Ibn Tūmart

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Abū ʿAbdallāh Muhammad ibn Tūmart (mazirisch ⵎⵓⵃⵎⵎⴰⴷ ⵓ ⵜⵓⵎⵔⵜ, arabisch أبو عبدالله محمد بن تومرت, DMG Abū ʿAbdallāh Muḥammad ibn Tūmart; * 1077; † 1130) war ein mazirisch islamischer Reformer, der für sich den Mahdi-Titel in Anspruch nahm und die Bewegung der Almohaden begründete.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ibn Tūmart wurde 1077 als Mitglied des Hargha-Stammes (Masmuda) im Antiatlas geboren und reiste 1106 nach Córdoba, wo er ein Jahr lang studierte. Danach reiste er von Almeria aus über Alexandria und Mekka nach Bagdad, wo er sieben Jahre blieb und mit muslimischen Gelehrten unterschiedlichster Ausrichtung zusammentraf. Er studierte allerdings vor allem bei Gelehrten der Bagdader Nizāmīya-Hochschule wie Abū Bakr asch-Schāschī (gest. 1114) und al-Kiyā al-Harrāsī (gest. 1111), durch die er unter den Einfluss der aschʿaritischen Theologie gelangte. Al-Kiyā al-Harrāsī, ein Schüler von al-Dschuwainī, vermittelte ihm außerdem dessen rechtstheoretische Lehren.[1]

Nach seiner Rückkehr in den Maghreb (1117/8) verbreitete Ibn Tūmart seine Lehre unter den Berbern des Hohen Atlas und sammelte erste Anhänger um sich, unter anderem Abd al-Mumin und Abu Hafs Umar. Ibn Tumart betonte die absolute Einheit Gottes und lehrte die absolute Vorherbestimmung in einer hierarchischen Gesellschaft. Als der Versuch scheiterte, die Almoraviden unter Ali ibn Yusuf zu seiner Theologie zu bekehren, zog er sich 1120 mit seinen Anhängern in das Atlasgebirge zurück und verbreitete unter den Masmuda-Stämmen seine Lehre.

Seit 1121 beanspruchte Ibn Tumart, der unfehlbare Mahdi zu sein, und vereinigte die Masmudastämme zum Kampfbund der Almohaden (al-Muwaḥḥidun = „Bekenner der göttlichen Einheit“). Zur Integration der Stämme in die Bewegung wurde ein Rat gebildet, in dem 10 treue Stammesführer sowie 40 weitere Delegierte anderer wichtiger Stämme beteiligt waren und dem Führer der Almohaden zur Seite standen. Zentrum der Almohaden wurde 1124 Tinmal im Hohen Atlas, etwa 100 km südlich von Marrakesch. 1129 scheiterte aber ein Angriff der Almohaden auf Marrakesch mit einer Niederlage gegen die Almoraviden bei al-Buhayra (13. Mai 1129).

Ibn Tumart starb am 20. August 1130 und wurde in seinem Heimatort Tinmal bestattet. Mit ihm verloren die Almohaden ihren geistigen Führer, womit die militärisch-politischen Ziele der Bewegung in den Vordergrund traten. Sein Nachfolger wurde Abd al-Mu'min, der die Almohaden zum Sieg über die Almoraviden führte. Allerdings musste der Tod von Ibn Tumart drei Jahre lang geheim gehalten werden, bis sein Nachfolger Abd al-Mumin seine Herrschaft gesichert hatte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • William Al Sharif: The Dearest Quest: A Biography of Ibn Tumart. Jerusalem Acad. Publ., Tranent, 2010.
  • Ignaz Goldziher: Mohammed Ibn Toumert et la théologie de l'Islam dans le nord de l'Afrique au XIe siècle. Imprimerie Orientale Pierre Fontana, Alger, 1903. Digitalisat
  • J.F.P. Hopkins: Art. "Ibn Tūmart" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. III, S. 958b-960a.
  • Ibn Challikān: Wafayāt al-aʿyān wa-anbāʾ abnāʾ az-zamān. - Engl. Übers. William Mac Guckin de Slane unter dem Titel Ibn Khallikan's Biographical Dictionary Paris 1842–1848. Band III, S. 205–217. Digitalisat

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Sharif: The Dearest Quest. 2010, S. 66.