Jiří Dienstbier (Politiker, 1969)

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Jiří Dienstbier

Jiří Dienstbier (* 27. Mai 1969 in Washington, D.C.) ist tschechischer Senator, 2011–2013 Vizevorsitzender der Tschechischen Sozialdemokratischen Partei (ČSSD) und war bei der Präsidentschaftswahl 2013 Kandidat für das Amt des Präsidenten der Tschechischen Republik.[1]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jiří Dienstbier, auch Jiří Dienstbier junior, ist der Sohn von Jiří Dienstbier, auch Jiří Dienstbier senior, und Zuzana Dienstbierová. Er kam in Washington D.C. zur Welt, als sein Vater dort als Korrespondent des tschechoslowakischen Rundfunks tätig war;[2] er besitzt daher auch die Staatsangehörigkeit der USA.[3] Nach der Rückkehr der Eltern in die Tschechoslowakei 1969 haben sich diese in der Dissidentenbewegung engagiert und beide zu den ersten Unterzeichnern der Charta 77 gehört. Dies hat auch die Jugend von Jiří Dienstbier junior beeinflusst: im Alter von vier Jahren wurde sein Vater zu 3 Jahren Haft wegen oppositioneller Tätigkeit verurteilt, er selber wurde gebrandmarkt, im April 1982 wegen angeblichen Diebstahls auf der Straße verhaftet, er durfte nicht seinem Wunsch nachgehen und weder eine Sprachenschule noch ein Gymnasium besuchen. Erst später durfte er eine Mittelschule für Maschinenbau besuchen, an der er 1988 das Abitur ablegte.[4]

In der Revolutionszeit um 1989 hat Jiří Dienstbier die unabhängige studentische Bewegung STUHA mitbegründet, die sich gegen das damalige kommunistische Regime engagierte.[5]

1997 hat Jiří Dienstbier ein Jura-Studium an der Karls-Universität Prag abgeschlossen. Seit 1998 arbeitet Jiří Dienstbier als selbstständiger Anwalt.

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 1990 bis 1992 war Jiří Dienstbier Abgeordneter der Föderativen Versammlung der Tschechoslowakei. Zwischen 1994 und 1998 sowie von 2006 bis 2010 war er Stadtvertreter für den Wahlbezirk Prag 2. Im Jahr 1997 ist Jiří Dienstbier der Tschechischen Sozialdemokratischen Partei (ČSSD) beigetreten.

Seit Juli 2010 fungiert er als Schattenminister für Justiz der Tschechischen Sozialdemokratischen Partei. Er war Kandidat der tschechischen Sozialdemokraten für das Amt des Prager Oberbürgermeisters bei den Kommunalwahlen im Oktober 2010, bei welchen die Tschechische Sozialdemokratische Partei ihr bestes Ergebnis erreichte.

Im März 2011 wurde er bei den Ergänzungswahlen im Wahlkreis seines Vaters für den Wahlbezirk Nr. 30 – Kladno zum Senator, Mitglied des Parlaments, gewählt. Sein Mandat dauert bis zum 25. Oktober 2014. Seit dem 18. März 2011 ist er auch Vizevorsitzender der ČSSD. Im Mai 2012 wurde Jiří Dienstbier zum Kandidaten der ČSSD für die Präsidentschaftswahl am 12. Januar 2013 gewählt. Jiří Dienstbier erreichte mit 16,12 Prozent Platz 4 und verfehlte somit den Einzug in die Stichwahl.[6]

Obwohl Dienstbier nach Meinungsumfragen zu den beliebtesten Politikern des Landes zählte, wurde er im März 2013 nicht in seiner Funktion als stellvertretender Parteivorsitzender der Sozialdemokraten bestätigt, die er ab 2011 innehatte.[7]

Dienstbier gehört jedoch seit Januar 2014 der Tschechischen Regierung als Vorsitzender des Legislativrates und Minister ohne Geschäftsbereich an.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zu seinem 21. Lebensjahr wusste Dienstbier, der in Washington geboren wurde, nicht, dass er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Seine Eltern haben ihm dies verheimlicht und nur Andeutungen gemacht. Erst als er 1990 mit weiteren Studenten, mit denen er einen Sprachkurs belegen wollte, das Visum in der Botschaft in Prag beantragte, wurde ihm dies – als Begründung für die Ablehnung des Antrags – mitgeteilt.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Samtene Revolution – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tschechien führt Direktwahl des Präsidenten ein auf Spiegel Online vom 9. Februar 2012 abgerufen am 20. Februar 2012
  2. Jirí Dienstbier im Spiegel 3/2011 abgerufen am 24. Oktober 2012
  3. a b Dientsbier: Do 21 let jsem nevěděl, že jsem Američan, in: lidovky / Lidové noviny, online auf: lidovky.cz/
  4. Brief von Zuzana Dienstbierová an den Innenminister, 9. April 1982, Faksimile des in INFOCH 4/1982 (VONS- und Charta-77-Rundbriefe), online u.a. auf: www.vons.cz/
  5. In seinem Aufsatz Samtene Revolution in Vergangenheit und Zukunft hat Timothy Garton Ash alle gewaltlosen Revolutionen von der portugiesischen Nelkenrevolution 1974 ab als Samtene Revolution bezeichnet und dies Attribut auch zukünftigen gewaltlosen Revolutionen zugeschrieben. Timothy Garton Ash: Samtene Revolution in Vergangenheit und Zukunft. In: Timothy Garton Ash: Jahrhundertwende. Weltpolitische Betrachtungen 2000–2010. Aus dem Englischen von Susanne Hornfeck. Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-23598-4, S. 87–100.
  6. volby.cz: Výsledek volby
  7. Martina Schneibergová, Sozialdemokratischer Parteitag: Beifall für Zeman, Ausscheiden von Dienstbier., Bericht von Radio Prag vom 18. März 2013, online auf: www.radio.cz/de/...