BMW Isetta

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BMW
BMW Isetta, Baujahr 1955

BMW Isetta, Baujahr 1955

Isetta
Produktionszeitraum: 1955–1962
Klasse: Leichtfahrzeug
Karosserieversionen: Coupé
Motoren: Ottomotoren:
0,25–0,30 Liter
(8,8–9,6 kW)
Länge: 2285 mm
Breite: 1380 mm
Höhe: 1340 mm
Radstand: 1500 mm
Leergewicht: 350 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: keines

Die BMW Isetta war ein Rollermobil, das die Bayerischen Motorenwerke von 1955 bis 1962 bauten. Der Hersteller bezeichnete das zwischen Motorrad und Auto einzuordnende Fahrzeug als „Motocoupé“.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rückansicht einer BMW Isetta 250 aus dem Jahr 1957
Baujahr 1956
Modell „Export“ ab 1957
„Export“-Modell 1957 mit Lüftungs­klappen
Mit geändertem Schriftzug Ausführung ab 1959 als Fahrzeug der Polizei Niedersachsen
Blick in den Innenraum einer Isetta
Cockpit einer Isetta von 1955 mit Zusatzinstrumenten und nachträglich eingebautem Radio
Isetta-Schriftzug ab 1959
BMW Isetta der Deutschen Bundespost
Rückansicht einer Dreirad-Isetta
Als Taxi konnte die Isetta nicht zugelassen werden.
BMW Isetta im täglichen Gebrauch (fotografiert im Februar 1972)
„Große Isetta“ BMW 600

BMW hatte während des Zweiten Weltkriegs in den beiden Münchner Werken Milbertshofen und Allach überwiegend Motorräder und Flugmotoren gebaut. Nach Kriegsende 1945 konnte die Pkw-Produktion nicht wieder aufgenommen werden, denn das in der sowjetischen Besatzungszone gelegene BMW-Automobilwerk Eisenach wurde Teil der Sowjetischen Aktiengesellschaft Awtowelo.

Die Fahrzeugproduktion bei BMW begann 1948 mit Motorrädern. Das erste bei BMW nach dem Krieg neu entwickelte und ab 1952 hergestellte Auto, der als „Barockengel“ bekannte BMW 501, wurde ein wirtschaftlicher Misserfolg, denn der Wagen mit Sechszylindermotor war nur für einen kleinen Käuferkreis erschwinglich. Trotzdem deckte der Verkaufspreis von 15.000 DM (1952) nicht die Produktionskosten.

Für viele Kunden kamen zunächst allenfalls motorisierte Zweiräder in Betracht, an vollwertige Autos wie z. B. den Volkswagen war – auch wegen eines fehlenden Pkw-Führerscheins Klasse III – häufig nicht zu denken. Der alte Führerschein IV galt jedoch auch für Kraftfahrzeuge bis 250 cm³ Hubraum.[1] Diese Regelung nutzten findige Hersteller mit Rollermobilen (z. B. dem Goggomobil oder dem Messerschmitt Kabinenroller). BMW hatte damals jedoch nur Motorräder und die Oberklassefahrzeuge BMW 502/503 mit V8-Motoren im Angebot.

Bedeutung der Isetta für BMW[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Italien konstruierte Renzo Rivolta, der Firmenchef des Motorradherstellers Iso Rivolta, ein Rollermobil in ungewöhnlicher Form: Die Iso-Isetta, welche 1954 vorgestellt wurde. Wie bei einem Kühlschrank klappte man bei diesem Gefährt die Fronttür auf; schließlich soll das Unternehmen, früher Iso-Thermos benannt, damals solche gebaut haben. Das Lenkrad schwenkte mit der Fronttür nach vorn und zur Seite und bot so einen guten Einstieg in den für zwei Personen ausreichenden Innenraum.

BMW geriet Mitte der 1950er Jahre allmählich in eine schwere Krise. Zeit für Planung und Konstruktion eines Kleinstwagens blieb nicht, es gab nur eine andere Möglichkeit: den Lizenzbau. Auf dem Turiner Autosalon wurde die Delegation von BMW auf die Isetta aufmerksam und sah in ihr eine Chance. Nach Abschluss des Lizenzvertrages mit Iso wurde eine Isetta ins Werk geholt und die Konstruktion optimiert. Die Isetta bekam einen Einzylindermotor aus dem Motorradprogramm von BMW, umgebaut auf Gebläsekühlung und Starterlichtmaschine. Die BMW Isetta hat im Gegensatz zum dreirädrigen Original zwei Hinterräder. Die konstruktiven Änderungen erwiesen sich als Erfolg.

Die Isetta konnte die Finanzkrise bei BMW zwar nicht abwenden, brachte aber immerhin einen Zeitgewinn. Am 5. März 1955 wurde sie der Öffentlichkeit zu einem Preis von 2.580 DM vorgestellt. Die Fachpresse zeigte sich beeindruckt. Zwischen 1955 und 1962 wurden 161.728 Motocoupés verkauft. Diese Zahl übertraf nur das Goggomobil. Der Erfolg der Isetta verschaffte BMW die dringend benötigten Finanzen und die Zeit zur Entwicklung eigener Modelle, die als Neue Klasse auf den Markt kamen. Die Isetta gilt als eines der Symbole für den raschen Wiederaufbau Deutschlands nach 1945, das sogenannte Wirtschaftswunder.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von April 1955 bis März 1956 wurde die erste Version der Isetta gebaut. Sowohl das Modell 250 und als auch Modell 300 (vorgestellt im Dezember 1955) hatten eine große Panoramaheckscheibe, feststehende Seitenscheiben und zu öffnende Dreiecksfenster. Im Oktober 1956 kam die zweite Version, „Export“ 250 und 300, auf den Markt. Sie unterschieden sich vom bisherigen Modell insbesondere durch Schiebefenster an den Seiten und eine kleinere Sicherheitsglas-Heckscheibe. Die Ausstellfenster entfielen und beide Modelle erhielten auch an der Vorderachse Teleskopstoßdämpfer. Das 300er-Standardmodell hatte noch Reibungsdämpfer.

BMW hatte von Iso das Recht zum Export nach Skandinavien, Österreich und in die Schweiz erhalten, während die Benelux-Staaten, Spanien und Frankreich von dem spanischen Lizenznehmer Iso España (baugleich mit Iso Italien) bzw. dem französischen Lizenznehmer Vélam (der die Vélam-Isetta als selbsttragende Konstruktion entwickelte) beliefert wurden. Zusätzlich entstand in Brighton ein Lizenzbau der BMW-Isetta als „Isetta of Great Britain“, wo auch Rechtslenker und Dreiradversionen regulär angeboten wurden. Außerdem belieferte Brighton den skandinavischen Markt sowie Australien und Neuseeland. In Brasilien wurde die Romi-Isetta von Indústrias Romi ab 1956 anfangs als Lizenzbau direkt von Iso Italien, ab 1959 dann in der BMW-Form in Lizenz von BMW gebaut.

Auch auf den Exportmärkten wurde die Isetta zum Erfolg. Beispielsweise gab es ein US-Modell mit größeren Sealed-Beam-Scheinwerfern und größeren Rückleuchten sowie ein Tropenmodell mit regulierbarem Lufteinlass durch die Fronttür. Die Isetta wurde auch in einer Cabrio-Version angeboten, bei der anstelle der Plexiglasscheibe der Standardversion ein Faltverdeck heruntergeklappt werden konnte; die Cabrio-Version der Export-Isetta hatte dann eine im hinteren Teil verkürzte und veränderte Blechdachkonstruktion für das gleich groß gebliebene Heck-Faltverdeck.[2] Ein aus der Cabrio-Isetta abgeleitetes Pick-up-Modell, bei dem statt des Heck-Verdecks ein Lastenaufbau eingesetzt wurde, fand wenig Käufer.[3]

1957 kam eine viersitzige Version als BMW 600 auf den Markt, die zusätzlich zur Fronttür eine Seitentür rechts und eine Rücksitzbank hat. In der Fronttür ist auch das Reserverad untergebracht. Der BMW 600 hat einen Zweizylinder-Boxer-Motor mit 585 cm³ mit 19,5 PS. Vorder- und Hinterräder sind an Längsschwingen aufgehängt. Der Motor des 600er BMW war ebenfalls ein umkonstruierter Motorradmotor, diesmal aus dem Modell BMW R 50 mit vergrößerter Bohrung.

Während der gesamten Bauzeit konzentrierte man sich bei der Isetta hauptsächlich auf die Behebung von Schwachstellen und die Optimierung der Fertigung. Die wesentlichen Elemente blieben stets die gleichen.

Die Fertigung der BMW-Isetta wurde im Mai 1962 eingestellt. Bis Anfang der 1970er-Jahre war sie noch recht häufig im Straßenbild vertreten.

Die Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den luftgekühlten Einzylinder-Viertaktmotor gab es anfänglich mit 12 PS (245 cm³), ab Februar 1956 auch mit 13 PS (295 cm³). Er ist an der rechten Wagenseite quer hinter der Sitzbank eingebaut. Links an den Motor sind eine Einscheibentrockenkupplung und das Getriebe angeflanscht. Die Isetta hat einen Rückwärtsgang, der bei Kleinstwagen nicht selbstverständlich war, und vier nicht synchronisierte Vorwärtsgänge, die zum schonenden Zurückschalten Zwischenkuppeln und Zwischengas verlangen, und auch beim Hochschalten sind kleine Schaltpausen und Zwischenkuppeln von Vorteil. Der Schalthebel liegt links neben dem Fahrer, von wo die Schaltbefehle über ein kompliziertes Gestänge und einen Seilzug an das Getriebe gelangen. Das Schaltschema mit hinten rechts liegendem ersten Gang und viertem Gang vorn links ist gewöhnungsbedürftig.[4]

Über eine querliegende gummigefederte Gelenkwelle und eine im Ölbad laufende Duplexkette werden die Hinterräder angetrieben. Wegen der geringen Spurweite der Hinterachse von nur 52 cm wird kein Differenzial gebraucht.[4]

Die Isetta hat einen Stahlrohrrahmen, auf den eine zweisitzige Ganzstahlkarosserie mit Fronteinstieg aufgesetzt ist. Die Seitenscheiben und die Panoramascheibe im Heck der Modelle 1955 und 1956 waren aus Plexiglas. Zur Lüftung gab es anfangs außer dem Schiebedach nur ein Dreiecksausstellfenster links und rechts. Das Modell „Export“ von 1957 hat außer den seitlichen Schiebefenstern zwei Belüftungsklappen in der Tür, von denen es im Verkaufsprospekt hieß, dass sie eine „zugfreie Be- und Entlüftung“ garantieren „und dem Gesicht ein weiteres interessantes Merkmal“ geben. Die erste Ausführung wurde zunächst noch als Modell „Standard“ weitergebaut. Karosserie und Fahrgestell können bei der Isetta und beim BMW 600 voneinander getrennt werden.[4]

Das BMW Isetta von 1955 ist an langen Scheinwerfergehäusen und einem dreieckigen Bremslichtglas zu erkennen; ab 1956 waren die Scheinwerfergehäuse eiförmig.

Die Vorderräder sind an kurzen geschobenen Längsschwingen mit Schraubenfedern aufgehängt, anfangs mit Reibungsstoßdämpfern und ab 1957 mit Teleskopstoßdämpfern. Hinten hat die Isetta eine an einem langen Schwingarm geführte Starrachse mit zwei Viertelelliptikfedern und Stoßdämpfer. Die Fußbremse wirkt hydraulisch auf alle vier Räder, wobei die beiden Hinterräder nur eine gemeinsame Bremstrommel haben. Der Durchmesser der Bremstrommeln beträgt 180 mm, die Gesamtbremsfläche 324 cm².[4]

Innenraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen der durchgehenden Sitzbank und dem Motor ist das Reserverad untergebracht. Handbremse (ab 1956) und Betätigungshebel für Choke und später auch für die Heizung befinden sich wie der Schalthebel an der linken Außenwand. An der links angeschlagenen Fronttür ist ein kleines Armaturenbrett angebracht, an dem auch die mitschwenkende Lenksäule befestigt ist. Eine Heizung wurde in den ersten beiden Baujahren nicht serienmäßig angeboten. Die Innenverkleidungen bestehen aus bedruckter Pappe, die wenigen Ausschnitte sind mittels Keder optisch geschönt.

Wie die Iso-Isetta hatte auch das BMW-Modell in der ersten Ausführung serienmäßig ein Faltverdeck. Bei der zweiten Ausführung und beim BMW 600 gehörte ein Faltverdeck nicht zur Serienausstattung, konnte aber als Sonderausstattung, hergestellt von Golde, bestellt werden.

Verbrauch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Tank der Isetta ist im Heck über der Hinterachse eingebaut; er fasst einschließlich 3 Liter Reserve 13 Liter Benzin und hat einen Benzinhahn. Das reicht theoretisch für bis zu vierhundert Kilometer Fahrt. Bei entsprechender Fahrweise oder verschlissenen Kolbenringen steigt der Verbrauch aber auf deutlich mehr als 5 Liter je 100 km an.

Mit einem Benzinverbrauch von „etwa 3,45 Litern/100 km bei 57 km/st“ (Werksangabe) kann die BMW Isetta 1955 als erstes in Großserie[5] gebautes 3-Liter-Auto der Welt angesehen werden.[6] Ihr Einzylindermotor und ihr geringes Gewicht machten sie so sparsam. Gleichzeitig ist sie mit 161.728 Stück[7] wahrscheinlich das meistverkaufte Einzylinderauto der Welt.[8]

BMW Isetta Dreirad Spezial[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Dreirad-Variante der BMW Isetta wurde 1959/60 in über 1500 Stück für den Export auf Basis der „BMW Isetta 300 Export“ hergestellt; damit wurde in den betroffenen Ländern eine günstige Besteuerung wegen Einstufung als Kraftrad ausgenutzt. Das Hinterrad wurde an einer Schwinge geführt und von einer vollständig gekapselten Kette an der linken Fahrzeugseite angetrieben.[9]

Die Isetta heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist die Isetta ein Publikumsliebling, Sympathieträger der Marke BMW sowie ein zeithistorisch interessantes Stück Automobilgeschichte.

Die englische Firma Tri-Tech, ursprünglich Lieferant von Ersatzteilen, vertrieb einen Isetta-Nachbau unter dem Namen „Tri-Tech Zetta 300“.

Einen weiteren Nachbau der Isetta 250 stellt das japanische Unternehmen Duesen Bayern her. Diese Version basiert auf der Plattform des Nissan Hypermini. Die für diese Replika verwendeten Fahrzeugteile kommen von BMW, Nissan und Toyota.

Ein Exemplar der BMW Isetta steht in Bonn im Haus der Geschichte, im Verkehrsmuseum Karlsruhe und als Polizeiversion im 1. Deutschen Polizeioldtimer-Museum Marburg.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Volksmund wurde die Isetta auch Knutschkugel oder (wegen der hinten deutlich engeren Spurweite) Schlaglochsuchgerät genannt. Weitere Spitznamen – wegen der ungewöhnlichen Türkonstruktion – waren Halleluja-Auto und Adventsauto, in Anspielung auf das Adventslied „Macht hoch die Tür“. Gelegentlich fand sich auch der – allerdings für viele Kleinwagen verwendete – Ausdruck Asphaltblase und Nuckelpinne.

Im Jahr 1955 berichtete Der Spiegel über ungerechte Besteuerungsfälle der Isetta durch deutsche Finanzbehörden. Einige Finanzämter verlangten korrekt den Kraftfahrzeugsteuersatz für einen Pkw mit 44 DM jährlich, wollten aber für die Entfernungspauschale nur 22 Pfennige je Kilometer wie für ein Motorrad bezahlen. Für Personenkraftwagen wären das regulär 50 Pfennige je Kilometer gewesen.[10]

Belletristik und Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BMW Isetta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RGBl. I 1937, S. 1215: Führerschein IV auch für leichte Motorräder; Inkrafttreten: 1. Januar 1938.
  2. BMW Isetta Cabriolet. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 31. Oktober 2016 (Dossier im BMW Group Archiv).
  3. BMW Isetta Pickup. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 31. Oktober 2016 (Dossier im BMW Group Archiv).
  4. a b c d BMW Isetta und ihre Konkurrenten, Schrader Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-613-87010-X.
  5. Definition Großserie (Diagramm auf Seite 5) (PDF; 106 kB).
  6. Horst Seehofer in einer Rede vom 20. Mai 2010.
  7. Werner Oswald: Alle BMW Automobile seit 1928. Motor Buch Verlag, S. 112 und S. 144.
  8. Andy Schwietzer, Manfred Seehusen: Isetta: Ein Auto bewegt die Welt.
  9. BMW Isetta Dreirad Spezial. In: BMW Geschichte. BMW AG, abgerufen am 31. Oktober 2016 (Dossier im BMW Group Archiv).
  10. Was ist die Isetta? In: Der Spiegel. Nr. 46, 1955, S. 28 (online 9. November 1955).