Hohenstaufenring 57

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Hohenstaufenring 57 - Palais Oelbermann (um 1895)

Am Hohenstaufenring 57 (heute Nr. 55) / Ecke Beethovenstraße auf den Kölner Ringen lag das Palais Oelbermann, benannt nach den wohlhabenden Bewohnern, der Familie Emil Oelbermann.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauherr Emil Oelbermann erwirtschaftete sein Vermögen durch Im- und Exportgeschäfte im Textilhandel in den USA und kehrte mit seiner Gattin Laura im Jahre 1880 nach Köln zurück. Zunächst wohnten sie hier provisorisch im Excelsior Hotel Ernst und dann Unter Sachsenhausen 4.

Das Gebäude Hohenstaufenring 57 wurde zwischen 1889 und 1890 von Hermann Otto Pflaume im Stil der Neurenaissance fertiggestellt und galt als einer der prachtvollsten Wohnbauten in Köln. Es zeugte durch seine Außen- und Innengestaltung vom Reichtum der vermögenden Besitzer.[1] Im Jahre 1890 konnten beide in ihr eigenes Wohnhaus umziehen, doch bereits im Mai 1897 verstarb Emil Oelbermann. Da alle Kinder bis 1904 verstorben waren, lebte Laura Oelbermann als Witwe allein im großen Haus.

Haus Oelbermann (Salon), um 1895

Laura Oelbermanns Schmuck war Stadtgespräch, ihr Ausgang in einem Vierspänner war ein gesellschaftliches Ereignis: „Lurens, de Frau Oelbermann jeht us“ (Schau mal, die Frau Oelbermann geht aus).[2] Frau Oelbermann besaß als Alleinerbin ihres verstorbenen Gatten ganze Häuserreihen auf dem Hohenstaufenring, und zwar die Nr. 30, 32, 48, 50, 52 und 54, außerdem die Engelbertstraße 38 oder Jahnstraße 36 und 38.[3] Für ihre umfangreiche Kunstsammlung erwarb sie am 29. Mai 1916 ein Werk von Max Liebermann von Galerist Paul Cassirer und betrieb im Palais eine Kunstgalerie. Sie gehörte zu den vermögendsten Bürgern Kölns. Eine ihrer vielen Spenden ermöglichte den Bau des von Robert Leibnitz geplanten Auguste-Viktoria-Hospital (Jerusalem), dessen Grundsteinlegung am 31. März 1907 stattfand und das am 9. April 1910 fertig war. Wegen ihrer sozialen Spendenleistungen erhob sie Wilhelm II. im August 1918 in den Adelsstand, fortan nannte sie sich Freifrau Laura von Oelbermann.

Nach dem Tod der Witwe Oelbermann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod von Laura Oelbermann am 3. Juni 1929 führte das Kunsthaus Lempertz aufgrund testamentarischer Verfügung von Laura Oelbermann am 11. Dezember 1929 eine Versteigerung aller Kunstwerke im Palais Oelbermann durch. Das Palais wurde zwischen 1930 und 1931 durch Helmuth Wirminghaus zu einem Wohnheim für berufstätige Frauen umgestaltet und erweitert. Dabei entdeckte man 1930 bei den Umbauarbeiten 15 Skelettgräber, die wohl zu einem spätrömischen Friedhof gehörten.[4] Unter anderem fand man eine Münze von Constantin dem Großen, in einem Grab lagen reiche ornamental und figürlich verzierte Bronzebeschläge eines Kastens sowie ein stattlicher Humpen mit reichster Barbotine-Auflage und weißgemalter Inschrift.[5] Das zur Oelbermann-Stiftung gehörende Gebäude überstand den Zweiten Weltkrieg und wurde ab Dezember 1949 restauriert. Am 22. April 1950 zog der Kunstsalon Hermann Abels hier ein.[6] Das in die Jahre gekommene Gebäude wurde 1981 abgerissen und durch einen Wohnbau ersetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helga Bargel, Zehn Uhr pünktlich Gürzenich, 1995, S. 109
  2. Irene Franken, Frauen in Köln, 2008, S. 144
  3. Rudolf Martin, Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre in Preußen 1912, 1912, S. 266
  4. Gebrüder Mann, Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland, Teil 1–6, 1962, S. 520
  5. Wilhelm Unverzagt, Prähistorische Zeitschrift, Bände 21–22, 1930, S. 247
  6. Kölner Stadt-Anzeiger vom 25. April 1950, Kunstsalon Abels jetzt im Oelbermann-Anbau am Hohenstaufenring

Koordinaten: 50° 56′ 0″ N, 6° 56′ 22″ O