Interpersonelle Psychotherapie

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Die Interpersonelle Psychotherapie (IPT) ist eine Kurzzeit-Psychotherapie, die in den 1970er und 1980er Jahren als ambulanter Behandlungsansatz für Erwachsene mit mittelgradigen bis schweren, nicht-wahnhaften Störungen entwickelt wurde. Sie basiert auf der Interpersonalen Theorie von Harry Stack Sullivan.[1][2] Im Verlauf der letzten dreißig Jahre hat eine Reihe empirischer Studien die Wirksamkeit der IPT bei der Depressionsbehandlung belegt.[3][4] Tatsächlich konnte eine Meta-Analyse von 53 Studien, die die Wirksamkeit von unterschiedlichen Therapieverfahren verglich, zeigen, dass Interpersonelle Psychotherapie speziell bei Depressionen von Erwachsenen am wirksamsten ist.[5] Obwohl sie ursprünglich als individuelle Therapie für Erwachsene konzipiert war, wurde sie auch an die Arbeit mit Jugendlichen und Patienten im Involutionsalter (Rückbildungsalter – etwa ab dem 45. Lebensjahr) sowie für den Einsatz bei der Paarberatung angepasst. Sie kommt bei Bipolaren Störungen ebenso zur Anwendung wie bei der Bulimie und bei der Wochenbettdepression.[2][6]

Obwohl die IPT in psychodynamischen Theorien wurzelt, greift sie auch kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze auf, zum einen durch ihre zeitliche Begrenzung, zum anderen durch den Gebrauch von Hausaufgaben, strukturierten Patienteninterviews und abschließender Effektivitätskontrolle.[2][7]

Die Interpersonelle Psychotherapie wurde von Gerald Klermann et al. anfangs als Placebotherapie in der Psychotherapieforschung gedacht, erwies sich jedoch als effektiv bei der Behandlung verschiedenartiger psychischer Probleme. Sie basiert auf der Vorstellung, dass psychische Probleme durch Kommunikationsstörungen hervorgerufen werden, die ihrerseits von grundsätzlichen Beziehungsmustern abhängen.[8]

Klinische Anwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurde gezeigt, dass die interpersonelle Psychotherapie eine effektive Behandlung für Depression ist und sie wurde angepasst, um Sucht- und Essstörungen zu behandeln. Das Ziel des Therapeuten muss es sein, umgehend eine warme und verständnisvolle Beziehung mit dem Patienten aufzubauen, die von Zuneigung und Wertschätzung geprägt ist, um es dem Patienten zu ermöglichen, sich zu öffnen und Hilfe zu suchen.[9]

Die interpersonelle Psychotherapie hat sich in der Behandlung folgender Diagnosen als effektiv erwiesen:[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harry Stack Sullivan: Die Interpersonale Theorie der Psychiatrie. Fischer, Frankfurt/M. 1980, ISBN 3-10-076503-6.
  • Harry S. Sullivan: Das psychotherapeutische Gespräch – Beitrag zur modernen Psychoanalyse und Psychotherapie. Fischer Tb, Frankfurt/M. 1976 (Originalausgabe: The Psychiatric Interview. Norton, New York 1954).
  • Josef Rattner: Psychologie der zwischenmenschlichen Beziehungen – Eine Einführung in die Sozialpsychologie Harry Stack Sullivans. Fischer Taschenbuch, Frankfurt/M. 1984, ISBN 3-596-26771-4.
  • Elisabeth Schramm: Interpersonelle Psychotherapie – zur Behandlung depressiver und anderer psychischer Störungen. 2. Auflage. Schattauer, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-7945-2329-0.
  • Hartmut Siebenhüner: Harry Stack Sullivan und seine Interpersonale Theorie – Tradition und Perspektiven. Dissertation, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, Klagenfurt 2007 (ubdocs.uni-klu.ac.at [PDF; 5,56 MB]).
  • M. M. Weissman, J. C. Markowitz, G. L. Klerman: Interpersonelle Psychotherapie: Ein Behandlungsleitfaden. Hogrefe Verlag, Göttingen 2009, ISBN 978-3-8017-2193-0 (englische Originalausgabe 2007).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. H. A. Swartz: Interpersonal therapy. In: M. Hersen, A. S. Bellack (Hrsg.): Handbook of Comparative Interventions for Adult Disorders. 2. Auflage. John Wiley & Sons, New York 1999, ISBN 0-471-16342-2, S. 139–159.
  2. a b c M. M. Weissman, J. C. Markowitz, G. L. Klerman: Interpersonelle Psychotherapie: Ein Behandlungsleitfaden. Hogrefe Verlag, Göttingen 2009, ISBN 978-3-8017-2193-0 (englische Originalausgabe 2007).
  3. T. E. Joiner, J. S. Brown, Janet Kistner: The interpersonal, cognitive, and social nature of depression. Hrsg.: T. E. Joiner, J. S. Brown, Janet Kistner. 1. Auflage. Lawrence Erlbaum Associates, Mahwah NJ 2006, ISBN 0-8058-5874-1 (englisch).
  4. Elisabeth Schramm: Interpersonelle Psychotherapie – zur Behandlung depressiver und anderer psychischer Störungen. 2. Auflage. Schattauer, Stuttgart 1998.
  5. Pim Cuijpers, Annemieke van Straten, Gerhard Andersson, Patricia van Oppen: Psychotherapy for depression in adults: A meta-analysis of comparative outcome studies. In: Journal of Consulting and Clinical Psychology. Band 76, Nr. 6, 2008, S. 909–922, doi:10.1037/a0013075.
  6. a b Myrna M. Weissman, John C. Markowitz: Interpersonal Psychotherapy. Hrsg.: John C. Markowitz (= John M. Oldham, Michelle B. Riba [Hrsg.]: Review of psychiatry. Band 17, [6]). 1. Auflage. American Psychiatric Press, 1998, ISBN 0-88048-836-0, ISSN 1041-5882, Kap. 1: An Overview of Interpersonal Psychotherapy, S. 1–33 (englisch, Vorschau der Ausgabe 2005 in der Google-Buchsuche [abgerufen am 31. August 2019]).
  7. J. C. Markowitz, M. M. Weissman: Interpersonal psychotherapy: principles and applications. In: World Psychiatry. 3(3), October 2004, S. 136–139, PMC 1414693 (freier Volltext).
  8. Josef Rattner: Psychologie der zwischenmenschlichen Beziehungen – Eine Einführung in die Sozialpsychologie Harry Stack Sullivans. Fischer Taschenbuch, Frankfurt/M. 1984, ISBN 3-596-26771-4.
  9. CL. Cornes, E. Frank: Interpersonal psychotherapy for depression. In: The Clinical Psychologist. Vol. 47, Nr. 3, 1994, ISSN 0009-9244, S. 9–10 (englisch).
  10. T. E. Joiner: (N. N.). In: T. E. Joiner, J. S. Brown, Janet Kistner (Hrsg.): The interpersonal, cognitive, and social nature of depression. 1. Auflage. Lawrence Erlbaum Associates, Mahwah NJ 2006, ISBN 0-8058-5874-1, S. (N. N.) (englisch).
  11. Elisabeth Schramm: Interpersonelle Psychotherapie – zur Behandlung depressiver und anderer psychischer Störungen. 2. Auflage. Schattauer, Stuttgart 1998.
  12. Xinyu Zhou, Sarah E. Hetrick, Pim Cuijpers, Bin Qin, Jürgen Barth, Craig J. Whittington, David Cohen, Cinzia Del Giovane, Yiyun Liu, Kurt D. Michael, Yuqing Zhang, John R. Weisz, Peng Xie: Comparative efficacy and acceptability of psychotherapies for depression in children and adolescents: A systematic review and network meta-analysis. In: World Psychiatry. Vol. 14, Nr. 2, 2015, S. 207–22, doi:10.1002/wps.20217, PMID 26043339, PMC 4471978 (freier Volltext) – (englisch).
  13. Es wäre noch zu prüfen, ob diese Angabe von der Quelle „Weissman/Markowitz: Interpersonal Psychotherapy. 1998“ abgedeckt wird.