Sprüche der Väter

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Sprüche der Väter (hebräisch פרקי אבות Pirqe Avot) ist ein Traktat der Mischna in der Ordnung Nesikin und behandelt Fragen der Ethik. Obwohl der Traktat in die Struktur des Talmud eingebettet ist - es handelt sich um den neunten Traktat im Seder Nesikin, der vierten von sechs „Sektionen“ bzw. „Ordnungen“ -, gibt es wesentliche Unterschiede zum restlichen talmudischen Text. Einerseits gibt es keine weiterführenden Erklärungen in Form von Gemara, andererseits enthält der Abschnitt keine halachischen Vorschriften zur Regelung der jüdischen Lebensweise. Die ethischen Maximen sind als Aussagen verschiedener Rabbiner in chronologischer Reihenfolge notiert.

Die Sprüche der Väter sind in sechs Kapitel unterteilt und beginnen mit der Überlieferungsgeschichte der Tora:

„הוּא משֶׁה קִבֵּל תּוֹרָה מִסִּינַי, וּמְסָרָהּ לִיהוֹשֻׁעַ, וִיהוֹשֻׁעַ לִזְקֵנִים, וּזְקֵנִים לִנְבִיאִים, וּנְבִיאִים מְסָרוּהָ לְאַנְשֵׁי כְנֶסֶת הַגְּדוֹלָה.“

„Moscheh qibel Torah missinaj, umesarah lihoschua, wihoschua lisiqenim, usqenim lineviʾim, uneviʾim mesaruha leʾansche cheneset hagadolah“

Moses empfing die Tora am Sinai und übergab sie Josua, Josua den Ältesten, die Ältesten den Propheten, und die Propheten übergaben sie den Männern der großen Versammlung.“

– Avot 1,1

Besonders bekannt ist der Ausspruch von Rabbi Hillel:

„הוּא הָיָה אוֹמֵר, אִם אֵין אֲנִי לִי, מִי לִי. וּכְשֶׁאֲנִי לְעַצְמִי, מָה אֲנִי. וְאִם לֹא עַכְשָׁיו, אֵימָתָי“

„Hu hajah ʾomer, ʾim ʾen ʾani li, mi li, uchʾaschér leʿatzmí, mah ʾani, weʾim lo ʿachsháw ematáj“

„Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich? Und wenn ich für mich bin, was bin ich? Und wenn nicht jetzt, wann denn?“

– Pirqé Avót, Hillel, 1,14[1]

Ebenfalls von Hillel ist Folgendes überliefert:

„.וְלֹא כָל הַמַּרְבֶּה בִסְחוֹרָה מַחְכִּים. ובִמְקוֹם שֶׁאֵין אֲנָשִׁים, הִשְׁתַּדֵּל לִהְיוֹת אִישׁ“

„Welo chol hammarbeh vistorah maḥbim. Uvimqom scheʾen ʾanaschim, hischtadel lihjot ʾisch“

„Und wer viel Handel treibt, wird nicht weise. Fehlt es an einem Ort an Männern, dann bemühe dich, ein Mann zu sein.“

– Avot 2,5[2]

Die Sprüche der Väter sind sowohl in liberalen als auch in orthodoxen jüdischen Gemeinden Teil der Liturgie und sind deshalb in zahlreichen Siddurim (Gebetbüchern) zu finden.

Text und Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Karl Marti: Abôt (Väter). Gießen 1927.
  • Max Emanuel Stern: Perlen des Orientes und Kernsprüche der Väter: eine metrisch-gereimte Übersetzung des talmudischen Traktates, betitelt Pirke Aboth. Wien 1840. (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
  • Frank Ueberschaer, Michael Krupp: Die Mischna: Avot (Väter). Jerusalem 2003. ISBN 965-7221-13-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Becker (Hg.): Avot de-Rabbi Natan. Synoptische Edition beider Versionen, Tübingen 2006, 348; Salomon Schechter: Aboth de Rabbi Nathan, New York 2. Aufl. 1945, 54; Anthony J. Saldarini: Scholastic Rabbinism: A Literary Study of the Fathers according to Rabbi Nathan (= Brown Judaic Studies 14), Scholars Press, Chico, California 1982, 149.
  2. Übersetzung nach Mischnah Awot » Kapitel 2. talmud.de, 30. Mai 2014, abgerufen am 1. September 2015.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]