Jesuiten-Flüchtlingsdienst

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Logo des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Deutschland
Pater Claus Pfuff SJ, JRS-Direktor

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (Jesuit Refugee Service, JRS) ist eine internationale katholische Hilfsorganisation der Jesuiten. Er ist seit 1980 in verschiedenen Aspekten von Migration und Flucht weltweit tätig, seit 1995 auch in Deutschland.

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst engagiert sich in Berlin, Eisenhüttenstadt, Essen, Eichstätt, Erding und München in der Seelsorge in Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünften und Abschiebungshaftanstalten. Außerdem unterstützt er Geflüchtete, Migranten und Menschen mit unsicherem oder ohne Aufenthaltsstatus, damit sie ihre Rechte wahrnehmen und ihre Zukunft selbstbestimmt gestalten können. Dafür bietet er in Berlin kostenlose Beratung zu asyl-, aufenthalts- und sozialrechtlichen Fragen an und berät bundesweit Kirchengemeinden sowie Gemeinschaften in Fragen des Kirchenasyls.[1] In einem integrativen Wohnprojekt in Essen leben Jesuiten gemeinsam mit Geflüchteten.[2]

Um die Stimmen Geflüchteter in der Öffentlichkeit zu stärken, sorgt der JRS Deutschland außerdem für anwaltlichen Beistand in behördlichen und gerichtlichen Verfahren, betreibt politische Lobbyarbeit, beteiligt sich an gesellschaftlichen Debatten und fördert die Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund. Um mit ihnen Lebenswirklichkeiten darzustellen, initiiert der Jesuiten-Flüchtlingsdienst Ausstellungen. Neben dieser kontinuierlichen Arbeit reagiert er auf aktuelle Herausforderungen und initiiert flexible Unterstützungsangebote. Durch die Initiative junger Geflüchteter entstand beispielsweise während der Covid-19-Pandemie die Unterstützungsaktion „JRS hilft“.[3]

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst ist Gründungsmitglied im Katholischen Forum „Leben in der Illegalität“,[4] das sich für die sozialen Rechte von Menschen ohne Aufenthaltsstatus einsetzt. Außerdem ist er Initiator einer Abschiebungsbeobachtung am Flughafen Berlin-Brandenburg, bei welcher die Durchführung von Abschiebungen überwacht wird.

Direktor des deutschen Jesuiten-Flüchtlingsdienstes ist Pater Claus Pfuff SJ, der die Leitung im Sommer 2018 von Pater Fridolin Pflüger SJ († 19. Juni 2021) übernahm. Er ist außerdem Flüchtlingsseelsorger im Erzbistum Berlin und Vertreter des Erzbistums in der Berliner Härtefallkommission. Rechtsträger des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Deutschland ist die Deutsche Region der Jesuiten KdöR mit Sitz in München.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde der Jesuit Refugee Service am 14. November 1980 als Antwort der Gesellschaft Jesu auf das sich ständig verschärfende weltweite Flüchtlingsproblem. Die Gründung war eine Initiative des damaligen Generaloberen des Jesuitenordens P. Pedro Arrupe SJ angesichts des Elends der vietnamesischen Bootsflüchtlinge[5]. Seit 2000 ist die Hilfsorganisation als eine Stiftung des Vatikans registriert. Nach dem Selbstverständnis der Jesuiten gehört die Förderung der Gerechtigkeit notwendig zum Dienst am Glauben dazu[6].

2018 betreute der JRS weltweit etwa 680.000 Personen in mehr als 50 Ländern. Insgesamt arbeiten mehr als 7.000 Personen für den JRS[7]. Von 2007 bis 2015 wurde der JRS von dem deutschen Jesuiten P. Peter Balleis SJ geleitet. Seit 2015 ist Thomas Smolich SJ der Direktor des JRS International[8]. Unterteilt sind die Länder in sieben Regionen mit je einem übergeordneten Büro[9]. Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst in Deutschland gehört zur Region Europa mit einem Regionalbüro in Brüssel.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. jrs-germany.org: Unser Auftrag, abgerufen am 4. Januar 2021.
  2. jrs-germany.org: Abuna-Frans-Haus, Essen, abgerufen am 4. Januar 2021.
  3. jrs-germany.org: Aktion JRS hilft, abgerufen am 4. Januar 2021.
  4. Lisa Singer: Home. Abgerufen am 4. Januar 2021 (deutsch).
  5. Our History: The Legacy of Fr Pedro Arrupe SJ. In: JRS. Abgerufen am 4. Januar 2021 (britisches Englisch).
  6. Dekret 4 der 32. Generalkongregation der Gesellschaft Jesu (1974/75)
  7. https://jrs.net/wp-content/uploads/2019/06/JRS-2018-annual-report.pdf
  8. Governance. In: JRS. Abgerufen am 4. Januar 2021 (britisches Englisch).
  9. Where We Work. In: JRS. Abgerufen am 4. Januar 2021 (britisches Englisch).