Ikarus 190

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Ikarus
Ikarus 190
Hersteller Ikarus
Bauart VÖV-Linienbus
Produktionszeitraum 1973–1977
Achsen 2
Motor Rába-MAN D 2156 HM6U
Leistung 192 PS
Länge 11 m
Breite 2,5 m
Höhe 3,085 m
Achsstand 5600 mm
Fußbodenhöhe 740 mm
Sitzplätze 37 oder 44 + 1
Stehplätze 75 oder 61
Zul. Gesamtgewicht 16.000 kg
Ähnliche Modelle

Büssing BS 110 V, MAN 750 HO-SL, Magirus-Deutz SH 110, Mercedes-Benz O 305

Der Ikarus 190 ist ein nach den Richtlinien der deutschen VÖV konstruierter Standard-Linienbus, der in den 1970er Jahren von der ungarischen Firma Ikarus insbesondere für den bundesdeutschen Markt gefertigt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bemühen Ungarns, eigene Produkte auch auf dem westeuropäischen Markt zu verkaufen, entstand der Plan, Omnibusse nach den VÖV-Richtlinien zu bauen. Dazu nahm das ungarische Außenhandelsunternehmen für Kraftfahrzeuge MOGÜRT über die Firma Ferrostaal AG Verbindung mit der Gesellschaft für Verkehrsberatung und Verfahrenstechniken (GVV), einer Tochtergesellschaft der Hamburger Hochbahn (HHA) auf. Aufgrund der geführten Verhandlungen wurde der Heckmotorbus Ikarus 190 nach den damals aktuellen VÖV-Richtlinien für Standard-Linienbusse entwickelt, um ihn dann als Devisenbringer ins westliche Ausland verkaufen zu können.

Im Herbst 1971 wurde ein „Probebus“ nach Hamburg geschickt, der bei der HHA unter der Wagennummer 2100 im Betriebshof Mesterkamp getestet wurde. Nach der Typenprüfung durch das Kraftfahrtbundesamt ging der Prototyp zurück nach Ungarn. Nach Verbesserungen wurde er 1972 erneut in Hamburg vorgeführt. Daraufhin wurde ein Optionsvertrag über maximal 280 Busse zwischen MOGÜRT und dem Hamburger Verkehrsunternehmen abgeschlossen[1].

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Serienlieferungen erfolgten ab Dezember 1973, allerdings nicht an die HHA (diese hatte sich inzwischen an Daimler-Benz gebunden und nahm große Stückzahlen des VÖV-Standard-Linienbusses Mercedes-Benz O 305 ab), sondern an die ebenfalls in Hamburg ansässigen Verkehrsbetriebe Hamburg Holstein (VHH). Die erste Lieferung umfasste zwanzig Fahrzeuge, die die Wagennummern 7329–7348 erhielten und von Bergedorf aus eingesetzt wurden. Von 1975 bis 1977 erfolgten weitere Lieferungen aus Ungarn an die VHH, die diese Busse später auch in den Stadtverkehren Neumünster und Norderstedt einsetzte. Die Stückzahl von 280 aus dem Optionsvertrag wurde allerdings nicht erreicht, es waren 154 Wagen. Mitte der 1980er Jahre verschwanden die Ikarus 190 aus dem Straßenbild der norddeutschen Städte. Anfang der 1980er Jahre sollen allerdings noch 100 Busse des Typs 190 nach Kuwait geliefert worden sein.

Ein Exemplar der ersten Serie (Wagen 7345) wurde durch die VHH vor einigen Jahren zurückgekauft, um ihn als Museumswagen zu erhalten. Wegen seines sehr schlechten Zustandes waren aber eine Präsentation und erst recht Fahrten damit in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Deshalb wurde der Bus im Frühjahr 2009 an den Hamburger Omnibusverein (HOV) abgegeben. Dort wird zumindest sein Zustand gesichert.[2]

Technik und Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Ikarus 190 wurden bis auf Elektrik, Lenkung und (Schalt-)Getriebe ungarische Produkte verwendet. Der 6-Zylinder-Dieselmotor von RÁBA nach Lizenz von MAN mit Direkteinspritzung wurde horizontal liegend im Heck angeordnet und leistete 192 PS[3].[4] Der Bus entsprach in den Abmessungen (z. B. Fenster, Außenleuchten) genau der deutschen VÖV-Typempfehlung, auch der VÖV-Fahrerplatz war vorhanden. Allerdings hatte die erste Serie (wie auch die frühen Standardbusse von Büssing, Magirus-Deutz und MAN) noch nicht die gebogenen hinteren Eckscheiben. Auch sonst ähnelte der Ikarus 190 dem MAN SL 192. Das Fahrzeug besaß die horizontal gewölbten VÖV-Frontscheiben, Ausführungen mit der StÜLB-Front gab es nicht. Der obere Frontbereich um Windschutzscheiben und Fahrtzielanzeige war bei der ersten Serie in Schwarz gehalten. Im Gegensatz zu den deutschen Standardbussen bestanden die Stufen an den Türen aus Kunststoff-Formteilen anstatt aus Metallblechen. Die mit rotem Kunstleder bezogenen Fahrgastsitze waren durch ihre weiche Polsterung und verstärkte Seitenführungen sehr bequem.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Marotzke: Omnibusse in Hamburg: Ikarus 190. In: Verein Verkehrsamateure und Museumsbahn e. V. (Hrsg.): Hamburger Nahverkehrsnachrichten. Band 22, Nr. 1, April 1975.
  2. Hamburger Omnibusverein e. V. / Fahrzeuge / VHH-Stadtbus 7345
  3. MOGÜRT, Ungarisches Außenhandelsunternehmen für Kraftfahrzeuge (Hrsg.): Stadtomnibus Ikarus 190 – 11 M. Budapest.
  4. Jürgen Jacobi: 10 Jahre Standardbus. Verlag Wolfgang Zeunert, Gifhorn, ISBN 3-921237-40-8, S. 38