John Hattie

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John Hattie 2014

John Hattie, ONZM geboren als John Allan Clinton Hattie (* 1950 in Timaru), ist ein neuseeländischer Pädagoge. Seit 2011 ist er Professor für Erziehungswissenschaften und Direktor des Melbourne Education Research Institute an der University of Melbourne (Australien).[1] Zuvor war er Professor für Erziehungswissenschaften an der University of Auckland.

Arbeitsgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinen Forschungen beschäftigt er sich vor allem mit Einflussfaktoren auf gelingende Schülerleistungen, mit Kreativität und Modellen des Lehrens und Lernens. Er ist ein Verfechter der evidenzbasierten, quantitativen Forschungsmethoden, um die Wirkungsfaktoren auf Schülerleistungen zu untersuchen.

Bekannt geworden ist John Hattie durch die Hattie-Studie, eine Meta-Analyse über Meta-Analysen, die er in seinem Buch Visible Learning präsentierte. Er stellte Indikatoren für gute Schülerleistungen zusammen und legte dar, dass es weiterhin stark auf die Lehrperson ankomme, ob Schüler in der Schule erfolgreich sind.

Die Studie wurde auch von deutschen Pädagogen wie Eckhard Klieme und Andreas Helmke rezipiert.[2]

Die Erkenntnisse werden bundesweit in den Fortbildungseinrichtungen der Bildungsministerien rezipiert, so z. B. im hessischen Amt für Lehrerbildung.[3] Bildungsminister Mathias Brodkorb kündigte im Oktober 2014 an, allen Lehrern in Mecklenburg-Vorpommern eine von Klaus Zierer im Auftrag des Schweriner Bildungsministeriums[4] verfasste Kurzfassung der Hattie-Studie zukommen zu lassen.[5] Diese erschien unter dem Titel Hattie für gestresste Lehrer und ist mittlerweile auch als eigenständige Publikation erhältlich.[6]

Im April 2013 erschien die deutschsprachige Ausgabe von Visible Learning unter dem Titel Lernen sichtbar machen und im Januar 2014 erschien die deutschsprachige Ausgabe von Visible Learning for Teachers unter dem Titel Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Die Übersetzung besorgte Klaus Zierer zusammen mit Wolfgang Beywl.

In seinen jüngsten Arbeiten widmet er sich verstärkt der Frage, wie das Denken von Lehrpersonen Einfluss auf das Lernen von Schülerinnen und Schülern hat. So setzte sich die jährlich stattfindende Visible Learning Conference[7] mit diesem Thema auseinander und 2017 erscheint dazu in Zusammenarbeit mit Klaus Zierer Ten Mindframes for Visible Learning: Teaching for success,[8] das bereits 2016 auf Deutsch unter dem Titel Kenne deinen Einfluss! „Visible Learning“ für die Unterrichtspraxis[9] erschienen ist.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inez De Florio-Hansen kritisiert, dass Hattie sich auf messbare kognitive Faktoren beschränkt und keine Gewichtung der ermittelten 138 Faktoren vornimmt.[10] So geht der Faktor „Geburtsgewicht“ in gleicher Weise in die Auflistung ein wie „herausfordernde Ziele“ oder „kooperatives Lernen“. Hinzukommt nach De Florio-Hansen, dass Hattie affektive und soziale Aspekte in keiner Weise berücksichtigt.[10] Hattie räumt zwar ein, dass sie sogar wichtiger sein können als die von ihm angeführten Faktoren, dass sie aber nicht in seinem Blickfeld liegen (so in Visible learning. London, New York 2009).[11] Im Jahre 2014 machten Rolf Schulmeister und Jörn Loviscach anhand von Stichproben auf sachliche, methodische und statistische Fehler in der Hattie-Studie aufmerksam.[12]

Benedikt Wisniewski bemängelt, dass die Rezeption der Hattie-Metaanalyse derzeit durch starke Vereinfachungen sowie unzureichende forschungsmethodische Kenntnisse konkurrierender Bildungsforscher geprägt sei.[13] Olaf Köller weist darauf hin, dass Hatties Buch „Visible Learning“ ein vielgestaltiges Echo hervorrief; so habe man es von Seiten der Bildungsforschung einerseits zur Bestätigung eigener Ansichten herangezogen, andererseits aber auch auf Grund vorgefundener Defizite als unbrauchbar abgelehnt. Demgegenüber gibt Köller zu bedenken, dass Hatties Aussagen zur Unterrichtswirksamkeit von unabhängigen „Primärstudien“ und „überblicksartigen Sammlungen von Forschungsergebnissen“ in der Regel geteilt werden.[14] Hattie merkt selbstkritisch an, dass im Falle von Meta-Analysen die Gefahr bestehe, Wirkungszusammenhänge abzuleiten und diese nicht ausreichend zu erklären, weshalb er in seinem Buch verstärkt die Entwicklung einer evidenzbasierten Erklärung beabsichtige: „Meine Aufgabe sehe ich darin, eine Folge von Thesen mit hohem Erklärungswert vorzustellen, die viele (anfechtbare) Vermutungen enthalten.“[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2011 wurde er für seine Leistungen in der Pädagogik durch Queen Elisabeth II. zum Officer des New Zealand Order of Merit (ONZM) ernannt.[16] 2016 erhielt er ein Ehrendoktorat der Universität Augsburg.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Self-concept. L. Earlbaum Associates, Hillsdale 1992, ISBN 0-89859-629-7.
  • Visible learning. Routledge, London, New York 2009, ISBN 978-0-415-47618-8.
  • Intelligence and Intelligence Testing. Taylor & Francis Ltd, London u.a. 2011, ISBN 978-0-415-60092-7.
  • Visible learning for teachers. Routledge, London / New York 2012, ISBN 978-0-415-69015-7.
  • International guide to student achievement. Routledge, London / New York 2012, ISBN 978-0-415-87898-2.
  • Lernen sichtbar machen. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2013, ISBN 978-3-8340-1190-9.
  • Lernen sichtbar machen. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2015, ISBN 978-3-8340-1450-4.
  • Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2014, ISBN 978-3-8340-1300-2.
  • Visible learning into Action: : International Case Studies of Impact. Routledge, London / New York 2015, ISBN 978-1-138-64229-4.
  • Zusammen mit Klaus Zierer: Kenne deinen Einfluss! „Visible Learning“ für die Unterrichtspraxis. Schneider Verlag Honetteren, Baltmannsweiler 2016, ISBN 978-3-8340-1650-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John Hattie to lead MGSE’s Melbourne Education Research Institute. In: Melbourne University Staff / Student E-news. Nr. 50, Dezember 2010.
  2. Martin Spiewak: Hattie-Studie: Ich bin superwichtig! In: DIE ZEIT Nr. 2/2013. 3. Januar 2013.
  3. Amt für Lehrerbildung (Hrsg.): Bildung bewegt. Nr. 13, Juni 2011 (lehrerbildung.lsa.hessen.de PDF; 3,23 MB)
  4. svz.de
  5. welt.de
  6. portal.dnb.de
  7. 2016 Annual Visible Learning Conference – Cvent | Online Registration by Cvent. Abgerufen am 30. Januar 2017.
  8. John Hattie, Klaus Zierer: Ten Mindframes For Visible Learning: Teaching for success. Routledge, Place of publication not identified 2017, ISBN 978-1-138-63552-4.
  9. John Hattie, Klaus Zierer: Kenne deinen Einfluss!: Visible Learning für die Unterrichtspraxis. 1. Auflage. Schneider Hohengehren, 2016, ISBN 978-3-8340-1650-8.
  10. a b Inez De Florio-Hansen: Lernwirksamer Unterricht. Eine praxisorientierte Anleitung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (BG), Darmstadt 2014, ISBN 978-3-534-26379-0, S. 28.
  11. Inez De Florio-Hansen: Lernwirksamer Unterricht. Eine praxisorientierte Anleitung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (BG), Darmstadt 2014, ISBN 978-3-534-26379-0, S. 29–37.
  12. Rolf Schulmeister, Jörn Loviscach: Fehler in John Hatties „sichtbarem Lernen“, abgerufen am 6. Juni 2015.
  13. Vgl. Benedikt Wisniewski: Psychologie für die Lehrerbildung. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2. Auflage 2016, S. 256
  14. Vgl. Olaf Köller: „What works best in school? Hatties Befunde zu Effekten von Schul- und Unterrichtsvariablen auf Schulleistungen“. In: Die Hattie-Studie in der Diskussion. Klett/Kallmeyer, Seelze 2. Auflage 2014, ISBN 978-3-7800-4804-2. S. 24 f.
  15. John Hattie: Lernen sichtbar machen. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2015, ISBN 978-3-8340-1450-4. S. 279 f.
  16. Department of the Prime Minister and Cabinet: The Queen’s Birthday Honours List 2011