Homiletik

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unter Homiletik (griech. ὁμιλητική τέχνη = die Kunst des Umgangs) wird in der Theologie die Predigt­lehre verstanden.

Homiletik als theologische Fachdisziplin[Bearbeiten]

Die Homiletik ist ein Teilbereich der Praktischen Theologie (evangelisch) oder der Pastoraltheologie (katholisch). Sie klärt unter Einbeziehung von Rhetorik und Kommunikationswissenschaft den theologischen Sinn und die Methoden des Kommunikationsprozesses, den die Predigt darstellt. Der Homiletiker ist ein Lehrer dieses Lehrbereiches.

Gliederung[Bearbeiten]

Nach der klassischen Unterscheidung von Alexander Schweizer (1808–1888) behandelt die Homiletik die Frage nach

  • dem Wesen der Predigt (prinzipielle Homiletik: u. a. über Autorität sowie Zweck der Predigt),
  • ihrem Inhalt (materiale Homiletik: ursprünglich vor allem über den Bibeltext und seine Auslegung)
  • und ihrer Gestaltung (formale Homiletik: z. B. über Sprache, Vergleiche …).
  • Hinzu kommt die pastorale Homiletik:[1] über den Hirtendienst des Predigers. In der neueren Homiletik wird dabei das sog. „homiletische Dreieck“[2] (der Sprecher, der Hörer und der Bibeltext als Grundlage der Predigt) besonders beachtet.

Inhalt der Predigt[Bearbeiten]

Bei Kirchen mit festgelegter Liturgie ist oft auch der zugrundeliegende Bibeltext – etwa in einem 3-Jahres-Rhythmus – vorgegeben. Anderswo kann der einzelne Prediger frei entscheiden – im Rahmen des in seiner Gemeinschaft Üblichen. Dabei gibt es die Grundfrage, ob die Predigt von einem Bibeltext ausgeht oder von einem Sachthema (also Textpredigt oder Themapredigt ist).

Der Inhalt einer Predigt soll neu sein, aber auch richtig – und wichtig. Diese Anforderungen können in Spannung zueinander stehen.

Form der Predigt[Bearbeiten]

Bei der äußeren Gestaltung der Predigt gibt es mehrere Bereiche mit zu bedenken – hier in Stichworten, teilweise als Alternative formuliert:[3]

  • Didaktik: kurze Sätze, informativ (fördert Aufmerksamkeit) – aber nicht unnötig detailreich, Kernsatz betonen, Einstieg und Schluss speziell vorbereiten, Wiederholungen (eventuell auch vor/nach der Predigt).
  • Rhetorik: Mundart oder Schriftsprache, frei sprechen oder vorlesen, Gestik, Mimik, Artikulation.
  • Technische Hilfsmittel: Mikrophon, Beamer, Kurzfilm oder Musikaufnahme einspielen.

Anliegen: gute Predigten[Bearbeiten]

Die Homiletik reflektiert den Vorgang des Predigens mit dem Ziel zu verbessern. Sie beschäftigt sich also mit Mängeln, sie problematisiert. Homiletische Literatur beschreibt nicht einfach, sondern kritisiert und berät, sie ist oft normativ. Denn sie strebt ein Ideal an. Dieses kann jedoch unterschiedlich aussehen, je nach Konfession, Epoche und Individuum. Die Frage: Was ist „gutes Predigen“?[4] wird daher verschieden beantwortet, abhängig vom jeweiligen Ideal: Geht es vor allem um Allgemeinverständlichkeit, um praktische Anwendbarkeit, um Spannung, um eine künstlerisch-literarische Gestaltung, oder um Inhaltsreichtum? Dieser zuletzt genannte Aspekt kann selbst wieder verschieden verstanden werden: Geht es um neue Einsichten, um geistlich bewegende Impulse, um eine Fülle von Informationen?

Unterschiedliche homiletische Schwerpunkte[Bearbeiten]

Manche Buchtitel stellen der „Homiletik“ ein Eigenschaftswort voran, z. B. didaktische Homiletik, rhetorische Predigtlehre, praktische Homiletik oder dramaturgische Homiletik. Dadurch zeigt der jeweilige Homiletiker, welchem Fachgebiet er eine besondere Bedeutung für die Homiletik beimisst, vielleicht aufgrund seiner eigenen speziellen Kompetenz. Ein Eigenschaftswort kann auch vor „predigen“ gestellt werden, z. B. seelsorglich predigen oder ökumenisch predigen. Manchmal erfolgt die Verknüpfung einer bestimmten Disziplin mit der Homiletik durch „und“, z. B. Homiletik und Psychologie, oder durch ausführlichere Buchtitel, z. B.: Humor und sein Potential für die christliche Predigt. Die genannten Buchtitel verweisen auf die Vielzahl von Richtungen und Zugängen, die für die Predigttätigkeit fruchtbar gemacht werden.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diese Vierteilung bereits beim Klassiker von Wolfgang Trillhaas: Evangelische Predigtlehre, 3. Aufl., o. J. [1947].
  2. U. a. von Peter Bukowski, Wilfried Engemann, Michael Thiele.
  3. Zusammengestellt in Anlehnung an Graf-Stuhlhofer: Basis predigen. … didaktische Homiletik für Fortgeschrittene, S.175-219.
  4. Vor allem aus baptistischer Sicht wird diese Frage beantwortet in Dietmar Lütz (Hg.): GUTES PREDIGEN. 21 Predigten für das 21.Jahrhundert. Eine Predigtwerkstatt. WDL, Berlin 2004.
  5. Nach Graf-Stuhlhofer: Basis predigen. Grundlagen des christlichen Glaubens in Predigten, dazu eine didaktische Homiletik für Fortgeschrittene, S. 220 f.