Ihre Kinder

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Ihre Kinder
Allgemeine Informationen
Herkunft Nürnberg, Deutschland
Genre(s) Deutschrock, Krautrock
Gründung 1969
Auflösung 1973
Website www.ihrekinder.com
Letzte Besetzung
Gitarre, Bass, Mandoline, Percussion, Gesang
Ernst Schultz
Orgel, Klavier, Gitarre, Gesang
Sonny Hennig
Flöte, Violine, Orgel, Klavier, Percussion, Gesang
Georg Meyer
Gitarre, Posaune
Muck Groh
Bass, Gitarre, Klavier, Orgel, Saxophon, Gesang
Tommi Roeder
Schlagzeug, Percussion, Gitarre
Olders Frenzel

Ihre Kinder war eine deutsche Rockband der späten 1960er und vor allem der frühen 1970er Jahre aus Nürnberg. Sie gilt als Pionier der deutschsprachigen Rockmusik. Sie wird dem Krautrock zugeschrieben. Ihre Musik beinhaltete jedoch Elemente aus klassischem Rock, Folk sowie dem Jazzrock.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Kinder gingen zum Teil aus der Gruppe Jonah & the Wales, die Mitte der 1960er Jahre in Nürnberg gegründet wurde, hervor. Mitglieder von Jonah & the Wales waren: Sonny Hennig (Gesang, Piano), Günter Gast (Bass), Wolfram Stumm (1. Gitarre), Ernst Schultz (2. Gitarre) und Roland Multhaupt (Schlagzeug).[1] Finanziert wurde die Gruppe durch Jonas Porst, Sohn des Unternehmers Hansheinz Porst. Trotz großer lokaler Beliebtheit und einer Schallplattenveröffentlichung lösten sich Jonah & the Wales Ende der Sechziger wieder auf.[2]

Im Jahr 1968 gründeten Hennig und Porst eine neue Gruppe bestehend aus Hennig, Muck Groh (Gitarre), Karl Mack (Bass), Peter Schmidt (Schlagzeug) und Georg Meyer (Flöte, Gesang). Porst trat auch hier als Geldgeber und Produzent auf. Die Band nannte sich zunächst Empire State Building und begann nach einer Idee von Hennig erstmals deutschsprachige Rocksongs aufzunehmen.

Mit der ersten gleichnamigen LP benannte sich die Band 1969 in Ihre Kinder um. Mack war nun durch Walter „Walti“ Schneider am Bass abgelöst worden. Schmidt wurde durch Roland „Olders“ Frenzel am Schlagzeug ersetzt.

Bei Veröffentlichung der ersten LP bestanden Ihre Kinder aus folgenden Mitgliedern: Muck Groh, Sonny Hennig, Georg Meyer, Walter „Walti“ Schneider (* 9. Juni 1950 in Nürnberg; † 28. Februar 2013), Olders Frenzel (* 19. März 1950 in Trettau) und Judith Brigger.

Ernst Schultz und Tommi Roeder (* 4. November 1950 in Bad Cannstatt) kamen später hinzu.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1969 formiert, beschlossen Ihre Kinder Lieder mit ausschließlich deutschen Texten mit Rockmusik zu verbinden. Wegen der mangelnden Akzeptanz bei Plattenfirmen – Rockmusik war damals ausschließlich englisch singenden Musikgruppen vorbehalten – produzierten sie ihre erste LP Ihre Kinder selbst (unterstützt durch Jonas Porst). Da durch diese Eigeninitiative Produktionskosten entfielen, kamen sie an einen Plattenvertrag, doch die LP floppte. 1970 nahm sie die neu gegründete Münchner Plattenfirma Kuckuck unter Vertrag und produzierte mit ihnen das Album Leere Hände (nicht ohne sicherheitshalber für alle Stücke eine englischsprachige Version anzufertigen). Auf diesem Label erschienen dann bis zu ihrer Auflösung 1973 die weiteren Alben 004, Werdohl und Anfang ohne Ende.

Einer der Karrierehöhepunkte für Ihre Kinder war deren Auftritt in der von Dietmar Schönherr und Vivi Bach moderierten, damals enorm populären ORF-Samstagabendfernsehsendung Wünsch Dir was, welche in Deutschland vom ZDF ausgestrahlt wurde. Die Band trat dort am 19. Dezember 1970 neben der US-amerikanischen Popgruppe Bee Gees auf und präsentierte drei ihrer Lieder, woraufhin es laut Sonny Henning zu wütenden Zuschauerprotesten kam.[3]

Vor Veröffentlichung von Leere Hände kam es zu einem Rechtsstreit zwischen Jonas Porst und Sonny Hennig um die Verwendung des Bandnamens Ihre Kinder. [4]

Bekannt war die Band für ihre komplexen aber auch engagierten Texte zu Themen wie Drogenmissbrauch, Apartheid, Haft, Kriegsopfer usw.

In Star Szene ’77 ist abschließend zu lesen:

„… Welche Pionierarbeit die Gruppe damals leistete wird klar, wenn man den Erfolg von Udo Lindenberg sieht. „Ihre Kinder“ waren die erste deutsche Gruppe, die Rock spielte und deutsche Texte brachte …“

Zwischen 1982 und 1984 fanden sich Ihre Kinder in Originalbesetzung wieder zusammen. Daraus hervor gingen die LPs live '82 und Heute. Anschließende Versuche, mit wechselnden Musikern Tritt zu fassen, scheiterten. 2000 kamen sie noch einmal zu einem Konzert sowie beim Nürnberger Bardentreffen mit allen bisherigen Mitgliedern der Band in Nürnberg zusammen.

Der Gitarrist Muck Groh gründete nach seinem Ausscheiden die Jazzrock-Band Aera und spielt seit 2007 mit seiner Band Neue Aera.[5]

Bedeutung für den Deutschrock[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihre Kinder gelten neben Ton Steine Scherben als eine der ersten Rockgruppen, die ausschließlich in deutscher Sprache sangen. Größen wie Udo Lindenberg sollen sich ausdrücklich auf Ihre Kinder als Vorbild berufen haben[6].

Wolfgang Niedecken, Sänger von BAP, sieht in Ihre Kinder heute die Wegbereiter des Deutschrocks[7]: „Die Ersten, die ich mitbekommen habe, waren Ihre Kinder, die ja die Pioniere waren, was deutschsprachige Rockmusik anbelangte.“[8]

Sonny Hennig, Gründungsmitglied und langjähriges Sprachrohr von Ihre Kinder, schreibt in seinen Erinnerungen über die anfänglichen Schwierigkeiten, Rockmusik in deutscher Sprache zu machen: "Wenn man wie ich jahrelang englisch gesungen hatte, war es wie ein Kulturschock deutsch zu singen. Ich war bei den ersten Versuchen so verunsichert, dass ich den Rest der Band aus dem Proberaum schickte. Ich will es mal so erklären - es ist viel einfacher zu singen 'Baby please don't go' als 'Schatz bitte verlass mich nicht'".[9]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2014 wurde die Band für ihre Pionierleistung, anspruchsvolle deutsche Texte mit Rockmusik zu verbinden, mit dem IHK-Kulturpreis für Literatur der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken ausgezeichnet.[10]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Ihre Kinder/Diskografie
  • 1969: Ihre Kinder (LP, Philips, CD, Ohrwaschl)
  • 1970: Leere Hände (LP Kuckuck), (CD, Ohrwaschl deutsch/englisch Versionen)
  • 1971: 2375-004 – Jeans Cover (in Jeansstoff-Hülle, LP, Kuckuck, CD, Ohrwaschl)
  • 1971: Werdohl (LP, Kuckuck), (CD, Ohrwaschl)
  • 1971: Tränengas (Solo-Album/Sonny Hennig – LP, Kuckuck – CD, Ohrwaschl)
  • 1972: Paranoia Picknick (Solo-Album/Ernst Schultz, LP Kuckuck, CD Ohrwaschl)
  • 1973: Anfang ohne Ende (LP, Kuckuck), (CD, Ohrwaschl)
  • 1977: Irgendsoein Lied (Solo-Album/Ernst Schultz, LP Erlkönig, CD Erlkönig 2010)
  • 1978: Meistersinger & Ihre Kinder Meistersinger & Ihre Kinder (LP, Meistersinger, vergriffen)
  • 1979: Meistersinger & Ihre Kinder Die Fahrt zum Mond (LP, Meistersinger, vergriffen)
  • 1982: Glückliche Verlierer (Solo-Album/Ernst Schultz, LP, Ariola, vergriffen)
  • 1982: Ein Herz für Ihre Kinder (Live-LP und CD, Ohr Today)
  • 1984: Heute (LP, Virgin Records/ EMI)
  • 2003: Go Lep Lai Lai (Ernst Schultz & Holger Stamm, CD, Meta Records)
  • 2008: Dylan: Deutsch - Es ändern sich die Zeiten (Ernst Schultz, CD, HappyTimes Music)
  • 2010: Heute (CD, remastered, HappyTime Music)

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Star Szene ’77. Taunusstein Verlagsgesellschaft für Nachschlagewerke 1977.
  • Asbjornsen, Dag Erik: Cosmic Dreams At Play. A guide to German progressive and electric rock, Borderline Productions, Glasgow 1996.
  • Hennig, Sonny: Rockmanns Erzählungen. Die Deutschrock-Legende erinnert sich...,RSI Rainer Schimmank Information, 1. Auflage, Nürnberg 2014.
  • Schneider, Frank Apunkt: Deutschpop halt's Maul! Für eine Ästhetik der Verkrampfung, Ventil Verlag, Mainz 2015.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Website von Ernst Schultz, abgerufen am 14. Februar 2014
  2. Eintrag im „Krautrock-Musikzirkus“, abgerufen am 12. Februar 2014
  3. Henning, Sonny: Rockmanns Erzählungen. Die Deutschrock-Legende erinnert sich... 1. Auflage. RSI, Nürnberg 2014, ISBN 978-3-00-045390-8, S. 46.
  4. Interview mit Sonny Hennig im "Musikexpress" 05/72
  5. Homepage von Muck Groh
  6. Großväter des Deutschrock bei Einestages von Spiegel Online. Abgerufen am 27. November 2016.
  7. eclipsed-Feature: Die Geschichte des Deutschrock. Abgerufen am 28. November 2016.
  8. eclipsed Rock Magazin: Vom Krautrock zum Deutschrock. Nr. 186 (12-2016/01-2017).
  9. Hennig, Sonny: Rockmanns Erzählungen. Die Deutschrock-Legende erinnert sich. 1. Auflage. RSI, Nürnberg 2014, ISBN 978-3-00-045390-8, S. 44.
  10. Artikel im IHK-Magazin WiM - Wirtschaft in Mittelfranken, abgerufen am 19. September 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]