Hans Moser

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hans Moser (Begriffsklärung) aufgeführt.
Hans Moser, 1942

Hans Moser, eigentlich Johann Julier, fälschlich wird sehr oft auch Jean Julier oder sogar Jean Juliet als amtlicher Name genannt (* 6. August 1880 in Wien; † 19. Juni 1964 ebenda) war ein österreichischer Volksschauspieler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel in Wien

Johann Julier war das dritte von vier Kindern des französischstämmigen Ungarn Franz Julier (1838–1898), eines akademischen Bildhauers,[1] und seiner Frau Serafina (1852–1912), die ein Milchgeschäft am Wiener Naschmarkt betrieb. Er wuchs in Wien-Margareten auf. Im Haus Rechte Wienzeile 93–95, wo sich heute das Hotel Ananas befindet, ist eine Gedenktafel angebracht. Bereits als Kind träumte Moser von der Bühne, seine Eltern waren jedoch gegen eine Schauspielkarriere. Ihrem Wunsch entsprechend begann der spätere Darsteller eine Buchhalterlehre in einem Lederwarengeschäft.

Hans Moser im Jahre 1902

Der junge Johann Julier erhielt Sprechunterricht beim Hofschauspieler Josef Moser, dessen Familiennamen er als Künstlernamen annahm. Anschließend zog er mit Wanderbühnen durch das Land. 1897 hatte er ein erstes Engagement am Stadttheater Reichenberg[2] in Böhmen, und im Jahre 1903 folgte mit der Berufung an das angesehene Theater in der Josefstadt, das damals von Josef Jarno geleitet wurde, der scheinbare Durchbruch. Er scheiterte jedoch, da sein Aussehen und seine Körpergröße von 1,57 m ihn für die seinem Alter gemäßen Liebhaber-Rollen ungeeignet machten. Daher zog er 1907 erneut mit Wanderbühnen durch die Länder Österreich-Ungarns; ab 1910 hatte er kleinere Revue-, Kabarett- und Theaterengagements in Wien. Am 5. August 1911 heiratete er die aus einer jüdischen Familie stammende Blanka Hirschler (später: Blanca),[3] und 1913 wurde seine Tochter Margarete geboren. In diesem Jahr hatte er seine ersten Erfolge in Solorollen als Komiker in der Kellerbühne „Max und Moritz“ im St. Annahof (Wien).

Büste von Hans Moser im Hans-Moser-Park im Wiener Gemeindebezirk Hietzing

Im Ersten Weltkrieg diente er an der Isonzo-Front bei den Deutschmeistern und lenkte seine Kameraden mit Späßen so vortrefflich vom grausamen Kriegsalltag ab, dass er von nun an seine Zukunft im komischen Fach sah. Nach dem Krieg hatte er regelmäßig Auftritte in den Wiener Kabaretts „Budapester Orpheum“, „Reklame“, „Hölle“, „Leopoldi-Wiesenthal“ und in Heinrich Eisenbachs „Intimem Theater“. Fritz Löhner-Beda schrieb 1922 für ihn den Solo-Einakter „Ich bin der Hausmeister vom Siebenerhaus“. 1923 wurde schließlich Robert Stolz auf ihn aufmerksam und engagierte ihn für eine Revue im Ronachertheater. Zwei Jahre später holte Max Reinhardt den Schauspieler zurück an das Theater in der Josefstadt, wo er in Stücken von Nestroy, Schnitzler und Horváth spielte. 1925 erschien auch der erste Artikel über Mosers Schaffen in der Neuen Freien Presse, wo man ihn als jüngsten und letzten wienerischen Hanswurst bezeichnete.

Er wurde sehr schnell Reinhardts Lieblingsschauspieler und begleitete diesen auf seiner USA-Tournee im Jahre 1927/28, wo er im „Sommernachtstraum“ unter anderem am New Yorker Broadway zu sehen war. In Wien nannte man ihn bald schon nur noch „Der Moser“ – so wie man einst vom beliebten Schauspieler und Komiker Alexander Girardi als „Der Girardi“ gesprochen hatte. Moser wurde zum vielbeschäftigten Schauspieler und Komiker an den Wiener Bühnen. Dort spielte er nuschelnd, polternd, raunzend (Wiener Eigenart des Lästerns und Jammerns) und mit kreisenden Bewegungen kauzige Typen, meistens Diener oder andere Kleinbürger wie Greißler, Schneider und Hausknechte, aber auch Zirkusfiguren. 1922 übernahm er die Rolle eines Notars in „Kleider machen Leute“, anschließend folgten auch kleinere Rollen in Stummfilmen. Große Bekanntheit erreichte er auch mit seiner Rolle als „stummer“ Dienstmann in „Die Familie ohne Moral“. Aber erst im Tonfilm konnte er seine ganze Originalität, wie er sie bereits im Theater perfektionieren konnte, entfalten. Die erste Rolle in einem Tonfilm erhielt er 1930 als Nebendarsteller in „Geld auf der Straße“.

Hans Moser stellte in seinen Filmen häufig Personen dar, die im Laufe der Handlung eine starke Wandlung vollziehen. So spielt er in Das Gäßchen zum Paradies einen Hundefänger, der zum Hundefreund wird, in Anton, der Letzte einen grenzenlosen Bewunderer des Adels, der zum Anwalt des kleinen Mannes mutiert, in Das Ferienkind einen vergrämten Pensionisten, der einst seine eigene Tochter wegen der Wahl ihres Ehemannes verstoßen hatte und durch seinen Enkel zum liebevollen Großvater wird, und in Der Herr Kanzleirat einen alten Weiberfeind, der auf seine späten Tage einer jungen Frau verfällt. Die Kombination aus einzigartiger Mimik, Gestik und Sprache machte ihn zum unsterblichen Original, welches selbst das übelste Drehbuch noch in einen gern gesehenen Film verwandeln konnte.

Hans Mosers Villa in Wien-Hietzing, Auhofstraße 76–78, Eingang Hügelgasse 2, heute Botschaft der Republik Aserbaidschan, mit Gedenktafel.

In der Zeit des Nationalsozialismus weigerte sich Moser, einer Scheidung von seiner jüdischen Frau zuzustimmen. 1939 musste sie nach Ungarn emigrieren, Mosers Tochter, die bereits verheiratet war, wanderte nach Argentinien aus. Nur aufgrund seiner Popularität konnte Moser trotz seiner Ehe weiterhin als Filmschauspieler in deutschen Filmen tätig sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte das Ehepaar wieder zusammen in der Villa in Wien-Hietzing, Auhofstraße 78. Die Gattin nahm in der Moser-Ehe eine sehr dominante Rolle ein; Moser ließ sie über seine Einkünfte nach Belieben verfügen und gab sich mit einem Taschengeld zufrieden. Diese Bescheidenheit ging mit einer übertriebenen Furcht vor plötzlicher Verarmung einher. Die Mosers sollen in ihrem Haus bevorzugt die Dienstbotenräume bewohnt haben, um die Einrichtung zu schonen. Bei seinem ersten Flug zeigte sich der Künstler weniger von der Aussicht beeindruckt als vielmehr von der kostenlosen Mahlzeit, die an Bord aufgetragen wurde.

Nach Kriegsende war Moser unter anderem am Wiener Burgtheater engagiert, wo er besonders für seine Verkörperung des Weiring in Arthur Schnitzlers Liebelei höchstes Lob von Kritik und Publikum errang.

Im Jahr 1961 spielte Moser für eine österreichische TV-Version noch einmal den Zauberkönig in Ödön von Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald, den er bereits 1931 bei der Uraufführung in Berlin verkörpert hatte. 1964 starb Hans Moser an Lungenkrebs. Er und seine Frau sind auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben.

Häufige Filmpartner Mosers waren Theo Lingen und Paul Hörbiger, mit dem er auch befreundet war.

Moser war auch beliebter Sänger von Wienerliedern, das bekannteste dürfte Die Reblaus sein. Seine markant nuschelnde Stimme wird auch heute noch von Stimmenimitatoren im Kabarett und zu Werbezwecken eingesetzt. Die zeitgenössische Presse sprach bisweilen von „Nuschel-Moser“.

Entgegen der häufigen Vermutung leitet sich der Ausdruck „mosern“ bzw. „rummosern“ nicht von Hans Moser ab, sondern von dem jiddischen bzw. rotwelschen gleichbedeutenden „mossern“ (Im wienerischen Sprachgebrauch ist der Ausdruck „mosern“ übrigens kaum gebräuchlich, hier heißt es stattdessen „raunzen“).

Erbschaftsstreit Mutter gegen Tochter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die gemeinsame Tochter Margarete emigrierte, nachdem sie 1935 den rumänischen Kaufmann Martin Hasdeu geheiratet hatte, nach Argentinien. Im Juli 1948 reiste Hans Moser nach Südamerika zu seiner Tochter, wo er auch ein Gastspiel am deutschsprachigen Theater in Buenos Aires gab. Die Tochter bat ihre Eltern um einen Vorschuss auf ihr Erbe, um eine Existenz in Buenos Aires aufzubauen. Ihre herrschsüchtige Mutter verzieh ihr das nie. Als 1963 Margarete nach dem Tod ihres Kindes ein argentinisches Kind adoptierte, vertiefte sich der Konflikt. 1971 enterbte sie ihre Tochter. Nach dem Tod der Mutter 1974 zog Margarete gegen die Enterbung vor Gericht. Erst nach 15 Jahren Gerichtsverhandlungen erhielt sie den Pflichtanteil des väterlichen Erbes von 12 Millionen Schillingen, starb aber ein halbes Jahr später.[4][5] Blanca Moser vermachte den größten Teil des Vermögens der „Hans und Blanca Moser-Stiftung“.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stummfilme
  • 1918: Das Baby
  • 1923: Hoffmanns Erzählungen
  • 1924: Die Stadt ohne Juden
  • 1924: Ssanin
  • 1925: Das Spielzeug von Paris
  • 1926: Der Feldherrnhügel
  • 1926: Schützenliesel
  • 1927: Die Familie ohne Moral
  • 1927: Madame macht einen Seitensprung
  • 1928: Spitzenhöschen und Schusterpech
  • 1928: Die Lampelgasse
Tonfilme

Diskographische Hinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen / Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1950: Ehrenring der Stadt Wien. Die Verleihung des Ehrenrings wurde am 29. September 1950 vom Wiener Gemeinderat beschlossen. Am 13. Juni 1951 überreichte Bürgermeister Theodor Körner anlässlich von Mosers Vollendung des 70. Lebensjahres in Würdigung seiner besonderen künstlerischen Leistungen und damit seiner Verdienste um die Stadt Wien den Ehrenring.
  • 1961: Kainz-Medaille
  • 1961: Ernennung zum Kammerschauspieler
  • 1962: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film
  • 1998: Benennung des Hans-Moser-Parks sowie der Gasse Am Hans-Moser-Park in Wien-Hietzing
  • 2014: Im Comicbuch Der Blöde und der Gscheite - Die besten Doppelconferencen (Amalthea Signum Verlag | Zeichnungen: Reinhard Trinkler | Text: Hugo Wiener) hat Hans Moser an der Seite von seinem langjährigen Filmpartner Paul Hörbiger als gezeichnete Figur eine Hauptrolle

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal an Hans Moser in Gumpoldskirchen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hans Moser – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webseite zum Grab von Hans Mosers Vater
  2. Reichenberg – ein Kurzportrait vom 20. November 2009, abgerufen am 9. Februar 2013
  3. Wer waren Hans und Blanca Moser? In: Website der medizinischen Universität Wien. Archiviert vom Original am 2. August 2015, abgerufen am 24. Juli 2017.
  4. Hugo Portisch, Georg Markus: Der geliebte Vater, die verhasste Mutter: Hans Mosers Familientragödie In: Unter uns gesagt: Begegnungen mit Zeitzeugen, Amalthea Signum, Wien 2014, ISBN 978-3-90299-858-3, S. 66 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  5. Georg Markus: Schuld ist nur das Publikum, Amalthea Signum, Wien 2014, ISBN 978-3-90299-848-4, S. 156 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)