Johann Ludwig Casper

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Johann Ludwig Casper (1832).

Johann Ludwig Casper (* 11. März 1796 in Berlin; † 24. Februar 1864 ebenda), vormals Hirsch Casper,[1] war ein deutscher Rechtsmediziner.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Ludwig Casper war der Sohn des jüdischen Baumwolldruckers Jochim Casper (um 1743–vor 1787) und der Gente (um 1748–1824), geb. Salomon.[2] Seine Geschwister waren Carl Johann Theodor († 19. Januar 1828),[3] Wilhelmine Adelheid († 22. Dezember 1829), seit 1817 verheiratet mit dem Bankier Christian Leopold Liman (1784–1833),[1] und Henriette Louise Adelheid Casper († 4. September 1866), die nach dem Tod ihrer Schwester den verwitweten Liman heiratete.

Casper bereitete sich zunächst auf den Apothekerberuf vor und studierte dann in Berlin, Göttingen und Halle, wo er 1819 promovierte. Als Medizinstudent schrieb er die Libretti zu den ersten vier Opern des jugendlichen Felix Mendelssohn Bartholdy. Unter dem Pseudonym Till Ballistarius veröffentlichte er 1818 das romantische Trauerspiel Die Karfunkel-Weihe.

Die Töchter Elise und Pauline, etwa im vierzehnten Lebensjahr. Doppel­porträt von Eduard Magnus (um 1840)

1823 heiratete Johann Ludwig Casper Fanny Maria Eusebia (* 31. Juli 1798; † 11. April 1845), geb. Robert-Tornow, die Nichte Rahel Varnhagens.[2] Das Ehepaar hatte vier Töchter: Elise Antonia Luise (1824–1903), nach 1871 in Dresden verehelicht mit Georg Eduard Martin Schläger (1828–1895),[4], sowie Pauline (1825–1904), Bertha (1829–1833) und Clara (1835–1894). Während Bertha früh verstarb, bliebe Pauline und Clara zeitlebens unverheiratet. Auch Elise trennte sich nach kurzer Frist 1894 von ihrem Ehemann, einem Sohn des Hamelner Pfarrers Franz Georg Ferdinand Schläger, der in Dresden blieb, wo er für antisemitische Zeitungen schrieb, und in Plauen verstarb. 1853 heiratete Johann Ludwig Casper in zweiter Ehe Clara (um 1800–1868), geborene Jäger, Tochter eines Schneiders und zuvor seit etwa 1830 Erzieherin seiner Töchter.

1824 wurde Casper Privatdozent, 1825 Extraordinarius und Medizinalrat im Brandenburgischen Medizinalcollegium, von 1839 bis zu seinem Tod 1864 ordentlicher Professor für Medicina forensis und Medicina publica an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Seit 1841 war er zudem städtischer Gerichtsphysikus.[2]

Ab 1852 gab er die Vierteljahrsschrift für gerichtliche und öffentliche Medizin heraus.

1864 starb Johann Ludwig Casper im Alter von 67 Jahren in Berlin und wurde auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg beigesetzt. Sein Haus in der Bellevuestraße No. 16, in dem seine Witwe und die drei Töchter lebten, fiel nach dem Tod von Pauline Casper an die Universität Berlin als Teil der Casperschen Stiftung, deren Aufgabe die Erteilung von Stipendien ausschließlich an evangelisch getaufte Studierende war.[5] Zwei Jahre später verstarb seine Schwester Henriette, deren Tochter Maria Wilhelmine Theodore (1833–1905), Caspers Nichte, mit ihrem Ehemann, dem Hauptmann a. D. Julius Karl Heinrich von Schkopp (1830–1882), 1905 testamentarisch die Errichtung einer „Henriette-Liman-Casper-Stiftung für würdige, hilfsbedürftige, elternlose Töchter des Beamten-, Offizier-, Gelehrten oder Kaufmannstandes“ und eine weitere Stiftung für jährlich acht „hilfsbedürftige Töchter gebildeter Eltern“ verfügte.[6]

Caspers Grabstätte ist nicht erhalten geblieben.[7]

Nach Johann Ludwig Casper ist die Casper-Regel benannt, eine grobe Einschätzung über die Liegezeit von Leichen.

Sein Neffe Carl Liman, Sohn von Christian Leopold und Wilhelmine Adelheid Liman, geb. Casper, wurde ebenfalls Rechtsmediziner und veröffentlichte ab der 5. Auflage (1871) das Handbuch der gerichtlichen Medizin weiter.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Jacob Jacobson: Jüdische Trauungen in Berlin 1759 bis 1813. Mit Ergänzungen für die Jahre 1723 bis 1759., de Gruyter, Berlin 1868 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin Bd. 28, Quellenwerke Bd. 4), S. 373.
  2. a b c Renata Buzzo Màrgari Barovero: Anhang zu Rahel Levin Varnhagen: Familienbriefe. Hrsg. v. ders., C. H. Beck, München 2009 (ERLV III), S. 1415–1470.
  3. Vgl. die Annonce im Hamburgischen unpartheiishen Correspondenten Nr. 60, 12. April 1828, Beylage.
  4. Elise & Pauline: Was aus Rahels Großnichten wurde. In: Gazzettino. Mitteilungen der Varnhagen Gesellschaft e. V. 42 (2018) (Web-Ressource).
  5. Satzungen der Casper’schen Stiftung. Hrsg. von Rektor und Senat der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universität, Berlin 1907.
  6. Die Wohlthätigkeitspflege. In: Bericht über die Gemeinde-Verwaltung der Stadt Berlin in den Verwaltungsjahren 1901 bis 1905, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1908 S. 50 (Web-Ressource).
  7. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Grabstätten. Haude & Spener, Berlin 2006. S. 300.