Josef Ruederer

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Lovis Corinth: Porträt des Dichters Josef Ruederer, 1904

Josef Anton Heinrich Ruederer (* 15. Oktober 1861 in München; † 20. Oktober 1915 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruederes Vater besaß in München ein Bankgeschäft, war Mitbegründer und Großaktionär der Löwenbrauerei sowie portugiesischer Generalkonsul und gehörte somit also zu dem Großbürgertum der Stadt. Seine Mutter stammte aus einer reichen Bierbrauerfamilie. Josef Ruederer machte nach seiner Gymnasialzeit ein Bankvolontariat, anschließend studierte er in Berlin Geschichte und promovierte zum Dr. phil. 1888. Auf Grund einer gescheiterten Patentsache verlor er einen Großteil seines Vermögens und zog nach Farchant bei Garmisch. Er wandte sich der Schriftstellerei zu und kehrte nach München zurück. Er gehörte zum Umfeld der Münchner Sezession und hatte Kontakte zur Zeitschrift Die Gesellschaft. 1901 war er Mitgründer des Kabaretts Die Elf Scharfrichter.

In den Romanen und Komödien vor dem Ersten Weltkrieg prangerte er den sittlichen Verfall in der Stadt, die Korruption, Heuchelei, das „Schnackerlhafte“ der Oberbayern an. Er ging somit auf Konfrontation mit Ludwig Thoma, der ihn als „allem Ländlichen fernstehenden Städter“ beschrieb, der schon die einfachsten Dinge falsch und unvollkommen wiedergibt.

Im Weltkrieg stand Ruederer der deutschen Sache kritisch gegenüber und begann ein mehrbändiges Romanwerk, dessen ersten Teil er 1915 kurz vor seinem Tod fertigstellte. Er wurde 1916 als Das Erwachen veröffentlicht, 1962 nochmal als Weißblaue Achtundvierziger. In diesem Roman schildert er die Entwicklung Münchens zur Zeit König Ludwig I.

Werke (in Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geopfert! Eine Episode aus dem Leben eines Offiziers, 1892
  • Ein Verrückter. Kampf und Ende eines Lehrers (Roman), 1894
  • Die Fahnenweihe (Komödie), 1895
  • Tragikomödien (Erzählungen), 1897
  • Wallfahrer-, Maler- und Mördergeschichten (Erzählungen), 1899
  • Die Morgenröte (Komödie), 1904
  • Münchener Satiren, 1907
  • Wolkenkuckucksheim (Komödie), 1909
  • Das Grab des Herrn Schafbeck (Novelle), 1912
  • Das Erwachen (Erster Band eines Romanwerkes), 1916
  • Prinz Dschem (Tragikomödie), 1920
  • Hochzeiter und Hochzeiterin (Tragikomödie), 1927

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Freksa: Josef Ruederer und Das Wolkenkuckucksheim. Eine Streitschrift. Georg Müller, München u. a. 1908 (= Münchener Broschüren; 5)
  • Eduard Gudenrath: Das dramatische Werk von Josef Ruederer. Ein Beitrag zur Geschichte der modernen Dramatik. Univ. Diss., München 1924.
  • Claudia Müller-Stratmann: Josef Ruederer (1861-1915). Leben und Werk eines Münchner Dichters der Jahrhundertwende. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1994 (= Regensburger Beiträge zur deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft; Reihe B, Untersuchungen; 56) ISBN 3-631-45922-X
  • Gertrud Maria Rösch: Ruederer, Josef Anton Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 212 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]