Ineos Manufacturing Deutschland

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Ineos Manufacturing Deutschland GmbH

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Rechtsform GmbH
Gründung 2005
Sitz Köln-Worringen, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 2200
Umsatz 779,7 Mio. EUR[1]
Branche Petrochemie
Website www.ineoskoeln.de
Stand: 1. Dezember 2019

Die Ineos Manufacturing Deutschland GmbH (Eigenschreibweise: INEOS) ist ein Petrochemiekonzern mit Sitz in Köln-Worringen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 2200 Mitarbeiter und ist das größte Chemieunternehmen und der drittgrößte industrielle Arbeitgeber in Köln.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1957 wurde als Joint Venture die EC Erdölchemie GmbH, Köln gegründet. BP und die Bayer AG waren Anteilseigner zu je 50 %. 2001 übernahm BP in Deutschland die restlichen 50 %. Diese Gesellschaft wurde dann in BP Köln umbenannt. Nach Ankündigung Mitte 2004 gliederte die BP ihren petrochemischen Bereich Anfang 2005 als rechtlich selbständiges Unternehmen NewCo aus, das April 2005 in Innovene umbenannt wurde. Innovene beschäftigte weltweit ca. 8500 Mitarbeiter mit Standorten in den USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und China. In Deutschland war der Hauptstandort in Köln-Worringen mit ca. 2.000 Beschäftigten und war der größte petrochemische Standort von Innovene weltweit. Am 16. Dezember 2005 wurde das Unternehmen von Ineos gekauft.

Produktion und Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ineos in Köln ist ein Hersteller und Lieferant von Rohstoffen der chemischen Industrie.[2] Das Unternehmen produziert jährlich rund fünf Millionen Tonnen Grundstoffchemikalien.[3] Das Betriebsgelände umfasst eine Fläche von 200 Hektar.

Ineos verarbeitet Erdgas, Naphtha und Flüssiggas. Durch Cracken und andere technische Verfahren werden in dem Werk u. a. Ethylen, Propylen und Ammoniak gewonnen. Ineos produziert in Köln Basischemikalien, die als Rohstoffe vieler Gegenstände des täglichen Lebens wie Medikamente, Textilien und Waschmittel dienen.[4]

Im November 2017 startete Ineos den Bau eines neuen Kraftwerks. Die Gas- und Dampfanlage soll Rückstände aus der Produktion verbrennen und den Stromverbrauch für die eigenen Anlagen senken.[5] Zuvor hatte sich Ineos in Köln an einem Forschungsprojekt zur Verbesserung von Systemen der Energieversorgung beteiligt. Die Studie wurde von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen RWTH Aachen koordiniert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.[6]

Im Frühjahr 2020 begannen Ineos und Nouryon mit der Errichtung einer Industrieanlage für die Herstellung von Ausgangsprodukten für Chelatkomplexe. Die biologisch abbaubaren Stoffe ersetzen verbotene Phosphate und finden Verwendung in Haushalts- und Körperpflegemitteln.[7]

Störfall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. März 2008 um 14:30 Uhr trat am Standort Köln-Worringen Ethylen aus der Hauptrohrleitung aus, die den Standort an die europäische Ethylen-Pipeline anbindet. Das ausströmende Gas entzündete sich und ein in der Nähe befindlicher Vorratstank, in dem 3000 m³ giftiges Acrylnitril lagerte, fing ebenfalls Feuer. Das Feuer der Pipeline konnte nicht gelöscht werden, da ansonsten akute Explosionsgefahr bestanden hätte. Nach dem Absperren der Pipeline erlosch dieses Feuer nach 4½ Stunden.

Der brennende Acrylnitril-Tank konnte erst mit einem zweiten großen „Schaumangriff“ nach ca. 9½ Stunden gelöscht werden. Dazu wurden ca. 25 Minuten lang 55.000 Liter Wasser pro Minute benötigt. Das Wasser dafür wurde unter anderem aus dem Rhein entnommen. Ein erster „Schaumangriff“ war wegen unzureichender Wassermengen gescheitert. Bei dem Großbrand waren insgesamt 1.200 Feuerwehrleute der Werkfeuerwehr Chempark, der Feuerwehr Köln und der umliegenden Feuerwehren im Einsatz.[8]

Am folgenden Tag wurde vormittags in Köln-Worringen an 3 verschiedenen Stellen eine erhöhte Acrylnitril-Konzentration in der Luft gemessen (5 ppm). Die Bewohner Worringens wurden aufgefordert, weiterhin bei geschlossenen Fenstern und Türen in den Häusern zu bleiben. Diese Vorsichtsmaßnahme wurde nach weiteren Messungen, die unter dem Anhaltswert von 3 ppm lagen, um 19:30 aufgehoben.

INEOS hat ein unabhängiges Gutachterunternehmen beauftragt, in Worringen und in der Umgebung um das Werk Bodenproben auf erhöhte Acrylnitril-Konzentrationen zu untersuchen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jahresabschluss per 31. Dezember 2018, veröffentlicht auf bundesanzeiger.de, abgerufen am 4. Januar 2021
  2. Sarah Janczura: Das sind die umsatzstärksten Chemiekonzerne. In: Ingenieur.de. 15. Mai 2019, abgerufen am 22. April 2020.
  3. Michael Reubold: Erfolgreicher Cracker-Stillstand. In: CHEManager. Nr. 1–2, 2014, S. 11, abgerufen am 22. April 2020.
  4. Ineos in Köln: Im Fall des Falles: So verhalte ich mich richtig! S. 6–7. Sicherheitsinformation von Juni 2018, abgerufen am 22. April 2020.
  5. Tobias Christ: Neues Kraftwerk soll 400 000 Tonnen CO2 einsparen. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 22. November 2017, abgerufen am 22. April 2020.
  6. Lehrstuhl für Technische Thermodynamik, RWTH Aachen; BFT Planung; Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik; Ineos: Ganzheitliche Optimierung von Energieversorgungssystemen in der Praxis. Abschlussbericht. Aachen 2018, abgerufen am 22. April 2020.
  7. Alexander Stark: Produktion von Chelaten: Spatenstich für neue Anlagen in Köln. In: Process.de. 5. März 2020, abgerufen am 22. April 2020.
  8. Feuerwehr Köln: Feuer in Chemieunternehmen in Köln-Worringen gelöscht (Memento des Originals vom 18. April 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bf-koeln-fw5.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 51° 4′ 3,7″ N, 6° 50′ 49,9″ O