Internationaler Tag gegen Hexenwahn

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Der Internationale Tag gegen Hexenwahn ist ein jährlich am 10. August begangener, weltweiter Gedenktag, der auf das Unrecht an Menschen aufmerksam machen soll, die als vermeintliche „Hexe“ beschuldigt, verfolgt und getötet werden.[1]

Berichte über solche Hexenverfolgungen sind heute vor allem aus Afrika, Ozeanien[2] und Lateinamerika bekannt. Die Gründe für die Beschuldigungen von Menschen als angebliche „Hexen“ sind vielfältig. Der Glaube an Hexerei spielt dabei eine Rolle. Armut, Not, Epidemien, soziale Krisen und mangelnde Bildung gelten in vielen Fällen als Auslöser. Motive für die Beschuldigungen sind aber auch Habgier und Rache, wo der Hexenglaube als Vorwand genutzt wird, um Rivalen loszuwerden oder sich persönlich zu bereichern.

Geschichte und Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Internationale Tag gegen Hexenwahn wurde erstmals am 10. August 2020 vom Internationalen Katholischen Hilfswerk missio in Aachen ausgerufen, um über diese Art von Menschenrechtsverletzungen, die unter dem Vorwand vermeintlicher Hexerei vollzogen werden, aufzuklären und gegen diese vorzugehen.

Anlass zur Ausrufung des Gedenktages ist das Martyrium einer Frau aus Papua-Neuguinea, die am 10. August 2012 von Bewohnern aus ihrem Dorf als „Hexe“ beschuldigt und tagelang gefoltert wurde. Sie überlebte die schweren Misshandlungen, konnte entkommen und mithilfe der Schweizer Ordensfrau Schwester Lorena Jenal in Sicherheit gebracht werden.[3] Im Juli 2021 verstarb sie unter anderem an den Folgen der Folterungen.[4]

Weltweites Auftreten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass Hexenverfolgungen der Vergangenheit angehören, finden sie heutzutage in noch 41 Ländern der Welt, überwiegend in Afrika, Ozeanien und Lateinamerika, statt.[5] In der Demokratischen Republik Kongo sowie anderen afrikanischen Ländern ist das Phänomen des Hexenwahns eng mit dem Glauben an sogenannte Hexenkinder verbunden.[6]

Es wird angenommen, dass dadurch seit 1960 weltweit mehr Menschen wegen angeblicher Hexerei getötet worden sind als in der großen europäischen Verfolgungsperiode.[7] Die modernen Hexenjagden werden inzwischen vom UNHCR und der UNO kontinuierlich als massivste Missachtung der Menschenrechte kritisiert. Betroffen sind nach den Reports des UNHCR die sozial Schwächsten in der Gesellschaft: vor allem Frauen und Kinder sowie Alte und Außenseitergruppen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jörg Nowak: Internationaler Tag gegen Hexenwahn. In: missio-hilft.de. missio Aachen, 4. August 2020, abgerufen am 4. August 2020.
  2. André Groenewoud: Gesellschaftlich akzeptierte Folter - Die Hexen von Papua-Neuguinea. In: ZDF.de. ZDF, 24. Juli 2019, abgerufen am 4. August 2020.
  3. Jörg Nowak: Internationaler Tag gegen Hexenwahn. In: kontinente, Ausgabe 4-2020, S. 18. KONTINENTE Missionsverlag GmbH, 1. Juli 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  4. Jörg Nowak: Aberglaube und Gewalt in 41 Ländern. In: missio-hilft.de. missio e.V., Aachen, 29. Juli 2021, abgerufen am 8. August 2021.
  5. Jörg Nowak: Aberglaube und Gewalt in 41 Ländern. In: missio-hilft.de. missio e.V., Aachen, 29. Juli 2021, abgerufen am 8. August 2021.
  6. Thomas Scheen: Hexenkinder. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 2. September 2006, abgerufen am 18. Juni 2020.
  7. Tausende immer noch als Hexen verfolgt. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 18. Juni 2020.