IttenBrechbühl

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Itten+Brechbühl AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1922
Sitz Bern, Schweiz
Mitarbeiterzahl > 300 (31. Dezember 2018)[1]
Branche Architekturbüro
Website www.ittenbrechbuehl.ch

IttenBrechbühl ist ein 1922 von Otto Rudolf Salvisberg und Otto Brechbühl in Bern gegründetes Architekturbüro und Generalplanerunternehmen. Das Unternehmen ist heute als Schweizer Aktiengesellschaft mit rund 300 Mitarbeitenden an den Standorten in Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen, Zürich vertreten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Salvisberg und Brechbühl, 1922–1940[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Otto Rudolf Salvisberg hatte 1904 am Technikum in Burgdorf diplomiert und bei Curjel und Moser in Karlsruhe gearbeitet. 1908 wechselte er nach Berlin zu Paul Zimmerreimers. Dort holte er 1910 den frisch am Technikum Biel diplomierten Otto Brechbühl (1889–1984) mit in das Büro. Tagsüber arbeiteten die beiden für Zimmerreimer, nachts für sich an Wettbewerben. Den ersten Erfolge hatten sie mit einem Projekt für die Gartenstadt Frohnau in Berlin.

Salvisberg machte sich 1914 selbstständig und Brechbühl war während des Ersten Weltkrieges Leiter des Baubüros im Reichsamt des Innern. Salvisberg baute in Berlin rund 40 Villen, daneben auch Siedlungen wie Onkel Toms Hütte (in Zusammenarbeit mit Bruno Taut und Hugo Häring), und an der Schillerpromenade. Ab 1918 arbeitete dann beide wieder zusammen. Otto Brechbühl kehrte 1922 in die Schweiz zurück und leitete das gemeinsame Büro in Bern. Das war der Beginn des Architekturbüros IttenBrechbühl.

Der Durchbruch kam mit dem Wettbewerb für das Lory-Spital 1924/25, dem das Säuglingsheim in der Elfenau folgte. Den dritten 1. Preis errangen Salvisberg und Brechbühl mit den Institutsgebäuden der Universität Bern. Mit dem Lory-Spital entwickelten Salvisberg und Brechbühl einen Grundrisstyp, der den medizinischen Fortschritt verkörpern sollte: die Krankenzimmer gegen Süden mit durchlaufendem Balkon und verglasten Eck-Liegehallen. 1930 wurde Salvisberg Nachfolger Karl Mosers als Architekturprofessor an der ETH in Zürich. Ab 1934 folgten einige Projekte für das Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche. Zuerst in Basel, später auch in Welwyn (GB) und Mailand. Otto Rudolf Salvisberg starb im Dezember 1940. Sein Zürcher Büro übernahm Roland Rohn.

Otto Brechbühl, 1940–1955[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod von Salvisberg übernahm Otto Brechbühl das Berner Büro, das Ende der Vierzigerjahre fünf bis sechs Mitarbeiter hatte, unter seinem eigenen Namen. Zu Beginn, während des Zweiten Weltkrieges, gab es wenig zu bauen, die Bautätigkeit war massiv eingeschränkt. Nach dem Krieg folgten wieder grosse Spitalbauten wie dem Anna-Seiler-Haus und dem zahnärztlichen Institut der Universität Bern. Im Alter von 67 Jahren dachte Otto Brechbühl ans Aufhören. Da beauftragte ihn der Kanton Bern 1955 mit der Neuplanung des Inselspitals. Um die Kontinuität sicherzustellen, holte er sich Verstärkung aus Zürich. Dort hatte Rudolf Steiger die Planung des Kantonsspitals geleitet und war dafür mit dem Ehrendoktor der Universität ausgezeichnet worden.

Brechbühl und Itten, 1956–1968[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakob Itten (1930–1988) war der Sohn des Architekten Arnold Itten. Er studierte zuerst Physik, wechselte später zur Architektur. Nach dem Studium an der ETH Zürich arbeitete Jakob Itten unter anderem bei Jean Prouvé in Paris. Zu den Förderern Ittens gehörte Rudolf Steiger, der Architekt des Kantonsspitals Zürich. Steiger hatte mit Arnold Itten zusammen das Sanatorium «Bella Lui» in Montana gebaut.

Jakob Itten wollte nach Kanada, das Visum war schon erteilt. Da traf er in der Schweizerhoflaube in Bern Otto Brechbühl, bei dem er als Student ein Praktikum gemacht hatte. Brechbühl machte Itten den Vorschlag, in sein Büro einzutreten So wurde Jakob Itten Brechbühls Angestellter und ab 1963 Geschäftspartner. Itten ersetzte den ursprünglich vorgesehenen Nachfolger, der beim Bau des Spitals Aarberg den Anforderungen Brechbühls nicht genügte. Das Schulhaus Spiegel bei Bern war Brechbühls letzte grosse Arbeit.

Itten+Brechbühl, 1968–1973[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Fertigstellung des Behandlungstraktes Ost des Inselspitals, 1964, wurde das Architekturbüro 1967 umbenannt in Itten+Brechbühl. Otto Brechbühl zog sich 79-jährig aus dem Tagesgeschäft zurück. 1973 wurde die Aktiengesellschaft Itten+Brechbühl AG gegründet, 70 Prozent der Aktien gehörten Jakob Itten, die restlichen 30 Prozent Otto Brechbühl. Karl Gerber, Sven Nägeli, Franz Oswald und Günther Wieser waren Partner, zur erweiterten Geschäftsführung gehörten elf Personen. Es gab eine Entwurfs- und mehrere Ausführungsabteilungen. Itten+Brechbühl waren die führenden Spitalplaner in der Schweiz. Jakob Itten entwickelte das Rundspital, das dem Personal die Hälfte der Wege ersparte. Der anspruchsvollste Auftrag war die Generalplanung der Spitäler Aarau und Baden, die in einem Konsortium mit Motor Columbus abgewickelt wurde. 1973 hatte Itten+Brechbühl 217 Mitarbeiter an bis zu 13 Standorten, ein Jahr später 260. Alle Arbeiten wurden im Hause bewältigt, inklusive HLK-Planung, Baustatik, Medizinaltechnik und Betriebsplanung. Für die Kostenkontrolle schafften sich Itten+Brechbühl die damals in der Schweiz grösste Computeranlage in einem Architekturbüro an. Jakob Itten setzte auf Vorwärtsstrategie. Er führte unter der Beratung des Professors für Betriebsökonomie Lattmann aus St. Gallen die interne Kaderschulung ein, gab eine Hauszeitung heraus, setzte Leistungs- und Qualitätsziele und baute das Architekturbüro zu einem Planungsunternehmen aus.

I+B und Motor Columbus, 1973–1991[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch verschiedene Projekte der Entwicklungshilfe wie beispielsweise im Irak oder in Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens geriet Itten+Brechbühl in Liquiditätsprobleme, im September 1975 zwangen die Banken Jakob Itten zu einer Übergabe an einen stärkeren Partner. Motor Columbus, die ihren Generalunternehmerbereich ausbauen wollte, übernahmen daraufhin das Planungsunternehmen. Das Personal wurde von 260 auf 110 Mitarbeiter reduziert und es wurden nur drei der insgesamt 13 Spitälern im Irak, die 1974–1975 geplant worden waren ausgeführt. Das eigene Bürohaus an der Sulgeneckstrasse in Bern wurde verkauft werden, ebenso das Hochhaus im Kappelenfeld bei Bern. In Riad entstand zu dieser Zeit das Albabtain-Bürogebäude, das Hans Eggen dort selbstständig realisierte, während er gleichzeitig als Branchmanager der Motor Columbus Verträge abschloss, Geld eintrieb und Kraftwerke verkaufte. Jakob Itten arbeitete in «seiner» Firma weiter, vor allem, weil ihn ein zweijähriges Konkurrenzverbot dazu zwang. Danach machte er sich 1978 wieder selbstständig und war im Kanton Bern auf dem Gebiet des Spitalbaus eine direkte Konkurrenz der Itten+Brechbühl AG. Jakob Itten starb 1988.

I+B und Peter Staub, 1991–1994[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Staub (geb. 1933) trat Ende 1979 als Geschäftsführer in die Itten+Brechbühl AG ein. Er hatte an der ETH in Zürich Architektur studiert, war bei Hoesli Assistent gewesen, hatte bei Gisel und Schader gearbeitet, führte sein eigenes Büro und war im Auftrag verschiedener Firmen im Ausland an Grossprojekten beteiligt gewesen. Er begann mit einer langfristigen strategischen Planung. Sie orientierte sich am Wandel der Gesellschaft und besann sich auf die eigenen Stärken. Mit jungen Architekten gelang es, in rund 50 Wettbewerben zwölf 1. Preise zu erringen, wovon sieben ausgeführt wurden. Dazu gehören der Technopark und der Behandlungstrakt des Universitätsspitals in Zürich, die Schule für Pflegeberufe in Interlaken und die Pathologie in Bern. Die anspruchsvollste Aufgabe der Achtzigerjahre war die Totalsanierung des Operationstraktes des Universitätsspitals Zürich. Die Grundlage dieses Auftrags war der «Plan Eggen», ein Fahrplan für die Zukunft des gesamten Universitätsspitals, der bereits ab 1973 entwickelt worden war. Diese Konzeptstudie ermöglichte es, 1974 in Zürich eine Filiale zu eröffnen. Anfang 1990 wollte Motor Columbus sich aus dem Engagement bei Itten+Brechbühl zurückziehen, und Peter Staub übernahm im Alter von 58 Jahren die Firma zusammen mit Hans Eggen, damals 51, in einem Management-Buyout. Beide bemühten sich von Anfang an um einen Generationenwechsel sowie eine Nachfolgeregelung.

IttenBrechbühl und Nick Gartenmann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur vier Jahre später übergab Peter Staub seine Aktien der Gartenmann & Partner AG. Nick Gartenmann hatte nach seinem Studium an der ETH Zürich zusammen mit Marc Werren und Andreas Jöhri das Architekturbüro GWJ gegründet. Bereits vor der Übergabe von Peter Staub fanden verschiedene projektspezifische Zusammenarbeiten zwischen GWJ Architekten und IttenBrechbühl statt. Gleich zu Beginn der neuen Ära gewann das Büro zwei Wettbewerbe: Die Försterschule in Lyss und die Suva-Klinik in Sion. Neben der engen Kooperation mit GWJ wurde auch mit verschiedenen internationalen Architekturbüros zusammengearbeitet. So konnte unter anderem zusammen mit Nicholas Grimshaw der Wettbewerb für die fünfte Ausbauetappe des Flughafens Zürich gewonnen werden. In einer Arbeitsgemeinschaft mit Baumschlager Eberle plante und baute IttenBrechbühl das Klinikum in Kortrijk und die Flughafenerweiterung in Wien.

Unter der Führung von Hans Eggen plante und realisierte das Büro weiterhin viele Spitäler, Altersheime und Kliniken. Nach den in den 1920er-, 1930er- und 1970er-Jahren erstellten Bauten konnte IttenBrechbühl den Wettbewerb für das neue Behandlungszentrum INO des Inselspitals für sich entscheiden. Stefan Kuhn kam 1997 als weiterer Partner dazu und verstärkte mit seiner langjährigen Bauherren- und Investorenerfahrung bei einer Schweizer Grossbank die Geschäftsleitung. Ein Jahr später wird ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell eingeführt mit den Architekten Peter Lobsiger, Hans Reber und Erich Simon als assoziierte Partner. In Luxemburg entstand eine Partnerschaft mit SchemelWirz. Gemeinsam wurden städtebauliche Gesamtkonzepte und verschiedene Bauten realisiert. In der Gartenmann & Partner Holding vereinten sich verschiedene Unternehmen, die neben der Architektur auch die Felder der Betriebsplanung und Bewirtschaftung abdeckten. Unter der Leitung von Nick Gartenmann wuchs das Büro wieder von 45 auf mehr als 200 Mitarbeiter. Auch wurden in Basel und in Lausanne neue Büros gegründet.

IttenBrechbühl heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nick Gartenmann zog sich 2012 aus dem Geschäft zurück und übergab die Mehrheit des Aktionariats an Christoph Arpagaus, Beat Gafner, Andreas Jöhri, Robin Kirschke, Peter Lobsiger und Peter Schneitter. Später kamen Jürg Toffol, Alain Krattinger und Andrea Molina hinzu. Heute führen elf Partner sowie rund 60 Associates und Associate Partners mit bis zu zehn Prozent der Aktien das Architekturunternehmen mit über 300 Mitarbeitenden an den Standorten in Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St. Gallen und Zürich. In den letzten Jahren vollendete oder zurzeit laufende Projekte und Planungen sind unter anderem das Confédération Centre Genève, der Masterplan für den neuen Stadtteil Grossfeld in Luxemburg, der neue Hauptsitz des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne, der Studentenwohnbau Vortex bei Lausanne, der Neubau des SwissFEL für das Paul Scherrer Institut in Villigen oder der Umbau des SBB-Bahnhofs in Luzern.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1926–1929: Loryspital in Bern[2]
  • 1955: Inselspital in Bern
  • 1991–1997: Interkantonale Försterschule Lyss in Bern
  • 1996–1999: SUVA-Rehabilitationsklinik in Sitten
  • 1996–2004: Flughafen Zürich, Airside Center, Bahnhofterminal und Check-in 3, Zürich
  • 1998–2012: Intensiv-, Notfall- und Operationszentrum (INO) Inselspital in Bern
  • 2001–2012: Kantonsspital Olten (Solothurner Spitäler) Olten, Solothurn
  • 2005: Terminal 1A, Flughafen Wien-Schwechat
  • 2005–2012: Flughafen Skylink in Wien
  • 2005–2012: Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Insel Riems bei Greifswald, Deutschland
  • 2006–2008: Media Swiss House Flamatt, Fribourg
  • 2007–2014: PricewaterhouseCoopers (PwC) Hauptsitz, Luxemburg
  • 2007–2016: RTL Group, Luxemburg
  • 2008–2012: Centro Svizzero di Calcolo Scientifico (CSCS) in Lugano, Tessin
  • 2009–2012: Universität Lausanne, Quartier Mouline, Waadt
  • 2012–2014: Carba Center 30, Liebefeld-Köniz bei Bern
  • 2013–2015: Hotel Modern Times, Vevey-Montreux, Waadt
  • 2014–2016: Espace Musée Chaplin, Corsier-sur-Vevey VD
  • 2014–2017: Wisbyer Straße in Berlin, Deutschland
  • 2016–2018: Hauptsitz Lidl (Schweiz), Weinfelden TG
  • 2015–2019: Headquarters Scott Sports, Givisiez FR

Werkschau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benedikt Loderer, Hans Eggen, Stefan Kuhn: Geschichte seit 1922. Zürich. In: IttenBrechbühl (Hrsg.): Portfolio. Bern 2016.
  • Hochparterre: IttenBrechbühl – eine Architekturgeschichte. Zürich. Zweite, überarbeitete Auflage. Zürich 2003.
  • Hochparterre: Itten+Brechbühl – eine Architekturgeschichte. Zürich 1999.
  • Hochparterre: Flughafenkopf. Beilage zu Hochparterre Nr. 12. Zürich 2004.
  • Hochparterre: IttenBrechbühl heute. Themenheft von Hochparterre. Zürich 2013.
  • Hochparterre: Fin de Chantier. Die Arche sicher verankert, In: Hochparterre (Hrsg.): Zeitschrift für Architektur und Design 5, S. 70–71. Zürich 2010.
  • Hochparterre: Das informierte Modell. Themenheft von Hochparterre, Juni 2015.
  • Carba Center 30. Waldeggstrasse 30, Liebefeld. Schweizer Baudokumentation, abgerufen am 9. Mai 2016.
  • SBB Betriebszentrale Mitte Olten. Schweizer Baudokumentation, abgerufen am 9. Mai 2016.
  • La Gare Cornavin. Schweizer Baudokumentation, abgerufen am 9. Mai 2016.
  • Sigfried Schibli: Der Müllerssohn aus Köniz. Wer war der Architekt Otto Rudolf Salvisberg, der dem Basler Roche-Areal ein Gesicht gegeben hat? In: Basler Zeitung, S. 23, Basel 24. Oktober 2014.
  • Zentrum Paul Klee/Kindermuseum Creaviva: Promenade Architecturale, Bern 2014.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://ittenbrechbuehl.ch/team>
  2. Das Werk - Archithese. Heft 10/1977