Jüdische Landesgemeinde Thüringen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Kleine Synagoge von Erfurt an der Stadtmünze 5
Neue Synagoge am Max-Cars-Platz 1
Die Kleine Synagoge von innen.
Inschrift: דע לפני מי אתה עומד Wisse vor wem du stehst (aus Sprüche der Väter)

Die Jüdische Landesgemeinde Thüringen[1] (hebräisch הקהילה היהודית ארפורט) hat ihren Sitz in der Neuen Synagoge in Erfurt[2] und ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Mit 850 (Stand: 2010) Mitgliedern handelt es sich um eine der kleineren jüdischen Gemeinden in Deutschland. Neben dem Hauptsitz in Erfurt existieren Außenstellen in Jena (170 Mitglieder) und Nordhausen (40 Mitglieder).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1948/1949 wanderten viele Juden aus dem „Land der Täter“ ab. Grund dafür war die Gründung des Staates Israel im Mai 1948 und ein neues amerikanisches Einwanderungsgesetz im Juni 1948.[3] Die Erfurter Gemeinde verblieb nach Auflösung von anderen nach 1945 in Thüringen gegründeten Gemeinden die einzige noch bestehende jüdische Gemeinde Thüringens.[4] Von den 750 Gemeindemitgliedern wohnen heute zwei Drittel in Erfurt. In Erfurt existieren neben der Neuen Synagoge, die auf dem Standort der 1938 zerstörten Großen Synagoge am Max-Cars-Platz 1 (früher Juri-Gagarin-Ring 16 und Kartäuserring) als einziger Synagogenbau der DDR errichtet und am 31. August 1952 eingeweiht wurde, die Kleine Synagoge an der Stadtmünze 5 und die Alte Synagoge an der Michaelisstraße 3/4, beide dienen heute als Museum.

Das Verhältnis zwischen dem Freistaat Thüringen und den dortigen jüdischen Gemeinden wurde in einem Staatskirchenvertrag vom 1. November 1993 geregelt.[5] Dieser Vertrag wurde durch ein Gesetz vom 7. Dezember 1993 gebilligt. Dieser wurde zuletzt durch einen Vertrag vom 18. Februar 1999 erneuert und erneut durch ein Gesetz vom 16. April 1999 gebilligt. Demnach ist gegenüber dem Land der Landesverband Ansprechpartner für jüdische Belange.

Ab Oktober 2010 hatte die Jüdische Landesgemeinde Thüringen nach 72 Jahren wieder einen Rabbiner. Konstantin Pal wurde 1979 in Moskau geboren, kam 1989 nach Deutschland und wurde 2010 am Abraham-Geiger-Kolleg ordiniert. Von 2010 bis Sommer 2014 war er Landesrabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Seit 2014 leitet Konstantin Pal die Kultusverwaltung der Jüdischen Gemeinde Berlin und koordiniert das SchazMaz-Programm (= Abkürzung für „Schaliach Zibur“ und „More Zedek“, das ist Ausbildung von Vorbetern und Religionslehrern) der Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland.[6]

Seit Oktober 2015 ist Benjamin Kochan Rabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. Er wurde 1988 in Magadan geboren, kam 2002 nach Deutschland, studierte am Rabbinerseminar zu Berlin, wo er 2015 seine Semicha erwarb. Erfurt ist Kochans erste Rabbinerstelle.[7][8] Er ist ordentliches Mitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unsere Landesverbände vor Ort – Jüdische Landesgemeinde Thüringen (Erfurt) K.d.ö.R. In: zentralratderjuden.de. Abgerufen am 27. Mai 2018.
  2. thueringen.de (PDF)
  3. Monika Grübel, Georg Mölich: Jüdisches Leben im Rheinland. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Verlag Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2005, S. 284.
  4. alemannia-judaica.de
  5. Gesetz zu dem Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Thüringen und der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen vom 7. Dezember 1993. In: www.bmi.bund.de. Bundesministerum des Innern ..., 7. Dezember 1993, abgerufen am 18. April 2018.
  6. http://a-r-k.de/rabbiner/#KonstantinPal
  7. Thüringens neuer Rabbiner hat sich bewusst für Erfurt entschieden. In: www.thueringer-allgemeine.de. 27. Oktober 2015, abgerufen am 18. April 2018: „Benjamin Kochan ist der neue Rabbiner der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen.“
  8. http://www.jlgt.org/kontakt.html
  9. http://www.ordonline.de/rabbiner/rabbiner-benjamin-kochan/