Joyn

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Joyn
Das Logo von Joyn
Entwickler GSM Association
Erscheinungsjahr 2012
Aktuelle Version
Betriebssystem Apple iOS, Android, Windows Phone 8
Kategorie Instant Messaging
Lizenz proprietäre Software
Deutschsprachig ja
www.joynus.com/
Mobile Videotelefonie

Joyn (Eigenschreibung „joyn“; mittlerweile nur noch unter dem Begriff "RCS" oder unter den Produktnamen "message+", "message+call" oder "call+ & message+" im Markt) ist ein Mobile Messaging Service der Mobilfunkindustrie, entwickelt unter Schirmherrschaft des Network 2020 Programmes der GSMA, des Industrieverbandes der internationalen Mobilfunkanbieter.[1] Die Technik ermöglicht unter anderem Kurznachrichten, Chat, Gruppen-Chat, Videotelefonie und die Übertragung von Ortsangaben, Sprache und Dateien.[2] Die Kosten für RCS sind wie bei SMS, MMS und Telefonie anbieterabhängig.[3] RCS soll insbesondere mit mobilen Instant-Messenger-Diensten wie WhatsApp, Google+ Hangouts, LINE; Apple iMessage und Facebook Messenger konkurrieren, die für die Mobilfunkanbieter nicht monetarisierbar sind.[4]

Verfügbarkeit und Unterstützung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vodafone bietet mittlerweile unter dem Namen "call+ & message+"[5] an. Bei der Deutschen Telekom läuft der Service unter "message+"[6]. Bei Telefónica (o2, E-Plus) läuft der Service unter "message+call"[7], hier jedoch mit einem Fokus auf WLAN calling.

Insgesamt zehn Endgerätehersteller[8] unterstützen RCS oder haben begonnen, Geräte auszuliefern, auf denen RCS bereits vorinstalliert beziehungsweise native implementiert ist:[9] Sony, Samsung, LG, Blackberry, Nokia, Motorola, HTC, Alcatel OneTouch, ZTE, Huawei. Apps für Android und iOS werden bereits von mehreren Software-Entwicklungsfirmen angeboten, u. a. WIT[10] und Summit-Tech[11]. Für den Endkunden bieten die Mobilfunkunternehmen in Deutschland je eine App für iOS und Android an.

Applikationen in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Telekom unterstützt den RCS-Standard mit der App „Telekom Message+ (RCS)“ auf Android[12] und iOS[13].

Vodafone bietet für iOS die App „Vodafone Message+“[14] und für Android die App „Vodafone Call+ & Message+“[15] an.

O2 bietet seine App „o2 Message+Call“ für iOS[16] sowie in einer Beta-Version für Android[17] an.

Entwicklung & Historie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der ursprünglichen Rich Communication Suite begann 2008 auf Initiative Nokias und wird seither vom internationalen Branchenverband der GSM-Provider (GSMA) vorangetrieben. Nach 2011 wurde das Produkt in „Rich Communications Suite enhanced“, abgekürzt RCS-e umbenannt und der Markenname "joyn" eingeführt. Die gestiegene Bereitschaft der GSM Mobilfunkunternehmen in diese neue Technologie zu investieren, war nicht zuletzt darin begründet, wegbrechende Einnahmen aus dem Rückgang des SMS-Dienstes mit einem neuen, multimediafähigen Dienst auszugleichen.

In Deutschland war die Einführung von der Deutschen Telekom, Vodafone und O2 ursprünglich für Ende 2011 geplant, verschob sich jedoch mehrmals.[18] Die offizielle Premiere fand auf dem GSMA Mobile World Congress 2012 statt.[19] Nachdem Vodafone den Dienst im April 2012 gelauncht hatte, folgte die Telekom Deutschland und bot den Dienst seit dem 5. März 2013 im Beta-Stadium an. Anfang April 2014 veröffentlichte die Telekom neue Apps für die Nutzung von Joyn, später folgte eine Umbenennung in "Nachrichten+". Bei O2 sollte Joyn ursprünglich bereits 2013 gestartet werden, eine App mit entsprechenden Funktionen erschien jedoch erst im August 2015 (im Beta-Stadium).[20][21] E-Plus wollte anfänglich (noch vor der Übernahme durch O2) die Entwicklung abwarten,[22] künftig soll die Nutzung der O2-App auch für E-Plus-Kunden möglich sein.[20]

Technische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einbindung in Android-Smartphones erfolgte schon ab Version 2.3 und in iOS ab Version 4.3, derzeit über eine App. Mittlerweile, nicht zuletzt durch die Akquisition der RCS SAAS Plattform Jibe Mobile[23] durch Google und der parallelen Ankündigung seitens der GSMA ein "Universal Profile"[24] für RCS zu schaffen, soll die Technik fest in die mobilen Betriebssysteme integriert werden.[25]

RCS greift auf bestehende Standards der 3GPP und Open Mobile Alliance (OMA) zurück. Er soll die Stärke des GSM-Standards, die einfache und intuitive Handhabung, nutzen und um die geplanten Zusatzfunktionen (siehe unten) erweitern.[26] Zentrale Neuerung ist ein verbessertes Telefonbuch, in dem die Funktionen zusammenlaufen. Dieses soll zukünftig anzeigen, welche Art der Kontaktaufnahme möglich ist. Hat der zu Kontaktierende eine schlechte Internetverbindung, soll ein Videotelefonat gar nicht erst angeboten werden.[25]

Geplante Merkmale und Funktionen von RCS-e:[27][28]

  • Möglichkeiten der Erreichbarkeit
  • erweiterte Telefonie (klassische mobile Sprachtelefonie mit gleichzeitiger IP-basierter Videoübertragung, Instant Messaging oder Übertragung von Dateien)
  • Textnachrichten mit einem oder mehreren Teilnehmern
  • Austausch von Bild- und Videodateien (auch während eines Telefonats oder mit verzögerter Auslieferung, wenn der Empfänger nicht erreichbar ist) und Kontaktinformationen (VCARDs)
  • Ortung des Kontakts (nach Erlaubnis des zu Ortenden)
  • SMS
  • MMS
  • einfache Anpassung der Benutzeroberfläche, beispielsweise durch Hersteller oder Anbieter
  • unterstützte Audio-Codecs: AMR-NB, AMR-WB, G.711 a-law, G.711 u-law, Speex, iLBC
  • unterstützte Video-Codecs: H.263, H.264, WebM

Zur Markteinführung sollen nach Herstellerangaben folgende Funktionen verfügbar sein: [29]

Auf Netzwerkebene setzt RCS-e auf folgenden Protokollen auf:

Vergleich mit anderen Anbietern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zu zentralisierten Diensten wie WhatsApp steht es jedem Mobilfunkanbieter frei, seine eigene Infrastruktur aufzubauen. Über sogenannte „Interconnects“ wird sichergestellt, dass auch anbieterübergreifend eine Kommunikation möglich ist.[30]

Whatsapp sendet, je nach Plattform ggf. ohne Notwendigkeit einer Nutzerbestätigung, alle lokal auf dem Telefon gespeicherten Telefonnummern zum zentralen Whatsapp-Server, um festzustellen, welcher Telefonbucheintrag bereits Whatsapp-Nutzer ist. Bei RCS-e dagegen sendet das Endgerät SIP-Nachrichten zu den Kontakten im Telefonbuch und wartet auf eine Antwort von dem angefragten Endgerät. Es werden keine Telefonbucheinträge auf einem zentralen Server gespeichert. Dies und die dezentrale Struktur machen Joyn aus Datenschutz-Sicht sicherer als die konkrete Alternative Whatsapp.

Wichtige Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Legende:
Alte Version
Ältere Version; noch unterstützt
Aktuelle Version
Aktuelle Vorabversion
Zukünftige Version
Version Veröffentlichung Wichtigste Änderungen
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 1.0 Erste Definitionen zur Verbindung von Sprache und Chat mit dem Telefonbuch[31]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 2.0 Verbesserungen beim "messaging"; ermöglicht Austausch von Dateien[31]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 3.0 Vorrang der Breitbandnutzung[31]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 4.0 LTE-Unterstützung[31]
Ältere Version; nicht mehr unterstützt: 5.0 27. Februar 2012 Geolocation;[32] Offizielle Vorstellung auf dem Mobile World Congress 2012.[33]
Aktuelle Version: 5.1 20. Juli 2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. GSMA: Rich Communications, abgerufen am 17. September 2012
  2. GSMA: Rich Communications Specifications, abgerufen am 17. September 2012
  3. GSMA: Rich Communications Commercialisation, abgerufen am 17. September 2012
  4. GSMA: Rich Communications Thinking of evaluating RCS?, abgerufen am 17. September 2012
  5. Vodafone: Call+ und Message+ kommen im September. In: iPhone-Ticker.de. Abgerufen am 14. Juni 2016.
  6. Deutsche Telekom: Mit Message+ mehr als nur Telefonieren und SMSen. In: www.telekom.com. Abgerufen am 14. Juni 2016.
  7. Die neue o2 Message+Call App: Jetzt mit dem Smartphone im WLAN telefonieren. In: Telefónica Deutschland Blog. Abgerufen am 14. Juni 2016.
  8. Offizielle Joyn-Website: Smartphone Hersteller
  9. Vodafone launching low-budget brand ‘Yu’, plugging Joyn. 25. Oktober 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  10. wit Software
  11. SUMMIT TECH
  12. Google Play
  13. iTunes App Store
  14. iTunes App Store
  15. Google Play
  16. iTunes App Store
  17. Google Play
  18. Ingo Pakalski: Netzbetreiber starten neuen Handydienst. In: golem.de. 22. Januar 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  19. Angela Göpfert: Die SMS ist tot, es lebe die App! tagesschau.de, 27. Februar 2012, archiviert vom Original am 4. Juli 2012, abgerufen am 27. Februar 2012.
  20. a b Albert Fetsch: Die neue O2 Message+Call App: Jetzt mit dem Smartphone im WLAN telefonieren. In: Telefonica-Blog. 11. August 2015, abgerufen am 11. August 2015.
  21. Markus Weidner: o2 startet mit WLAN-Calling per Smartphone-App. In: Teltarif.de. 11. August 2015, abgerufen am 11. August 2015.
  22. Meike Lorenzen: Telekom verschiebt offiziellen Joyn-Start. In: Wirtschaftswoche. 28. Januar 2013, abgerufen am 5. Januar 2014.
  23. Übernahme von Jibe: Google will SMS-Nachfolger in Android integrieren | ZDNet.de. In: ZDNet.de. 1. Oktober 2015, abgerufen am 14. Juni 2016 (de-de).
  24. Universal profile - Network 2020. In: Network 2020. Abgerufen am 14. Juni 2016 (amerikanisches englisch).
  25. a b In den Startlöchern: SMS-Nachfolgetechnik – der neue Goldesel. In: Computer Bild. Nr. 5, 2012, S. 12.
  26. http://www.gsma.com/rcs/
  27. Communication Suite Initiative. Ericsson, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  28. http://www.richcommunicationsuite.com/
  29. Offizielle joyn Website: Produktdetails
  30. Doug Mohney: IPX Interconnection Becoming Urgent for HD Voice, RCS and LTE. In: SIP Trunking Report. 28. November 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  31. a b c d http://www.gsma.com/rcs-history/
  32. Joyn statt SMS. golem.de, 28. Februar 2012, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  33. David Meyer: Operators Joyn hands to ward off app store threat. zdnet.co.uk, 27. Februar 2012, abgerufen am 27. Februar 2012.