Lebensmittelunruhen

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Lebensmittelunruhen in Richmond (1863)

Lebensmittelunruhen (auch Lebensmittelkrawalle oder Hungerrevolte) sind eine Form des Protestes gegen eine Hungersnot und mangelnde Versorgung mit Nahrungsmitteln. Sie äußerten sich historisch oft als spontane und unorganisierte Krawalle. Obwohl sie damit gesellschaftliche Normen überschritten, waren die Proteste meist sehr zielgerichtet.

Historische Entwicklung und Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die seit dem Mittelalter immer wieder auftretenden und im 19. Jahrhundert zunehmend besser in Quellen belegten Lebensmittelunruhen wurden lange als Randerscheinung bzw. vormoderner Vorläufer einer geordneteren und organisierten Arbeiterbewegung interpretiert und eher negativ beurteilt, weil dabei oft Grenzen überschritten und Gewalt in Form von Sachbeschädigung eingesetzt wurde. Die New Labour History, besonders die Schriften des englischen Historikers Edward P. Thompson, bestätigten jedoch der Maschinenstürmerei als auch den Lebensmittelunruhen eine große Zielstrebigkeit. Es handele sich nicht um sinnlose oder ungesteuerte Gewalt, sondern um einen zielgerichteten Protest gegen soziale Verwerfungen der Moderne; Gewalt sei dabei durch die moralische Ökonomie der Protestierenden begrenzt worden.[1]

Lebensmittelkrawalle waren im 20. Jahrhundert oft gekennzeichnet durch Beteiligung von Frauen, so etwa die Massenstreiks und Lebensmittelunruhen während des Ersten Weltkrieges in Deutschland und Österreich-Ungarn.[2][3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Edward P. Thompson: Die Entstehung der englischen Arbeiterklasse. Aus dem Englischen von Lotte Eidenbenz u. a. Zwei Bände. Frankfurt a. Main: Suhrkamp Verlag 1987 ISBN 3-518-02687-9
  • Edward P. Thompson: Plebeische Kultur und moralische Ökonomie. Aufsätze zur englischen Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts. Ausgewählt und eingeleitet von Dieter Groh. Ullstein, Frankfurt/Berlin/Wien 1980, ISBN 3-548-35046-1.
  • Veronika Helfert: Gewalt und Geschlecht in unorganisierten Protestformen in Wien während des ersten Weltkrieges. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Heft II/2014
  • Irena Selisnik / Ana Cergol Paradiz / Ziga Koncilija: Frauenproteste in den slowenischsprachigen Regionen Österreich-Ungarns vor dem und im Ersten Weltkrieg, in: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft II/2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Edward P. Thompson: Plebeische Kultur und moralische Ökonomie. Aufsätze zur englischen Sozialgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts. Ausgewählt und eingeleitet von Dieter Groh. Ullstein, Frankfurt/Berlin/Wien 1980, ISBN 3-548-35046-1.
  2. Veronika Helfert: Gewalt und Geschlecht in unorganisierten Protestformen in Wien während des ersten Weltkrieges. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Heft II/2014.
  3. Irena Selisnik / Ana Cergol Paradiz / Ziga Koncilija: Frauenproteste in den slowenischsprachigen Regionen Österreich-Ungarns vor dem und im Ersten Weltkrieg. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Heft II/2016.