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Internationale Arbeiterhilfe

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Die Internationale Arbeiterhilfe (IAH) war eine KPD-nahe Organisation, die in den 1920er und frühen 1930er Jahren Sozialleistungen für Arbeiter bereitstellte und verschiedene proletarische Filmproduktionsgesellschaften unterhielt bzw. ins Leben rief. Ihre Zentrale, das Internationale Sekrätariat, hatte die IAH in Berlin in der Wilhelmstr 48.

Die IAH wurde in Berlin am 12. August 1921 als Reaktion auf einen Aufruf von Lenin, der anlässlich einer Dürre- und Hungerkatastrophe im Wolgagebiet (Hungersnot in Sowjetrussland 1921–1922) um internationale Unterstützung warb, als Auslandskomitee zur Organisierung der Arbeiterhilfe für die Hungernden in Rußland zunächst provisorisch gegründet.[1] Die Gründung übertrug er Willi Münzenberg, beide kannten sich aus dem Treffen der Zimmerwalder Linken.

Die erste Aktion brachte eine Abfuhr: Die International Federation of Trade Unions (IFTU, bzw. Amsterdamer Internationale) zog es vor, gesammelte Gelder dem Roten Kreuz zu übergeben.[2] Der Gewerkschaftsfunktionär Edo Fimmen fragte, was die Kommunisten nun von der IFTU wollten, hätten sie doch ihre internationalen, proletarischen Hilfsaktionen in Österreich und Ungarn sabotiert und die IFTU als Verräter der Arbeiterklasse beschimpft.[3] Vorsitzender der nun nicht mehr provisorischen IAH wurde Willi Münzenberg. Er hatte sich innerhalb der Linken bisher als engagierter Jugendfunktionär empfohlen. Ehrenpräsidentin der Organisation war bis zu ihrem Tode 1933 die Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin. Vertreter der IAH bei der Komintern und Geschäftsführer des Moskauer Büros war im ersten Jahr der Schriftsteller Franz Jung.[4] 1926 setzte das Zentralkomitee der IAH sich aus folgenden Mitgliedern zusammen: Clara Zetkin, Francesco Misiano (1884–1936), Olga Dawidowna Kamenewa, Willi Münzenberg, Georg Ledebour, Karl Grünberg, Alfons Paquet, John William (Willy) Kruyt (1877–1943), O. Levassart, Albert Fournier (1882–1971), Koumengau (Peking), Harry Pickard (Sydney), Ladislaus Veran (Prag), Raissa Adler.[5]

Münzenberg schrieb in 1926 in seinem Buch „Fünf Jahre Internationale Arbeiterhilfe“, die IHA soll nicht nur ein sozialer Almosengeber sein, sondern ist ein sozialer Akteuer „der durch das Proletriat für das Porletariat handeln soll“.[6.1]

Ferienlager der IAH für Arbeiterkinder in Stuttgart-Sillenbuch (1926)

Die IAH konnte während der Hungersnot für Lieferungen fünf Millionen Dollar aufbringen, blieb aber deutlich hinter der 63 Millionen Dollar werten Lieferung der American Relief Administration zurück, die in den folgenden Jahren von der IAH-Propaganda fortwährend kleingeredet wurde.[7] Eher hinderlich waren Propaganda-Aktionen, bei denen dutzende von Eisenbahnwaggons für Lieferungen bereitgestellt wurden, die problemlos auf einen Lastwagen gepasst hätten – „zu einer Zeit, wo durch den Mangel an Transportmittel Tausende täglich verhungern“.[4]

Zwar hatte die Parteilinke die IAH anfangs als „rote Heilsarmee“ verspottet, doch war nach dem Aufstandsversuch in Hamburg und dem folgenden Verbot der KPD die IAH unbehelligt geblieben und konnte mit ihren Gruppen den KP-internen Informationsaustausch aufrechterhalten.[8] In den folgenden Jahren unterstützte die IAH Arbeiter in Deutschland und anderen Ländern bei Streikkämpfen, aber auch bei Kriegen, Bürgerkriegen und Naturkatastrophen, wie bei einem Erdbeben in Japan 1923 oder einer Flutkatastrophe in China 1924[9], durch Verteilung von Kleidung, Lebensmitteln und Geld.

Die IAH gründete im Jahr 1923 eine Außenstelle in Fernost, welche im Juni 1925 in der "Hands off China"- Kampagne besondere Bedeutung erlangen sollte.[6.2] Die "Hands off China"- Kampagne war laut Münzenberg die viertgrößte Kampagne.[10] Die Kampagne erreichte nach verschiedenen Demonstrationen ihren Höhepunkt im Kongress am 16.08.195 im "Herrenhaus" in Berlin. Es kamen zwischen 600 und 1000 Menschen, darunter 12 junge Chinesen. Und eine Zahl Prominenter wie etwa Graf von Reventlow und Käthe Kollwitz.[6.3]

Ihre finanziellen Ressourcen gewann sie mit Hilfe von Spendenaufrufen, kurzzeitig testete man die Ausgabe einer Arbeiteranleihe.[11] Weitere Mittel sollten aus Kolchosen und Industriebetrieben erwirtschaftet werden, die die IAH in der Sowjetunion unterhielt. Offenbar waren aber die Großfischereien bei Wolgograd und Astrachan, die Güter bei Kasan und Tscheljabinsk, die Schuhfabrik und das Ambulatorium in Moskau sowie die Werkstatt für Gebäudeinstandsetzung in Petrograd[12] kaum gewinnbringend zu betreiben, sondern im Gegenteil auf finanzielle Unterstützung durch Moskau angewiesen.[13] Zum Kernstück des „IAH-Konzerns“ entwickelte sich der Neue Deutsche Verlag.[14]

Die Internationale Arbeiterhilfe war in einzele Sektionen unterteilt. In Europa waren das: Belgien, Deutschland, Elsass-Lotheringen, England, Frankreich, Holland, Norwegen, Österreich, Russland, Schweden, Schweiz und die Tschechoslowakei. Darüber hinaus gab es Sektionen auf dem afrikanischen Kontinent, in Argentinien, Australialien, China, Japan Kanada und den USA.[15]

Filmproduktionen

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Da Münzenberg bereits frühzeitig das Potenzial filmischer Propaganda erkannte, war ein weiteres Arbeitsgebiet der IAH der Import sowjetischer Filme sowie die Produktion eigener Filme. 1922 gründete Münzenberg in Berlin die Aufbau Industrie und Handels AG. Die Firma diente vor allem dem Aufbau der sowjetischen Filmproduktion, ihr war jedoch auch ein von Hermann Basler geleitetes Filmamt angegliedert, das im März 1923 mit „Polikuschka“ (Regie Alexander Sanin, 1922) erstmals einen sowjetischen Film in deutsche Kinos brachte. Nachdem die IAH sich bereits seit 1923[16] an dem sowjetischen Produktionsunternehmen „Russ“/„Meschrabpom-Russ“ beteiligt hatte, übernahm sie die Firma 1928 ganz und benannte sie in „Meschrabpom-Film“ um. Als die Reichsregierung Deutschland durch Kontingentbestimmungen gegen den Import ausländischer Filme abzuschotten begann, gründete die IAH 1924 in WienÖsterreich bot sich aus verschiedenen Gründen als Brückenland an – selbst eine Produktionsgesellschaft, die Prometheus Film, die an ihrem österreichischen Standort allerdings nur einen einzigen Film hervorbrachte: Kurt Bernhardts Regiedebüt Namenlose Helden (1925). Ihre eigentliche Aktivität entfaltete die Firma erst nach der Eröffnung ihrer Berliner Filiale, die Anfang April die meisten Funktionen der stillgelegten Wiener Zentrale übernahm und später Filme wie z. B. Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt? (1931/32) produzierte. 1928 gründete die IAH auch die auf die Produktion kommunistischer Dokumentarfilme spezialisierte Filmkartell "Weltfilm" GmbH, die zudem den Zweck hatte, bei anderen Film-Unternehmungen entstandene Schulden auf sich zu nehmen.[17]

Die IAH wurde von zahlreichen linken Intellektuellen unterstützt, darunter Albert Einstein, Martin Andersen Nexø, Henri Barbusse, Maxim Gorki, George Grosz, Maximilian Harden, Arthur Holitscher, Käthe Kollwitz, George Bernard Shaw, Upton Sinclair und Ernst Toller.[18]

Künstlerhilfe der IAH

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Eine Gruppe sozial engagierter Künstler, darunter Kommunisten wie George Grosz und Conrad Felixmüller sowie gemäßigtere linksgerichtete Aktivisten wie Käthe Kollwitz; diese Künstler stellten Mittel zur Verfügung, die durch die Ausstellung und den Verkauf ihrer Werke eingenommen wurden. Nach Erfüllung ihres ursprünglichen Auftrags setzte sie die Unterstützung von Arbeiterbelangen und Kinderhilfe fort und verlagerte ihren Schwerpunkt auf das von Inflation geplagte Deutschland. Zur Mittelbeschaffung gab sie unter anderem Plakate von Kollwitz[19] in Auftrag sowie Sammelbände mit Drucken oder Reproduktionen, die thematisch der Arbeiterklasse gewidmet waren und unter anderem von Grosz, Kollwitz, Zille[20] und Otto Dix stammten. Außerdem förderte sie generell die intellektuellen und künstlerischen Beziehungen zwischen Deutschland und dem neuen Sowjetrussland.[21]

Zeit des Nationalsozialismus

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Nach der Machtübertragung an die NSDAP 1933 musste die IAH in Deutschland ihre Tätigkeit einstellen, der amerikanische Zweig wurde umbenannt in „National Committee to Aid the Victims of German Fascism“ (Nationales Hilfskomitee für die Opfer des deutschen Faschismus), mit Hauptquartier im Flatiron Building am Broadway in New York.[22] Ihr wirklich internationaler Charakter ließ die IAH bei zunehmender Spionagefurcht in Moskau für die GPU zum Problem werden, das Zentralkomitee der KPdSU beschloss deshalb 1935 die Auflösung und bestimmte den Schweizer Karl Hofmeyer zum Liquidator. Von der Internationalen Roten Hilfe übernommen wurden die nach wie vor tätigen IAH-Niederlassungen in Frankreich, der Tschechoslowakei, Österreich und anderen Ländern,[23] die Film-Sparte ging in Moskau an das staatliche Filmmonopol.[24]

  • Willi Münzenberg: Fünf Jahre Internationale Arbeiterhilfe 1921–1926. Berlin: Neuer Deutscher Verlag 1926.
  • Willi Münzenberg: Solidarität: zehn Jahre Internationale Arbeiterhilfe 1921–1931. Berlin: Neuer Deutscher Verlag 1931.
  • Heinz Sommer: Internationale Arbeiterhilfe und ausländische Kulturschaffende in Berlin. In: Klaus Kändler u. a. (Hrsg.): Berliner Begegnungen. Ausländische Künstler in Berlin 1918 bis 1933. Dietz Verlag Berlin, 1987, S. 396–408
Commons: Internationale Arbeiterhilfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Brot und Maschinen für Sowjet-Russland Ein Jahr proletarischer Hilfsarbeit Von Willi Münzenberger, Verlag der Internationalen Arbeiterhilfe Berlin W 8/Unter den Linden 11 Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung (PDF)
  2. Kasper Braskén: The International Workers’ Relief, Communism, and Transnational Solidarity. Willi Münzenberg in Weimar Germany, Verlag Palgrave Macmillan, Houndsmills 2015, S. 36, ISBN 978-1-137-30423-0
  3. Kasper Braskén: The International Workers’ Relief. Houndsmill 2015, S. 37
  4. 1 2 Franz Jung: Der Weg nach unten. Aufzeichnungen aus einer großen Zeit, (Neuwied 1961), Neudruck in Uwe Nettelbeck (Hrsg.): Die Republik, Salzhausen 1979, S. 228.
  5. Die Rote Fahne (Wien) vom 12. Mai 1926, S. 2
  6. Fredrik Petersson: Willi Münzenberg, the League Against Imperialism, and the Comintern, 1925 - 1933. Queenston Press, 2013, ISBN 978-0-7734-4298-6.
    1. S.118
    2. S. 103
    3. S. 137 ff.
  7. Babette Gross: Willi Münzenberg. Eine politische Biographie, Stuttgart 1967, S. 139.
  8. Babette Gross: Willi Münzenberg, Stuttgart 1967, S. 158.
  9. Frederik Petersson: Willi Münzenberg, the League Against Imperialism, and the Comintern, 1925 - 1933. Queenston Press, 2013, S. 120.
  10. Willi Münzenberg: Fünf Jahre Internationale Arbeiterhilfe. Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1926, S. 104.
  11. Babette Gross: Willi Münzenberg, Stuttgart 1967, S. 140.
  12. Babette Gross: Willi Münzenberg, Stuttgart 1967, S. 134.
  13. Sean McMeekin: Wer um alles in der Welt ist Willi Münzenberg? Ein Zwischenbericht aus der Forschung. In: The International Newsletter of Communist Studies, VI/VII (2000/2001), no 14 (PDF (Memento vom 9. Juni 2007 im Internet Archive)).
  14. Rolf Surmann: Die Münzenberg-Legende. Zur Publizistik der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung 1921–1933, Prometh Verlag, Köln 1982, S. 84
  15. Willi Münzenberg: Fünf Jahre Internationale Arbeiterhilfe. Neuer Deutscher Verlag, Berlin 1926, S. 9 und 28.
  16. Der russische Film. In: Das Kino-Journal, 12. Juni 1926, S. 8 (online bei ANNO).
  17. Sean McMeekin: The red millionaire. A political biography of Willi Münzenberg, Moscow’s secret propaganda tsar in the West, Yale University Press, New Haven/London 2003, S. 209.
  18. Kampf um Köpfe und Herzen – Münzenberg und die intellektuell-künstlerische Avantgarde der 20er Jahre. In: Münzenberg Forum Berlin. Münzenbergs Erben e.V., 2024, abgerufen am 15. Juli 2026 (deutsch).
  19. Käthe Kollwitz. Help Russia (Helft Russland). (1921). Abgerufen am 6. August 2026 (englisch).
  20. Heinrich Zille: Postkarte – Künstlerhilfe – Heinrich Zille. In: Münzenberg Forum. Münzenbergs Erben, 1921, abgerufen am 24. Juli 2026 (deutsch).
  21. Iris Schmeisser: Komitee "Künstlerhilfe" der "Internationalen Arbeiterhilfe," Berlin. In: Webseite vom the Museum of Modern Art New York. The Museum of Modern Art, 2011, abgerufen am 15. Juli 2026 (englisch).
  22. Sean McMeekin: The red millionaire, New Haven/London 2003, S. 271.
  23. Babette Gross: Willi Münzenberg, Stuttgart 1967, S. 287 f.
  24. Sean McMeekin: The red millionaire, New Haven/London 2003, S. 278.