Marrakesch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Marrakesch
مراكش
ⵎⵕⵕⴰⴽⵛ
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Marrakesch (Marokko)
Marrakesch
Marrakesch
Basisdaten
Staat: Marokko
Region: Marrakesch-Safi
Präfektur: Marrakesch
Koordinaten 31° 38′ N, 8° 0′ WKoordinaten: 31° 38′ N, 8° 0′ W
Einwohner: 928.850 (2014[1])
Fläche: 230 km²
Bevölkerungsdichte: 4.038 Einwohner je km²
Höhe: 450 m
Postleitzahl: 40000
Website der Stadtverwaltung:
Bürgermeister: Mohamed El Arabi Belcaid (PJD)
Das Minarett der Koutoubia-Moschee ist das Wahrzeichen der Stadt und des ganzen Landes.
Das Minarett der Koutoubia-Moschee ist das Wahrzeichen der Stadt und des ganzen Landes.

Marrakesch oder Marrakech (aus dem mazirischen ⵎⵕⵕⴰⴽⵛ Meṛṛakec, „Land Gottes“; arabisch مراكش, DMG Murrākuš, auch Marrākuš; im lokalen Dialekt: Mərrākəš – Betonung jeweils auf der zweiten Silbe), bekannt als „Rote Stadt“, „Ockerstadt“ oder „Perle des Südens“, ist eine Stadt im Südwesten Marokkos mit 928.850 Einwohnern (Stand: 2014) und Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch ist ein Wort aus der Sprache der Berber und bedeutet womöglich „Das Land Gottes“. Eine weitere Erklärung in Tamazight lautet „Durchzugsland“ (mar-our-kouch, französisch terre de parcours).[2] Marokko als Bezeichnung für das ganze Land ging aus dem Stadtnamen Marrakesch hervor.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch liegt in einer Ebene nördlich des Hohen Atlas in einer Höhe von etwa 450 m ü. d. M. und zählt neben Meknès, Fès und Rabat zu den vier Königsstädten Marokkos.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
32
 
18
6
 
 
38
 
20
8
 
 
38
 
22
9
 
 
39
 
24
11
 
 
24
 
28
14
 
 
5
 
31
16
 
 
1
 
37
20
 
 
3
 
37
20
 
 
6
 
33
18
 
 
24
 
28
15
 
 
41
 
22
10
 
 
31
 
19
7
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Marrakesch
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 18,4 19,9 22,3 23,7 27,5 31,3 36,8 36,5 32,5 27,5 22,2 18,7 Ø 26,5
Min. Temperatur (°C) 5,9 7,6 9,4 11,0 13,8 16,3 19,9 20,1 18,2 14,7 10,4 6,5 Ø 12,8
Niederschlag (mm) 32 38 38 39 24 5 1 3 6 24 41 31 Σ 282
Sonnenstunden (h/d) 7,1 7,4 8,0 8,5 9,3 10,5 10,8 10,2 8,8 7,9 7,1 7,1 Ø 8,6
Regentage (d) 4 4 4 4 2 1 0 0 2 3 4 4 Σ 32
Luftfeuchtigkeit (%) 65 66 61 60 58 55 47 47 52 59 62 65 Ø 58
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
18,4
5,9
19,9
7,6
22,3
9,4
23,7
11,0
27,5
13,8
31,3
16,3
36,8
19,9
36,5
20,1
32,5
18,2
27,5
14,7
22,2
10,4
18,7
6,5
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
32
38
38
39
24
5
1
3
6
24
41
31
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch wurde am 7. Mai 1070 durch Abu Bakr ibn Umar gegründet, um der neuen Bewegung der Almoraviden ein Zentrum zu geben. (Die Gründung 1062 durch Yusuf ibn Taschfin wird mittlerweile einer Legendenbildung zugeschrieben.) Abu Bakrs Nachfolger Yusuf ibn Taschfin (1009–1106) eroberte das heutige Nordmarokko und Andalusien und ließ Marrakesch zur Hauptstadt seines Reiches ausbauen. Unter seinem Sohn Ali ibn Yusuf wurde die Stadt erheblich erweitert und die bis heute erhaltene Stadtmauer errichtet. Die Almohaden, eine religiöse Bewegung, die sich unter der Führung Ibn Tūmarts gegen die Almoraviden gebildet hatte, eroberten unter dessen Nachfolger Abd al-Mu'min im 12. Jahrhundert Nordmarokko und schließlich im Jahre 1147 Marrakesch. Sie zerstörten religiöse wie Profanbauten als Symbole der Almoraviden. Unter der Regentschaft der Almohaden wurde die berühmte Koutoubia-Moschee errichtet.

Nach bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen um die Macht in Marokko nahmen 1269 die Meriniden Marrakesch ein. Der Sieger Abu Yusuf Yaqub gab schließlich Marrakesch als Hauptstadt zugunsten von Fès auf. Unter den Saadiern wurde Marrakesch von 1554 an vorübergehend erneut marokkanische Hauptstadt. Unter der nachfolgenden Dynastie der Alawiden, der auch das heutige Herrscherhaus entstammt, wurde erneut Fès als Regierungssitz ausgewählt.

Bei einem Terroranschlag am 28. April 2011 auf ein Café am belebten Marktplatz Djemaa el Fna starben 17 Menschen, darunter viele Touristen.[3]

Der Vertrag von Marrakesch über die Erleichterung des Zugangs zu veröffentlichten Werken für blinde, sehbehinderte oder sonst lesebehinderte Menschen wurde im Jahr 2013 unterzeichnet.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1950 hat sich die Bevölkerung durch natürliches Wachstum und Landflucht mehr als vervierfacht.

Jahr Einwohnerzahl[4]
1950 209.000
1960 243.000
1970 323.000
1980 416.000
1990 568.000
2000 751.000
2010 880.000
2017 963.000

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund der Vielzahl architektonisch bedeutender Gebäude, unter anderem der Koutoubia-Moschee aus dem Jahre 1158, der Kasbah aus dem 12. Jahrhundert und der Medersa Ben Youssef aus dem 14. Jahrhundert, wurde die Altstadt 1985 zusammen mit den Agdal-Gärten und dem Menara-Garten zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.[5]

Hauptattraktion der Stadt ist die Djemaa el Fna (arabisch etwa Versammlung der Toten), der mittelalterliche Markt- und Henkersplatz, heute ein lebendiger Ort orientalischer Geschichtenerzähler, Schlangenbeschwörer, Affenhalter und Gaukler. In der Neustadt befindet sich der Jardin Majorelle, der durch seine Pflanzenvielfalt und eigentümliche Architektur besticht.

Gerade die berühmten Suqs, in denen Händler ihre Ware verkaufen, gelten als beliebte Touristenattraktion. Hier können landestypische Souvenirs wie Gewürze, bunte Tücher, Lederwaren und Laternen erworben werden.

Im Jahr 2016 eröffnete der österreichische Universalkünstler André Heller am Rande der Stadt seinen botanischen Skulpturengarten ANIMA[6] mit Werken von u. a. Keith Haring, Auguste Rodin[7].

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaftlich lebt die Stadt neben dem Handel, dem Färbereigewerbe und der Teppichherstellung sowie der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse vor allem vom Tourismus.

Die Wasserversorgung der Stadt und des Umlandes erfolgt aus dem 36 Kilometer südwestlich gelegenen Staudamm von Lalla Takerkoust. Weiter oberhalb in den Ausläufern des Hohen Atlas befindet sich bei Ouirgane ein weiterer Stausee.

In den letzten Jahren hat ein Bauboom die Grundstückspreise stark ansteigen lassen, weil sich zahlreiche wohlhabende Europäer und Marokkaner, angelockt durch das erträgliche Klima am Rande des Hochgebirges, prächtige Erst- und Zweitwohnsitze errichten ließen. Sie liegen überwiegend im Westen und Nordwesten oft auf ummauerten bewachten Grundstücken.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist Marrakesch Präfekturhauptstadt und wichtiger Verkehrsknotenpunkt, der über eine Eisenbahnstrecke mit Casablanca und dem Norden Marokkos verbunden ist. Seit 2008 endet die Bahnverbindung in dem im traditionellen Stil gestalteten neuen Hauptbahnhof.

Der internationale Flughafen Marrakesch-Menara befindet sich unweit des Zentrums.

Der städtische Nahverkehr in Marrakesch wird überwiegend von Omnibussen und Taxen bedient. Zusätzlich verkehrt in der Stadt seit September 2017 der Oberleitungsbus Marrakesch, das einzige derartige System in Afrika.

Die privaten Busgesellschaften CTM, Supratours und andere bedienen Verbindungen in Städte wie Essaouira, Agadir und Casablanca.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marrakesch beherbergt eine Reihe verschiedener Museen, zu denen das Musée de Marrakech mit seiner Kunst-, Keramik- und Münzsammlung, das archäologische Islamische Kunstmuseum von Marrakesch und das Dar-Si-Said-Museum mit seinen Exponaten zur Kunst und Kultur der Berber zu den wichtigsten gehören. Weitere Museen sind das Haus der Fotografie von Marrakesch, das Museum der Telekommunikation, das Palmeraie-Museum für zeitgenössische Kunst, das Musée de l'Art de Vivre und die Paläste Bahia und El Badi (Teilruine).

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kawkab Marrakesch ist ein Sportverein, dessen Fußball- und Handballmannschaften zahlreiche nationale Titel gewinnen konnten. Das Fußballteam trägt seine Heimspiele seit der Eröffnung des Stadions im Stade de Marrakech (45.000 Plätze) aus. Früher wurden die Spiele im Stade El Harti (20.000 Plätze) ausgetragen.

Seit dem Jahr 2009 finden auf dem temporären Stadtkurs Marrakech Street Circuit Läufe der Tourenwagen-Weltmeisterschaft statt.

Jedes Jahr im Januar wird der Marrakesch-Marathon (Marathon International de Marrakech) ausgetragen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich finden das Festival national des arts populaires de Marrakech und das Festival International du Film de Marrakech statt.

Kultur und Jet Set[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Marrakesch haben sich seit den 60er Jahren viele Künstler und deren Mäzene niedergelassen. Hierzu gehören insbesondere Modedesigner wie Yves Saint Laurent, Arndt von Bohlen und Halbach, Henriette von Auersperg und andere. Im Oktober 2017 eröffnete das neue Museum von Yves Saint Laurent nahe dem Jardin Majorelle, in dem viele seiner berühmten Exponate zu sehen sind.[8][9][10]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Stadt verbunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Juan Goytisolo (1931–2017), spanischer Schriftsteller, lebte bis zu seinem Tod in Marrakesch

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • FrankreichFrankreich Marseille, Frankreich, seit 2004
  • TunesienTunesien Sousse, Tunesien, seit 1982
Internationale Kooperationen

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belletristik

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Gärten von Marrakesch. Dokumentarfilm, Deutschland, 2008, 43 Min., Buch und Regie: Veronika Hofer, Produktion: Straub & Pirner, Radio Bremen, arte, Erstsendung: 27. Januar 2009 bei arte, Inhaltsangabe von ARD.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Marrakesch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Marrakesch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Note sur les premiers résultats du Recensement Général de la Population et de l’Habitat 2014 (Hinweis auf die ersten Ergebnisse des allgemeinen Volks- und Wohnungswesens 2014). 2014, abgerufen am 18. Februar 2016 (französisch, Word-Datei; 2,5 MB; S. 8).
  2. M. B. Lagdim Soussi: Les rapports de Marrakech avec le monde rural dans le domaine de l'artisanat. In: Méditerranée. Nr. 4, 1986, S. 21 ff.
  3. Hauptverdächtiger des Anschlags von Marrakesch widerruft Geständnis. Neue Zürcher Zeitung, 22. September 2011, abgerufen am 19. Februar 2016.
  4. World Urbanization Prospects - Population Division - United Nations. Abgerufen am 23. Juli 2018.
  5. UNESCO World Heritage Centre: Medina of Marrakesh. Abgerufen am 21. August 2017 (englisch).
  6. https://www.anima-garden.com/erleben.html
  7. Experience - ANIMA – Le retour du paradis créé par André Heller. Abgerufen am 1. August 2018 (englisch).
  8. Yves-Saint-Laurent-Museum in Marokko: Hommage an die Farbe - Stil. In: Spiegel Online. 23. Oktober 2017, abgerufen am 9. Juni 2018.
  9. https://www.welt.de/vermischtes/article108554206/Die-Koenigin-des-wilden-70er-Jahre-Jet-Set.html
  10. https://www.derwesten.de/staedte/essen/arndt-von-bohlen-und-halbach-leben-und-sterben-eines-playboys-id6087021.html