Huttonia palpimanoides

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Huttonia palpimanoides
Huttonia palpimanoides, Männchen

Huttonia palpimanoides, Männchen

Systematik
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Teilordnung: Entelegynae
Überfamilie: Palpimanoidea
Familie: Huttoniidae
Gattung: Huttonia
Art: Huttonia palpimanoides
Wissenschaftlicher Name der Familie
Huttoniidae
Simon, 1893
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Huttonia
O. Pickard-Cambridge, 1879
Wissenschaftlicher Name der Art
Huttonia palpimanoides
O. Pickard-Cambridge, 1879

Huttonia palpimanoides ist eine Art der Echten Webspinnen und kommt endemisch in Neuseeland vor. Sie ist die einzeige Art der Gattung Huttonia innerhalb der monogenerische Familie Huttoniidae.[1] (Stand: Juni 2016)

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Huttonia palpimanoides ist vier bis fünf Millimeter lang. Der Carapax des Prosomas ist abgerundet ohne abgesetzte Kopfregion, das Opisthosoma oval und deutlich länger als breit. Am Prosoma sitzen acht Augen in zwei Reihen, wobei die vorderen deutlich kleiner sind als die hinteren. Die Cheliceren sind kurz, aber kräftig gebaut mit kegelförmigen Fortsätzen in Opposition zur kurzen Klaue, aber ohne echte Zähne. Die Öffnung der Giftdrüse im Klauenglied der Chelicere sitzt auf einen kurzen, lappenförmigen Anhang nahe von dessen Spitze, die Drüse selbst liegt im Prosoma. Die Endite (Kauladen des Basalglieds der Pedipalpen) treffen sich in der Mitte vor der Spitze des dreieckigen Labiums. Das Sternum ist schildförmig und wenig länger als breit, die Hüften (Coxen) des vierten Beinpaars sind breit getrennt. Am Hinterleib sitzen gefiederte Haare, am Ende trägt er sechs funktionstüchtige Spinnwarzen. Die produzierte Spinnseide ist ecribellat. Die Beine besitzen drei Klauen. Nur die hinteren beiden Beinpaare tragen Sporne. Tarsi und Metatarsi der ersten beiden Beinpaare tragen in Reihen gestellte, spatelförmige Haare, aber keine echten Scopulae. Der Metatarsus des dritten Beinpaars trägt in beiden Geschlechtern einen kurzen Borstenkamm. Beim Männchen tragen die Endglieder der Pedipalpen keine Sporne oder Vorsprünge. Der Bulbus ist in einer tiefen Höhlung des Cymbium verborgen und in Ruhelage durch Haare verdeckt und nicht sichtbar, der Embolus ist in der Regel relativ kurz und trägt Dornen, bei einer (unbeschriebenen) Art ist er verlängert. Die Geschlechtsorgane der Weibchen sind einfach, ohne äußerlich erkennbare Strukturen und damit ohne Epigyne, ein nicht sklerotisiertes zentrales Receptaculum wird beiderseits von einer sklerotisierten Platte eingefasst.

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Spinnen sind Habitatspezialisten und leben auf niedrigen, abgestorbenen Farnwedeln im Regenwald. Dort bauen sie einen beutelförmigen Schlupfwinkel. Von dort aus jagen sie ihre Beute frei ohne Hilfe eines Netzes. In Gefangenschaft können sie mit zahlreichen kleinen und weichhäutigen Insekten oder auch mit den am Boden des Regenwaldes und in ihrem Lebensraum nicht seltenen, landlebenden Flohkrebsen ernährt werden

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Familie und die Gattung ist momentan nur Huttonia palpimanoides als einzige rezente Art beschrieben. Aus ihrem Lebensraum sind jedoch eine Reihe morphologisch gut unterscheidbarer aber bisher unbeschriebener Arten bekannt, von denen möglicherweise einige in eine zweite Gattung oder ebenfalls zu Huttonia gestellt werden müssen. Weitere der Familie zugeordnete Tiere sind in kreidezeitlichen kanadischem Bernstein gefunden worden, ohne dass bisher Arten beschrieben worden sind.[2] Huttonia palpimanoides wurde 1879 von dem britischen Geistlichen und Arachnologen Octavius Pickard-Cambridge anhand eines Weibchens beschrieben, das ihm Captain Frederick Wollaston Hutton aus Dunedin, Neuseeland zugesandt hatte. Danach wurde fast hundert Jahre kein weiteres Exemplar gefunden. Der französische Arachnologe Eugène Simon stellte für die Art eine eigene monotypische Unterfamilie in der Familie Palpimanidae auf, die später von Alexander Iwanowitsch Petrunkewitsch in die Familie Zodariidae transferiert wurde. Raymond R. Forster und Norman I. Platnick erhoben sie 1984 zur eigenständigen Familie. Die wenig untersuchte Familie bildet nach morphologischen Kriterien mit den Stenochilidae und Palpimanidae eine Klade.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Huttoniidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Raymond R. Forster & Norman I. Platnick (1984): A review of the archaeid spiders and their relatives, with notes on the limits of the superfamily Palpimanoidea (Arachnida, Araneae). Bulletin of the American Museum of Natural History, 178, 1-106 (PDF).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog Version 17.0 – Huttoniidae. Abgerufen am 20. Juni 2016
  2. David Penney & Paul A. Selden (2006): First fossil Huttoniidae (Arthropoda: Chelicerata: Araneae) in late Cretaceous Canadian amber. Cretaceous Research, 27, S. 442-446 doi:10.1016/j.cretres.2005.07.002.