Klaus Zierer

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Klaus Zierer (* 26. April 1976 in Vilsbiburg) ist ein deutscher Erziehungswissenschaftler und seit 2015 Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. Davor war er seit 2011 Professor für Erziehungswissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Nachfolge Hilbert Meyer).

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zierer studierte von 1996 bis 2001 Grundschulpädagogik und war von 2004 bis 2009 als Grundschullehrer tätig. An der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde er 2003 promoviert und 2009 mit einer international vergleichenden Arbeit über eklektisches Vorgehen in Lehrbüchern der Didaktik und des Instructional Designs habilitiert. Im Rahmen seiner Habilitation war er im Jahr 2009 für ein Trimester als Visiting Research Fellow am Department of Education der University of Oxford und ist seit 2010 Associate Research Fellow am dort angesiedelten ESRC Centre on Skills, Knowledge and Organisational Performance (SKOPE). Sein Œuvre umfasst ein breites Spektrum und reicht von theoretischen Artikeln bis hin zu praktischen Beiträgen.

Hervorhebenswert sind die Arbeiten ("Visible Learning") im Anschluss an von John Hattie, die er zunächst mit Wolfgang Beywl ins Deutsche übertragen hat, mittlerweile aber auch in eigenständigen Projekten und Publikationen fortführt. Im deutschsprachigen Raum gilt er wegen dieser Publikationen als der führende Hattie-Experte.

Zudem bringt er sich seit Jahren immer wieder in bildungspolitische Debatten ein und gilt als einer der einflussreichsten Schulpädagogen in Deutschland.[1][2] Besonders eindringlich sind seine Appelle im Kontext einer Digitalisierung des Bildungsbereiches. Ausgehend von einer bildungsphilosophischen Fundierung und einer Absicherung durch Ergebnisse der empirischen Bildungsforschung argumentiert er für eine Digitalisierung an Schulen, deren Möglichkeiten und Grenzen in den Blick zu nehmen sind.[3][4]

Zu den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat er mehrere Beiträge verfasst und spricht von einer drohenden Bildungskatastrophe,[5] weil die Maßnahmen aus seiner Sicht eine pädagogische Betrachtungsweise vermissen lassen und dadurch der nachwachsenden Generation im Hinblick auf Bildungsprozesse Nachteile zuteilwerden, die vor allem Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus treffen und nur schwer zu kompensieren sind.[6]

Sein Buch "Ein Jahr zum Vergessen – Wie wir die drohende Bildungskatastrophe nach Corona verhindern können" versteht sich als pädagogischer Weckruf, der nicht nur die Folgen der Corona-Pandemie in den Blick nimmt, sondern grundsätzlich für eine Weiterentwicklung des Schulsystems entlang humanistischer Grundsätze und empirischer Forschungsergebnisse plädiert. Zur Frankfurter Buchmesse 2021 wurde Zierer damit auf das "Blaue Sofa" eingeladen,[7] die der Spiegel als "Ruhmesrampe der Buchmesse" bezeichnet.[8]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grundschule als pädagogisch gestalteter Lebensraum. Schneider, 2003.
  • Alles prüfen! Das Beste behalten! Zur Eklektik in Lehrbüchern der Didaktik und des Instructional Design. Schneider, 2010.
  • (Hrsg., mit Wolf-Thorsten Saalfrank): Zeitgemäße Klassiker der Pädagogik. Schöningh, 2010.
  • (Hrsg., mit Wolf-Thorsten Saalfrank): Pädagogik der Antike. Schöningh, 2012.
  • (Hrsg.): Leitfaden Schulpraktikum. 2. Auflage. Schneider, 2014.
  • Mit Reinhard Kardinal Marx: Glaube und Bildung. Schöningh, 2013.
  • Lernen sichtbar machen. Deutsche Ausgabe von John Hatties Visible Learning. Schneider, 2013.
  • Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen. Deutsche Ausgabe von John Hatties Visible Learning for Teachers. Schneider, 2014.
  • Hattie für gestresste Lehrer – Kernbotschaften und Handlungsempfehlungen aus John Hatties ‘Visible Learning‘ und ‘Visible Learning for Teachers‘. Schneider, 2014.
  • Mit Julian Nida-Rümelin: Auf dem Weg in eine neue deutsche Bildungskatastrophe. Herder, 2015.
  • Mit John Hattie: Kenne deinen Einfluss! 'Visible Learning' für die Unterrichtspraxis. Schneider, 2016.
  • Mit Benedikt Wisniewski: Visible Feedback – Leitfaden für erfolgreiches Unterrichtsfeedback. Schneider, 2017.
  • Mit John Hattie: Visible Learning auf den Punkt gebracht. Schneider, 2018.
  • Prinzip Freude: Jugendliche haben ein Recht auf Unbeschwertheit. Kösel, 2021
  • Ein Jahr zum Vergessen. Wie wir die drohende Bildungskatastrophe nach Corona verhindern können. Herder, 2021

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anna Günther: Augsburg: Lehramtsstudium der Uni Augsburg. Abgerufen am 2. Mai 2021.
  2. Friedrich Conradi: Stehen wir vor einer Bildungskatastrophe, Herr Zierer? Abgerufen am 8. Oktober 2021.
  3. Zierer, Klaus: Lernen 4.0 - Pädagogik vor Technik. Schneider, ISBN 3-8340-2030-3.
  4. Julian Nida-Rümelin und Klaus Zierer: Digitale Bildung: Vernunft und Empirie helfen weiter. Abgerufen am 2. Mai 2021.
  5. Zierer, Klaus: Der schulische Corona-Stotterbetrieb erzeugt viel Leerlauf und soziale Ungerechtigkeit. Die Hinweise auf eine Bildungskatastrophe mehren sich. Abgerufen am 2. Mai 2021.
  6. Zierer, Klaus: Ein Jahr zum Vergessen. Wie wir die drohende Bildungskatastrophe nach Corona verhindern können. Herder, Freiburg, ISBN 3-451-07228-9.
  7. Die Blaue Stunde: Der lange Atem von Corona. Abgerufen am 11. Oktober 2021.
  8. Klaus Brinkbäumer: Die Ruhmesrampe. In: Der Spiegel. 12. Oktober 2003, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 8. Oktober 2021]).