Československý rozhlas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Československý rozhlas (deutsch: Tschechoslowakischer Rundfunk) war von 1948 bis 1992 die staatliche Hörfunkanstalt der Tschechoslowakei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Senderstandorte der 1930er-Jahre

Der tschechoslowakische Rundfunk beginnt am 18. Mai 1923 als Radiojournal (eigentlich über Radiowellen verbreitete Zeitschrift) aus einem Zelt in Kbely[1] (ab 1925 Sender Prag-Strašnice) auf der Grundlage des Telegrafengesetzes.[2] 1924 zieht er in die Foch-Straße um, die heutige Vinohradská (ab 1932 Haus-Nr. 12). Es folgen Sender in Brünn (Komárov, 1924), Bratislava (1926), Košice (1927), Ostrava (1929), Liblice (1931, Prag I), Banská Bystrica (1936) und Prešov (1938). 1936 wird der Auslandsdienst aufgenommen (Kurzwellensender Poděbrady).

Ab Oktober 1938 strahlt der Sender Mělník deutschsprachige Programme aus. Infolge der im Münchner Abkommen erzwungenen Abtretung des Sudetenlandes an Deutschland kommt der Sender Ostrava-Svinov (Ostrau-Schönbrunn) als Sender Troppau zum Reichssender Breslau; als Ersatz wird im Dezember 1938 der tschechische Sender Ostrava-Mariánské hory (Marienberg) eröffnet. Ebenfalls im Dezember 1939 wird Radiojournal zum Česko-Slovenský rozhlas (Tschecho-Slowakischer Rundfunk). Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren wird der slowakische Rundfunk formal selbständig.[3] Der tschechische Rundfunk kehrt kurzzeitig zum Namen Radiojournal zurück, dann ab Juni 1939 Český rozhlas (Tschechischer Rundfunk), wobei der Sender Mělník als Reichssender Böhmen ausgegliedert wird,[4] ebenso der Kurzwellensender Podiebrad. Der Anfang 1939 fertiggestellte Sender Dobrochov (Dobrochau) verbreitet ab 1940 als deutscher Europa-Sender „Donau“ (später zusammen mit dem Sender „Alpen“ bei Graz) Propaganda Richtung Südosteuropa, überwiegend in Wien produziert. 1940/41 verliert der Tschechische Rundfunk die Reste seiner Autonomie und kommat als Rundfunk Böhmen und Mähren zur Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (ab 1942 Sendergruppe Böhmen und Mähren mit Mělník).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der wiedervereinte tschechoslowakische Rundfunk als Československý rozhlas (ČSRo) verstaatlicht,[5] mit einem zweisprachigen ersten Programm (1970–89 Hvězda, d. h. Stern), dem tschechischen Programm Praha und dem slowakischen Programm Bratislava. 1951/52 geht der Langwellensender Topolná in Betrieb. 1953 beginnt das Fernsehen (1970 zweites Programm). 1957 wird der Rundfunk einem Ausschuss für Radio und Fernsehen unterstellt (Československý výbor pro rozhlas a televisi, ČVRT)[6] und damit das Fernsehen verselbständigt. Im Prager Frühling 1968 spielt auch der Rundfunk unter Zdeněk Hejzlar eine Rolle. Im Hörfunk starten 1972 die Programme Vltava (benannt nach dem Fluss Moldau, tschechisch) und Devín (nach der Burg Devín, slowakisch) sowie das mehrsprachige Interprogramm, 1986 das Musikprogramm Melodie.

Mit der Aufgliederung des Landes stellt der Sender am 31. Dezember 1992 seine Arbeit ein und geht im Tschechischen (Český rozhlas, ČRo) und Slowakischen Hörfunk (Slovenský rozhlas, SRo) auf. Das erste Programm des Tschechischen Hörfunks heißt in Anlehnung an die Anfänge Radiožurnál.

Leiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 1923–25 Richard Gemperle
  2. 1925–38 Ladislav Šourek
  3. 1938–40 Jindřich Dobiáš; 1939 Miloš Ruppeldt (Slowakei)
  4. 1940–41 Hubert Masařík (Böhmen und Mähren); 1939–44 Emil Rusko (Slowakei)
  5. 1942–45 Ferdinand Thürmer (Böhmen und Mähren); 1944 Ferdinand Hoffman (Slowakei, faktisch)
  6. 1945 Otakar Matoušek
  7. 1945–48 Bohuslav Laštovička
  8. 1948–52 Kazimír Stahl
  9. 1952 Josef Věromír Pleva
  10. 1952–53 Václav Kopecký
  11. 1953–54 Jozef Vrabec
  12. 1954–57 František Nečásek
  13. 1958–59 Jaromír Hřebík
  14. 1959–67 Karel Hoffmann
  15. 1967–68 Miloš Marko
  16. 1968 Zdeněk Hejzlar
  17. 1968–69 Odon Závodský
  18. 1969–70 Bohuslav Chňoupek
  19. 1970–89 Ján Riško
  20. 1989 Karel Kvapil
  21. 1989–90 Karel Starý
  22. 1990–91 František Pavlíček
  23. 1991 Richard Seemann
  24. 1991–92 Peter Duhan

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Od mikrofonu k posluchačům. Český rozhlas, Praha 2003

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 80 Jahre Tschechischer Rundfunk
  2. Zákon ze dne 23. března 1923 o telegrafech, č. 60/1923 Sb.
  3. Vladimír Draxler: Der Slowakische Rundfunk 1938–1945. Bohemia 51 (2011) 1, S. 130–163
  4. Der Rundfunk im Protektorat IV: der Reichssender Böhmen
  5. Zákon ze dne 28. dubna 1948 o postátnění Československého rozhlasu, č. 137/1948 Sb.
  6. Vládní nařízení ze dne 29. listopadu 1957 o nové organisaci rozhlasu a televise, č. 62/1957 Sb.