Jakob Friedrich Schöllkopf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Jakob Friedrich Schöllkopf

Jakob Friedrich Schöllkopf, (* 15. November 1819 in Kirchheim unter Teck; † 15. September 1899 in Buffalo, USA) war ein US-amerikanischer Unternehmer. Er war ein Pionier der amerikanischen Teerfarben-Industrie und der Gründer der Wasserkraftwerke der Niagara-Fälle.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schöllkopf Kraftwerk Nr. 3, Niagara County, NY

Jakob Friedrich Schöllkopf wurde als zwölftes von 15 Kindern des Rotgerbers Heinrich Schöllkopf und der Christina Margaretha Majer geboren. Von 1834 bis 1839 erlernte er im väterlichen Betrieb das Rotgerber-Handwerk und machte zusätzlich auch eine kaufmännische Ausbildung. 1841 wanderte er nach Amerika aus. Anfangs arbeitete er in New York City, 1844 ließ er sich in Buffalo oberhalb der Niagara-Fälle nieder. Dort gründete er ein Ledergeschäft und erwarb zwei Gerbereien. Begünstigt durch den Bedarf des Militärs im amerikanischen Bürgerkrieg nach billiger Kleidung kamen 1848 weitere Gerbereien in Milwaukee und Chicago hinzu. Ebenfalls 1848 heiratete er in Philadelphia Christiane Dürr, die Tochter eines Kirchheimer Bäckermeisters, der Ehe entstammten sieben Kinder. 1857 und 1870 erweiterte Schöllkopf sein Unternehmen jeweils durch den Kauf einer Getreidemühle („North Buffallo Flouring Mills“ und „Buffalo Frontier Mills“) in Buffalo.[1] Im Mai 1877 ersteigerte Schöllkopf das in Konkurs geratene millionenschwere Unternehmen „Hydraulic Canal“ und damit die Kraftausnutzungsrechte der Niagara-Fälle und gründete 1879 die Niagara Falls Hydraulic Power and Manufacturing Company zur Nutzung der Wasserkraft der Niagara-Fälle auf der amerikanischen Seite.[2] Die Erfindungen des Elektrodynamos und der Glühbirne begünstigten 1881 die Gründung des ersten Elektrizitätswerks an den Niagarafällen, der Brush Electric Light and Power Company. Mit 77.000 US-$ Startkapital hatte er seine Wasserkraftaktivitäten begonnen, 1992 betrug der Wert der Firmen 216 Millionen US-$.[3] Die Errichtung der Wasserkraftwerke an den Niagara-Fällen war von entscheidender Bedeutung für die Stromversorgung der Städte und Gemeinden sowie der Industrieunternehmen der Region und damit der wirtschaftlichen Entwicklung. In den neunziger Jahren versorgten Schöllkopfs Firmen den halben Staat New York mit elektrischer Energie.

Ebenfalls 1879 erbaute er eine chemische Fabrik und gründete die Schoellkopf Aniline and Chemical Company zur Herstellung von Anilin-Farbstoffen. In den 1880er Jahren baute er Zweigwerke in New York City und 1893 in Philadelphia. Nach seinem Tod wurden 1900 die drei Werke in der mit über drei Millionen US-$ Kapital ausgestatteten Schöllkopf, Hartford & Hanna Co. vereint, zu deren Präsident sein Sohn Jacob Frederick Schoellkopf junior gewählt wurde.

Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jakob Schöllkopf war auch als Wohltäter engagiert, und zwar sowohl in Buffalo wie auch in seiner alten Heimatstadt Kirchheim unter Teck. Jedes Jahr besuchte Schöllkopf später seine Heimatstadt. Bei seiner Visite im Jahr 1891 gründete er die „Schöllkopf-Vogelsche Stiftung“, welche die Not der „hier ansäßigen, würdigen Armen beiderlei Geschlechts, ohne Unterschied der Religionen“ lindern sollte. Aus Dankbarkeit überweist die Stiftung nach wie vor jährlich 10.000 US-Dollar an die Stadt Kirchheim sowie 50.000 Dollar an die Stadt Stuttgart.[1] Unter anderem sorgte er für die kostenlose Krankenhausbehandlung von Armen und Waisen. In Kirchheim stiftete er die neugotische Friedhofskapelle auf dem Stadtfriedhof. Für seine Verdienste ehrte ihn die Stadt Niagara Falls mit der Benennung einer Brücke. In Kirchheim erinnern die Schöllkopfstraße, der Schöllkopf-Brunnen und die Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule an ihn.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jacob Frederick Schoellkopf junior. In: William Richard Cutter (Hrsg.): Geneological and Family History of Western New York. Bd. I. 1912, S. 394.
  • Daniel M. Dumych: Niagara Falls. 1996, S. 114 (Bild; Auszug bei Google Books)
  • Landkreis Esslingen (Hrsg.) – Der Kreis Esslingen, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1978, S. 151–152, ISBN 3-8062-0171-4.
  • Diane Glynn: The Schoellkopfs, 1842-1994, A family history. 1995
  • Manfred Waßner: Jakob Friedrich Schöllkopf (1819–1899). Pionier zwischen Alter und Neuer Welt. Hrsg. vom Verein der Freunde und Förderer der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule. Dr. Media Verlag, Kirchheim unter Teck 2006, ISBN 3-933235-19-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jürgen Veit: Steiler Aufstieg eines Gerbers zum Millionär, aus Stuttgarter Zeitung vom 7. Januar 2016, S. 21
  2. Hartmut Keil: Schöllkopf, Jakob Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 374 (Digitalisat).
  3. Jacob F. Schoellkopf Auf: www.niagara2008.com