Kaisers auftrat.[22]
Tod
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Kurz vor seinem Tod 1156 stiftete Hermann auf seinem Erbgut das Kloster Bildhausen[23], das ab 1158 Zisterzienser aus dem Kloster Ebrach bewirtschafteten. Hermann wurde zunächst im Kloster Ebrach begraben und nach Fertigstellung der Klosterkirche der Abtei Bildhausen dorthin umgebettet. Sein Grabmal befand sich im Chor der Klosterkirche. Ein sehr viel später gefertigter Renaissance-Grabstein sollte 1825, als die Klosterkirche für den vollständigen Abriss vorbereitet wurde, in die nahe gelegene Burg Salzburg transloziert werden, wobei er zerbrach.
Nach dem Tod des Pfalzgrafen trat seine Frau Gertrud in das Kloster St. Maria und St. Theodor in Bamberg ein, damals ein Zisterzienserinnenkloster.[24]
Kaiser Friedrich I. gab die Pfalzgrafschaft nach Hermanns Tod an seinen Halbbruder Konrad weiter.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Otto von Freising und Rahewin: Gesta Frederici seu rectius cronica / Die Taten Friedrichs oder richtiger Cronica. (Übersetzt von Adolf Schmidt, hg. von Franz-Josef Schmale). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1965.
- Peter Fuchs: Hermann (III.), Graf von Stahleck. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 640 (deutsche-biographie.de).
- Stefan Huppertz-Wild: Hermann von Stahleck-Höchstadt – Schwager König Konrads III. und Stütze der Staufer in Franken und am Mittelrhein. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 79/80 (2020), S. 1–20.
- Wolfram Ziegler: König Konrad III. (1138–1152). Hof, Urkunden und Politik. Böhlau, Wien u. a. 2008, S. 460–466.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Nach den Regesta Imperii bezieht sich das früher genannte Datum des 20. September auf Hermann II. von Lothringen; Huppertz-Wild nennt gleich beide Daten, S. 17 / 19.
- ↑ Heute: Maria Bildhausen, ein Ortsteil von Münnerstadt am unterfränkischen Ostrand der Rhön.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 13, geht davon aus, dass es sich um die „Schöneburg“ (gemeint ist die Burg Schöneberg in der Nähe von Bad Kreuznach) gehandelt habe.
- ↑ Der Autor denkt von Rom aus, gemeint ist also Deutschland.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Huppertz-Wild, S. 20.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 3.
- ↑ Ziegler, S. 461.
- ↑ Huppertz-Wild.
- ↑ Klaus Graf: Pfalzgräfin Gertrud von Stahleck, Briefpartnerin Hildegards von Bingen. In: Archivalia; abgerufen am 26. Januar 2026.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 17.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 10.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 11.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 11.
- ↑ Ziegler, S. 462.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 10.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 13.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 11; Ziegler, S. 465.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 13.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 14.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 14; Ziegler, S. 464.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 14.
- ↑ Otto von Freising, S. 378f.
- ↑ Otto von Freising, S. 379.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 15.
- ↑ Laudage, S. 100.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 20.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 17ff.
- ↑ Huppertz-Wild, S. 14.
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Heinrich Jasomirgott | Pfalzgraf bei Rhein 1142–1156 | Konrad |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hermann von Stahleck |
| KURZBESCHREIBUNG | Pfalzgraf bei Rhein |
| GEBURTSDATUM | 11. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 20. September 1156 |
| STERBEORT | Kloster Bildhausen |