Heute spielt der Uridil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Heute spielt der Uridil lautet der Kehrreim eines Foxtrottschlagers, den Oskar Virag und Oskar Steiner 1922 auf einen Text von Robert Katscher und Hermann Leopoldi schrieben. Sie gaben ihm themenbezogen den Untertitel Foot-Ball-Walk, in Anlehnung an damals übliche Modetanzbezeichnungen wie “Camel Walk”, “Fish Walk”, “Ostrich Walk”[1] etc. Er erschien noch im gleichen Jahre im Wiener Bohème-Verlag Berlin-Leipzig-Wien.[2] Außerdem wurde er auf Grammophonplatten und Liedflugblättern[3] verbreitet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geehrt wurde mit dem Lied der damals ungeheuer populäre österreichische Fußballspieler Josef “Pepi” Uridil, ein Stürmer,[4] dem man ob seiner Angriffslust den Beinamen “Der Tank” verliehen hatte.[5] Uridil spielte für den Sportclub Rapid Wien in Hütteldorf und war der erste Superstar des Wiener Fußballs.

Uridil wurde aufgrund seiner Popularität nicht nur zum Werbeträger für Spirituosen, sondern auch für Seifen, Wäsche, Sportbekleidung und eine Reihe anderer Gebrauchsartikel des Alltags (sein Name prangte z. B. auf Bonbonpackungen und Limonadeflaschen). Neben Gisela Werbezirk und Otto Tressler wirkte er auch in dem Spielfilm “Pflicht und Ehre” mit,[6] der am 1. Februar 1924 in den beiden größten Kinos der Stadt, dem Gartenbau-Kino und dem Burg-Kino,[7] gezeigt wurde. In dem Film spielte Uridil sich selbst als einen Mann aus dem Volke, einen Fußballer, der einem verarmten, aber aufrechten Adeligen hilft, sein verlorenes Auskommen durch ehrliche Arbeit wiederzuerlangen.[8]

Außerdem war er unter anderem neben Hans Moser in der Revue „Seid umschlungen, Billionen“[9] zu sehen, die ab 17. Februar 1924 an der Leopoldstädter Rolandsbühne[10] gegeben wurde. Hier trug er jeden Abend im grün-weißen Fußballdress[11] ein Couplet vor.[12]

Das Schlagerlied war, wie Instrumentalaufnahmen davon belegen, auch als Tanzstück ein Erfolg. Es belegt die Popularisierung des Fußballsports im Österreich der Ersten Republik nach dem verlorenen Weltkrieg. Der Fußball, so erklärt es in seinem Text, schlägt alle anderen Unterhaltungsangebote, selbst den Besuch der Oper mit ihren Meisterwerken (z. B. Richard Wagners „Parzival“) und ihren Gesangsstars (wie z. B. der Sopranistin Selma Kurz), aus dem Feld. An ihre Stelle treten die neuen Helden des Sports. Die Boulevardpresse, z. B. die noch heute existierende Kronenzeitung, trägt berichterstattend ihr Teil dazu bei.

Liedtext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ronald Leopoldi (Hrsg.): Leopoldiana. Gesammelte Werke von Hermann Leopoldi und 11 Lieder von Ferdinand Leopoldi in zwei Bänden. (= Beiträge zur Wiener Musik. Band 2). Doblinger, Wien 2011, ISBN 978-3-902667-23-6.

Noten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heute spielt der Uridil: Foot-ball-walk. Text von Robert Katscher & Hermann Leopoldi; Musik von Oskar Steiner & Oskar Virag. Wien: Wiener Bohème Verlag, ©1922. 5 Bll. 33 cm
  • Oskar Steiner, Oskar Virag: Heute spielt der Uridil, f. Gesang und Klavier. Verlag: BMG UFA Musikverlage. EAN: 9990091605967

Tondokumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heute spielt der Uridil. Football-Walk (Oscar Steiner, Oscar Virag) Bohème-Orchester. Beka Nr. 32 047, aufgenommen 15. März 1923 - wieder veröffentlicht als Beka B.3264
  • Heute spielt der Uridil. Foot-ball-walk. Musik Oskar Virag, Oskar Steiner; Text Robert Katscher, Hermann Leopoldi. Walter Herrling (Tenor) mit A.B.C.-Orchester. A.B.C. Grand Record (= Beka). Nr. 32 051, aufgenommen 15. April 1923[13]
  • The Football Walk (Heute spielt der Uridil) (Oscar Steiner, Oscar Virag) Marek Weber and his Famous Orchestra. Parlophon P.1545 (Matr. 2-6388), rec. Berlin, 6/15/1923
  • Heute spielt der Uridil ! Shimmy (Oscar Steiner, Oscar Virag) Kapelle Sándor Józsi. Odeon A 44 162 (Matr. xBe 3509), aufgenommen in Berlin, 23. Dezember 1922 dismarc.org

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Dalinger (Hrsg.): Quellenedition zur Geschichte des jüdischen Theaters in Wien. (= Conditio Judaica. Band 42). Neuauflage. Verlag Walter de Gruyter, 2003, ISBN 3-11-093958-4, S. 27.
  • Angela Eder: “Lieber bin ich unter den Vieren in Hollywood als unter den Vierzigtausend am Friedhof” – Paul Abraháms Fussballoperette “Roxy und ihr Wunderteam”. In: Kakanien revisited. S. 1–3. (online; PDF)
  • Franziska Ernst: Hermann Leopoldi: Biographie eines jüdisch-österreichischen Unterhaltungskünstlers und Komponisten. Diplomarbeit. Univ. Wien, 2010, S. 68, 84–86. (online PDF)
  • Roman Horak: The Lost Film: Vienna 1924, the footballer as movie star. In: Soccer & Society. Volume 12, Issue 1, 2011, Special Issue: Football. Sounds and Things, S. 118–119, doi:10.1080/14660970.2011.530480.
  • Roman Horak, Wolfgang Maderthaler: A Culture of Urban Cosmopolitanism – Uridil and Sindelar as Viennese Coffee-House Heroes. In: Pierre Lanfranchi, Richard Holt, J A Mangan (Hrsg.): European Heroes: Myth, Identity, Sport. Verlag Routledge, 2013, ISBN 978-1-135-23898-8, S. 139–155.
  • Hubert: Fussball in Österreich: Heute spielt der Uridil. 16. Mai 2013. (Austrian Football)
  • Ronald Leopoldi, Hans Weiss: „In einem kleinen Café in Hernals“ – Hermann Leopoldi und Helly Möslein. Eine Bildbiographie. Edition trend S, Wien 1992, S. 26–29.
  • Rudolf Lorenzen: Haste Töne? In: Berliner Morgenpost. 21. November 2004. (morgenpost.de)
  • Iris Mochar-Kircher: „A Fetz’n Ball’n war’s grösste Glück für mi“ – Die Wienerlied-Welt des Fussballs. In: Wiener Volksliedwerk. 14. Jg. Nr. 3, Mai 2008, S. 8–9. (online; PDF)
  • Karin Ploog: Als die Noten laufen lernten…: Geschichte und Geschichten der U-Musik bis 1945. Erster Teil, Verlag BoD – Books on Demand, 2015, S. 516, 569.
  • Rapidhammer. Westham United and Football Blog: Die grüne Viertelstunde. Von 1:5 auf 5:7 – Der Uridil macht’s möglich. (golbox.com)
  • Thomas Winkler: Calcio e musica – fast eine Liebesheirat. Hymnen an die Fußballer. (Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. vgl. Austrian Dance Server: Tiertänze; Lorenzen, Haste Töne (2004)
  2. Notentitel, Graphik: Joly, und Notenblatt (Memento des Originals vom 19. November 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wien.gv.at aus dem Wiener Bohème-Verlag, copyright 1922.
  3. vgl. Liedflugblatt der Musikaliendruckerei „Nora“ Wien nr. 2717
  4. ein Photo von Josef Uridil.
  5. vgl. Wiener Stadt- und Landesarchiv (Memento des Originals vom 19. November 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wien.gv.at Josef Uridil, genannt „Der Tank“
  6. gedreht nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Deutsch-German, Verleihtitel für Deutschland: “Das Herz der Madeleine Antonitsch”, vgl. filmportal.de, IMDb, und die Ankündigung im „Rapid-Blatt“ vom 28. Oktober 1923.
  7. vgl. Horak The Lost Film S. 118.
  8. vgl. Horak, The Lost Film S. 118, Horak-Maderthaler S. 144: “…he played himself as a footballer of the people who helps an impoverished but upright aristocrat to retrieve his lost livelyhood through gainful employment”. Der Film, in welchem auch die Mannschaft von Rapid Wien in Erscheinung trat, zeigte außerdem noch einen Ausflug zu Schiff auf der Donau und eine Aufführung der “Salome” mit Uridil in der Loge; das “Rapid Blatt” bezeichnete ihn in seiner Ankündigung als einen Werbefilm, der auf eine vorteilhafte Wirkung im Auslande berechnet war. Laut Horak 'mit Sicherheit kein Meisterwerk der Kinematographie’, gilt er heute als verloren.
  9. mit dem Untertitel “Ein heiteres Stück aus neuester Zeit in fünf Bildern”, vgl. Theaterplakat zu der Revue »Seid umschlungen Billionen!« in der Rolandbühne, Praterstraße 25, vom 17. Februar 1924. Mit Hinweis: “Zum ersten Mal auf der Bühne Josef Uridil.” Wien, Druck: Elbemühl, 1924. ca. 25 × 20 cm (aufgerufen am 7. November 2015)
  10. diese 1913 in Wien-Leopoldstadt gegründete Bühne stand in Bezug zur Budapester Orpheumsgesellschaft, deren herausragendstes Merkmal die Darbietung jüdischer Jargonkomik war. Hier trat neben Heinrich Eisenbach und Armin Berg u. a. auch Hans Moser auf.
  11. vgl. Photo; Autor der Revue war ebenfalls Alfred Deutsch-German.
  12. vgl. Horak-Maderthaler S. 144: “in which the football star in his green-and-white colours presented a music hall song every evening”
  13. label abgeb. bei fc45.de, anzuhören bei Österreichische Mediathek