Industrieschnee

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Industrieschnee am 25. Dezember 2007 im Bahnhof Frankfurt-Höchst, verursacht durch den Industriepark Höchst[1][2]

Als Industrieschnee bezeichnet man Schnee, der durch Emissionen (vor allem von Wasserdampf und Kondensationskernen) von Industrieanlagen hervorgerufen wird. Industrieschnee ist somit ein Beispiel für eine anthropogene, das heißt vom Menschen verursachte Beeinflussung des Wetters.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine wichtige Bedingung für die Entstehung von Industrieschnee ist das Vorliegen von besonderen Wetterbedingungen, wie Nebel oder hochnebelartige Bewölkung, eine ausgeprägte Temperatur-Umkehrschicht (Inversion) in Bodennähe, geringe Luftbewegung und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Diese Wetterlagen sind lokal bedingt und können in der Mitteleuropäischen Klimazone (Warmgemäßigtes Klima) von November bis Februar auftreten.

Beschaffenheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrieschnee-Struktur

Der Schnee ist feinkörniger als normaler Schnee (Naturschnee), da er aus deutlich geringeren Höhen als dieser stammt (100 bis 200 m) und die Eiskristalle daher nicht genügend Zeit haben, sich voll auszubilden. Er ist lokal begrenzt und je nach Quelle des Wasserdampfes und der Kondensationskeime gegebenenfalls auch stärker mit Schadstoffen belastet als herkömmlicher Schnee. Industrieschnee haftet aufgrund seiner feinen Körnung wie Reif auch noch an (und in) Objekten, die bei natürlichem Schneefall davon nicht betroffen wären, weil herkömmlicher Schnee bereits wieder abfallen würde (Gewicht pro Auflagefläche), oder bestimmte Stellen (Äste innerhalb von Baumkronen) nicht erreichen würde. Die Beschaffenheit des Industrieschnees wird auch, gemäß unterschiedlicher Beobachtungen, als besonders leicht und als feinkörnig beschrieben, da bei manchen Industrieschneefällen die Kristalle in Bodennähe nur noch sehr langsam zu Boden sinken und im betroffenen Gebiet einen sehr feinen, „glitzernden“ Schneefall, quasi „Schneestaub“ verursachen, ähnlich den Schneeverwehungen an Berggipfeln und -graten. Dieses Phänomen kann man besonders gut bei Nacht in Städten und bei eingeschalteter Straßenbeleuchtung beobachten.

Haftung für Schäden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unklar ist noch, wer für Schäden, die durch Industrieschnee entstehen, haftet (z.B. Auffahrunfälle, Stürze, Kosten für Streugut, etc.). Anhand der gebundenen Aerosole in den Kondensationskeimen könnte relativ einfach festgestellt werden, welche Fabrik für den Ausfall des Industrieschnees verantwortlich ist und in Regress genommen werden kann (Verursacherprinzip).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung, Artikel vom 24. und 25. Dezember 2007 über Industrieschnee in den Frankfurter Stadtteilen Höchst und Nied
  2. WDR „Panorama“ Bericht (Memento vom 12. April 2008 im Internet Archive)