Inspizient (Theater)

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Der Inspizient ist der Hauptkoordinator einer Theatervorstellung.

Anforderungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Arbeitsplatz des Inspizienten ist das Inspizientenpult, das sich in der Regel auf der Seitenbühne direkt hinter dem Portal befindet. Es hat mehrere Monitore und elektronisch schwenkbare Kameras, mit deren Hilfe er die Bühne aus der Publikumsperspektive überblicken kann und auch den Dirigenten sieht. Vom Pult aus kann der Inspizient über eine Rufanlage die Kommunikation zu allen an der Vorstellung beteiligten Abteilungen herstellen.

Im Probenprozess werden die Zeichen festgelegt, die später für einen reibungslosen Ablauf der Vorstellung sorgen sollen. Der Inspizient ist deshalb bei Bühnenproben anwesend. Er ist jedoch nicht eigenverantwortlich tätig, sondern den Anweisungen des Regisseurs unterstellt, der die Hauptverantwortung für die Erarbeitung einer Inszenierung trägt. Alle vereinbarten Zeichen („Cues“) werden im Inspizientenbuch festgehalten, das für alle Inspizienten die verbindliche Arbeitsgrundlage darstellt und den stabilen und gleichbleibenden technischen Ablauf der Vorstellungen garantieren soll.

Auch im deutschsprachigen Raum setzt sich die Bezeichnung „Cue“ für die Einsatzzeichen immer mehr durch. Priorität haben Technik-Cues, da sie oft sekundengenau erfolgen müssen. Während der Vorstellung gibt der Inspizient den Bühnentechnikern die Zeichen für die Umbauten, den Tontechnikern den Einsatz für Einspielungen und den Beleuchtern die Lichtstände, d. h. den Zeitpunkt für einen Wechsel der Lichtstimmung oder auch von Videoprojektionen. Der Inspizient ruft Mitarbeiter der Requisite, der Maske und der Garderobe ein, wenn deren Einsatz hinter der Bühne benötigt wird. Von ihm kommen auch die Befehle zum Ziehen und Senken des Vorhangs, was oft aber auch der Bühnenmeister übernimmt. Der Inspizient ruft ebenso die Schauspieler, Sänger oder Tänzer zu ihren Auftritten ein; dies sind die sogenannten „courtesy calls“. Eine Höflichkeit, die erwartet wird, wobei die Akteure verpflichtet sind, eigenständig auf pünktliche Auftritte zu achten.

Die englische Arbeitsweise: LXQ für Licht cue („Electrics Cue“) wird auch im deutschsprachigen Raum immer mehr angewandt, da es so weniger zu Verwechslungen mit „Lichtzeichen“ – den fest angebrachten oder flexibel einsetzbaren Signalen durch Lampen –  kommen kann. Diese werden oft benutzt, wenn keine andere Kommunikation zu einem Techniker und/oder Künstler möglich ist. Lichtzeichen werden auch als Auftrittszeichen verwendet.

Der Inspizient füllt in Zusammenarbeit mit dem Abendspielleiter den Vorstellungsbericht aus, in dem alle außerordentlichen Vorkommnisse verzeichnet werden, und er ist der Verantwortliche für schwerwiegende Entscheidungen wie spontane Vorstellungsunterbrechungen oder -abbrüche.

In Deutschland ist die Tätigkeit des Theaterinspizienten kein Ausbildungsberuf. Vielmehr ergreifen in der Regel ehemalige Sänger, Tänzer oder Schauspieler aus dem Theaterbetrieb diesen Beruf.[1]

In Großbritannien gibt es an den meisten Schauspielschulen und Colleges „Stage Management & Technical Theatre“ als Kurs zu belegen. Die Ausbildung dort ist wie die eines Veranstaltungstechnikers in Deutschland. Der meist zweijährige Kurs führt durch alle Bereiche des Theaters. Die Funktionen des Inspizienten in Frankreich oder angelsächsischen Ländern gehen über das bloße Leiten des Zeitablaufs einer Vorstellung hinaus. So ist in Frankreich der „Régisseur général“ bzw. „Régisseur de scène“, im englisch-amerikanischen System der „Stage Manager“ auch mit weitgehenden organisatorischen Aufgaben für den Probenbetrieb betraut.

Im Musicalbereich gibt es auch einen Inspizienten, allerdings wird er dort als „Caller“ bezeichnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Inspizient – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutscher Bühnenverein: Berufsbild Inszipient/in