Institut für Seenforschung

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Dieser Artikel gilt dem baden-württembergischen Institut für Seenforschung. Für das Kärntner Pendant siehe Kärntner Institut für Seenforschung.
ISF-Neubau am Argenweg
Ehemaliges ISF-Gebäude in der Unteren Seestraße

Das staatliche Institut für Seenforschung (ISF) mit Sitz in Langenargen im Bodenseekreis ist ein Institut der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 wurde es als Anstalt für Bodenseeforschung der Stadt Konstanz (Max-Auerbach-Institut) gegründet. Nach der Gründung des Vereins für Seenforschung und Seenbewirtschaftung wurde das Institut am 16. September 1920 in einer ehemaligen Seidenspinnerei eröffnet, 1925 der Neubau in Langenargen an der Unteren Seestraße bezogen. Zunächst wurde es durch Professor Reinhard Demoll von München her geleitet.

Zeit in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut wurde 1936 als Institut für Seenforschung und Seenbewirtschaftung in die Verwaltung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (KWG) übernommen. Der Vorsitzende des Kuratoriums wurde Eugen Kauffmann, der auch Vorsitzender des Vereins war, der das Institut bisher getragen hatte. Das Institut sollte dabei eng mit der "Hydrobiologischen Anstalt der KWG" in Plön zusammenarbeiten. Kommissarischer Leiter des Instituts war der Limnologe Hans-Joachim Elster, am Institut arbeiteten sechs Wissenschaftler. In den Jahren 1937/1938 verzeichnet das Institut 370 Besucher zu Studien- oder Fortbildungszwecken, in Jahr darauf waren es 494 Besucher. Das zuständige Ministerium erwog 1938 eine Eingliederung in die "Reichsanstalt für Fischerei" was die KWG jedoch ablehnte, da die Arbeiten des Instituts ohnehin auf die Ziele des Vierjahresplans ausgerichtet seien. Beim Ausbruch des 2. Weltkriegs 1939 wurden fast alle Institutsmitarbeiter zur Wehrmacht eingezogen. Ab Mai 1940 wird der Biologe Max Hartmann (KWI für Biologie) für etwa zwei Jahre an das Institut beurlaubt. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs sind Arbeiten nur noch eingeschränkt möglich. Ab 1945 war der Biologe Joachim Hämmerling im Auftrag von Eugen Kauffmann der Leiter des Instituts, ab 1946 war Wilhelm Nümann am Institut tätig, der später kommissarischer Leiter des Instituts wurde. Im Jahr 1949 konnte das Institut aufgrund finanzieller Kürzungen nicht in die neu gegründete Max-Planck-Gesellschaft übernommen werden, die de-facto die Nachfolgerin der KWG ist. 1950 trat die Max-Planck-Gesellschaft dem Förderverein, der Träger des Instituts war, bei.

Geschichte nach 1950[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Verstaatlichung im Jahr 1960 wurden zehn Jahre später die Institute Konstanz und Langenargen zusammengelegt. Weitere fünf Jahre später wurde die Landesanstalt für Umweltschutz (LfU) Baden-Württemberg gegründet; seither gehört das ISF zur LfU. Ende September 2000 wurden das neue Gebäude am Argenweg beim Yachthafen Langenargen bezogen.

Forschungsschwerpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit seiner Gründung befasst sich das Institut für Seenforschung mit der Limnologie und dem Gewässerschutz des Bodensees und der über 4000 Weiher und Seen in Baden-Württemberg. Es ist dafür in drei Fachbereiche, die interdisziplinär zusammenarbeiten, gegliedert:

Dabei haben sich immer wieder neue Herausforderungen ergeben. So hat in den 1950er Jahren der rapide Anstieg der Phosphorkonzentration im See dem Ökosystem zu schaffen gemacht und die Wissenschaftler beschäftigt. Inzwischen ist es den Verantwortlichen gelungen, die zunehmende Überdüngung des Sees zu stoppen und eine Trendwende einzuleiten. Nun entspricht die Phosphorkonzentration wieder der eines Voralpensees. Heute stehen dagegen Themen wie Mikroverunreinigungen und Neuankömmlinge im See, die Neozoen, oder aber auch die Auswirkungen der Klimaveränderung auf Prozesse im See im Vordergrund der Forschungsarbeit. Weitere Anstrengungen gelten der Verbesserung der Ufer- und Flachwasserzone.[1] Seit 2013 wirkt das Institut am Projekt Tiefenschärfe mit, der hochauflösenden Vermessung des Bodensees für ein detailgetreues 3D-Modell des Seebeckens.[2]

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Löffler, Helmut Müller und Klaus Zintz: Beobachten, Bewerten, Beraten - Das Institut für Seenforschung, Langenargen. Bodensee Medienzentrum, Tettnang.
  • Ernst Scheffelt: Das Institut für Seenforschung und Seenbewirtschaftung in Langenargen, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 53. Jg. 1924, S. 27–34 (Digitalisat)
  • Eckart Henning, Marion Kazemi: Institut zur Seenforschung und Seenbewirtschaftung (der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft) (BMS) in: Handbuch zur Institutsgeschichte der Kaiser-Wilhelm-/ Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1911–2011 - Daten und Quellen, Berlin 2016, 2 Teilbände, Teilband 2: Institute und Forschungsstellen M-Z (online, PDF, 75 MB) Seiten 1464-1467 (Chronologie des Instituts)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Geiling: Umweltwandel am Bodensee im Fokus. In: Südkurier vom 24. September 2010
  2. Information zum Projekt Tiefenschärfe

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Institut für Seenforschung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 35′ 25″ N, 9° 33′ 10″ O