Jahr-2010-Problem

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Jahr-2010-Problem (auch 2010-Bug) bezeichnet mehrere, in unterschiedlichen Computeranwendungen zur Jahreswende 2009/2010 aufgetretene Softwarefehler.

Bekanntgewordene Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die breiteste öffentliche Aufmerksamkeit verursachte ein Fehler in der Programmierung diverser Debit- und Kreditkarten, der mehr als 30 Millionen Karten zeitweilig funktionsunfähig machte. Die Verantwortung für diesen Fehler hat die niederländische Firma Gemalto übernommen.[1] Das Problem wurde zwischenzeitlich durch eine Umstellung der Terminals gelöst, dahingehend, dass nicht der EMV-Chip, sondern der eigentlich veraltete Magnetstreifen gelesen wurde.[2] Für den Bankkunden durch den Ausfall entstandene Kosten (beispielsweise bei Auslandsüberweisungen für Urlauber) haben sich Sparkassen und andere Banken zur Erstattung bereit erklärt.[3]
  • In Australien wurden die Geldausgabeautomaten der Bank of Queensland durch einen Fehler lahmgelegt, der zu einem aktuellen Datum im Jahr 2016 führte, wodurch Kundenkarten als „abgelaufen“ betrachtet wurden.[4]
  • Ein Fehler des Spamfilters SpamAssassin führte dazu, dass viele nach dem 31. Dezember 2009 versandte Mails fälschlicherweise als Spam klassifiziert wurden. Betroffen waren u. a. die Maildienste GMX und 1&1.[5] Ursache war eine fehlerhafte Regel.[6]
  • Kurznachrichten von Smartphones mit dem Microsoft Betriebssystem Windows Mobile 6.1 und 6.5 gaben seit dem 1. Januar 2010 als Versendedatum ein Datum im Jahr 2016 an.[7]
  • Ein Problem gab es auch für Anwender der ERP-Software von SAP. Bei Spool-Einträgen wurde das Verfallsdatum falsch berechnet.[8]
  • Ein Fehler des Endpoint Protection Managers von Symantec, einer Sicherheitssoftware für Firmenkunden, führte dazu, dass Aktualisierungen von Virendefinitionen mit Datum im Jahr 2010 als out of date klassifiziert wurden.[7]
  • Bei den Newton-PDAs von Apple führte ein Integer-Überlauf bei der Datumsberechnung für Daten nach dem 5. Januar 2010, 18:48:31 Uhr dazu, dass Alarmmeldungen sich in einer Endlosschleife wiederholten.[9]

Das Jahr-2010-Problem trat unerwartet auf, daher nahm die Behebung einige Zeit in Anspruch. Im Gegensatz dazu sind bei dem medial stark begleiteten Jahr-2000-Problem („Millennium-Bug“) Komplikationen weitgehend ausgeblieben bzw. konnten rasch behoben werden. Grund dafür dürften vor allem die im Vorfeld des Jahreswechsels 1999/2000 vorhergesagten Katastrophenszenarien sein, welche zu einer aufwändigen Vorbereitung der Softwarehersteller und -anwender beitrug.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei verschiedenen Systemen, insbesondere den EC-Karten, kommt zur Speicherung von Jahreszahlen der BCD-Code zum Einsatz, in dem die Zahlen von 0 bis 9 mit vier Bits dargestellt werden. Die (fehlerhafte) Interpretation einer so gespeicherten zweistelligen Jahreszahl (X'10', binär 0001 0000) als eine 1-Byte-Dualzahl führt zur Verwechslung von 10 und 16.

In anderen Programmen wurde an bestimmten Stellen etwa das Datumsformat 200x erwartet, so dass Daten im Jahr 2010 inkorrekt gehandhabt wurden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Französische Firma schuld an 2010-Fehler, Spiegel Online Wirtschaft
  2. http://www.sueddeutsche.de/finanzen/447/499721/text/
  3. „Kosten für Kartenpanne wird Bankkunden erstattet“ – Focus Online vom 8. Januar 2010
  4. http://www.cairns.com.au/article/2010/01/02/85845_local-business-news.html
  5. Jahr-2010-Problem im Spam-Filter von GMX – heise.de
  6. https://issues.apache.org/SpamAssassin/show_bug.cgi?id=6269
  7. a b http://www.crn.de/news/showArticle.jhtml?articleID=222200219
  8. SAP-Service Hinweis 1422843 (nur mit Zugangsberechtigung erreichbar)
  9. http://40hz.org/Pages/Newton%20Year%202010%20Problem