Juan Huarte de San Juan

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Juan Huarte de San Juan, zeitgenössische Abbildung

Juan Huarte de San Juan eigentlich Juan Huarte y Navarro (* 1529 in Saint-Jean-Pied-de-Port; † 1588 in Linares) war ein spanischer Arzt, Philosoph und Begründer früher psychologisch-theoretischer Konzepte (Differentielle Psychologie) des menschlichen Geistes.[1][2][3]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er entstammte einer spanischen Adelsfamilie (Hidalgo). Seine Geburtsstadt San Juan Pie de Puerto (baskisch Donibane Garazi) war ein Hauptort des Restkönigreiches Nieder-Navarra (frz. Basse-Navarre, bask. Nafarroa Beherea, span. Baja Navarra), das dann 1589 an Frankreich fiel.

Huarte studierte zunächst Geisteswissenschaften in Huesca und später in den Jahren 1553 bis 1559 Medizin an der Universidad de Alcalá. Am 31. Dezember 1559 wurde er zum doctor medicinae promoviert.[4][5] Später lebte und wirkte er in verschiedenen spanischen Städten, so Huesca, Granada, Baeza und zuletzt Linares. Aus seiner Ehe mit Doña Agueda de Velasco entstammten drei Söhne und vier Töchter., sou.a. Antonia (ca. 1568-1576), Águeda und Luis.

In Baeza praktizierte Huarte sehr professionell und heroisch während der Pestepidemie, die im Jahre 1566 die Stadt und ihre Bewohner heimsuchte.

Titelblatt seiner Examen de ingenios para las sciencias (1575)

Sein Werk Examen de ingenios para las sciencias (1575) wurde durch Gotthold Ephraim Lessing in einer späten, deutschen Übersetzung Prüfung der Köpfe zu den Wissenschaften (1752) übersetzt. In diesem Werk versucht Huarte als einer der Ersten den Zusammenhang zwischen einer Psychologie und der Physiologie aufzuzeigen. Die Examen de ingenios para las sciencias wurden durch die spanische Inquisition der römisch-katholischen Kirche auf die Liste der verbotenen Bücher (Index librorum prohibitorum) gesetzt und man übergab ihm eine Liste mit fünfzehn Punkten, welche aus der Sicht der Inquisition zu korrigieren seien. Trotz seiner anfänglichen Ächtung durch die Inquisition, gelangten Kopien des Werkes in viele öffentliche und private Bibliotheken, so wurden insbesondere in Barcelona etliche Exemplare gefunden.[6]

In seinen Examen war ein Ansinnen des Autors, Eltern einen Rat geben zu können um etwa die bestmögliche Berufsentscheidung für ihre Söhne zu ermöglichen. Hierbei greift er auf die Temperamentenlehre antiker Autoren zurück. Bei seiner Suche nach den Ursachen für die Begabung der (männlichen) Menschen werden u. a. die Humoralpathologie aber auch klimatologische Faktoren mit einbezogen, daraus leitete pädagogische Empfehlungen ab. Er unterschied bei der Betrachtung der menschlichen Kognition das Gedächtnis, den Verstand und die Einbildungskraft.[7]

Huarte de San Juan war einer der Ersten, der behauptete, dass es eine direkte Beziehung zwischen dem Verstehen, Bewusstsein und dem Organ Gehirn besteht.[8][9]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Examen de ingenios para las sciencias. (Baeza, Juan Bautista de Montoya, 1575)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Juan Huarte de San Juan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lorenzo Martínez Aguilar: Tras las huellas de los humanisas de los siglos XV-XVII en su relación con Linares. Boletín del Inst de Estudios Giennenses. (194):47-109. (Nicht mehr online verfügbar.) 2006, ehemals im Original; abgerufen am 29. Dezember 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/dialnet.unirioja.es (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)
  2. G. Fernández San Emeterio: Huarte de San Juan, Juan (h. 1529-1588). mcn. biografías.com
  3. Helmut E. Lück: Geschichte der Psychologie: Strömungen, Schulen, Entwicklungen. Bd. 1 von Grundriss der Psychologie, W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 3-1702-0923-X, S. 138
  4. „El día 31 de diciembre, año del nacimiento del Señor 1559, el señor licenciado Juan de San Juan recibió el grado del Doctorado en Medicina, de manos del señor doctor Fernando de Balbas, abad y canciller, y le entregó las insignias el doctor San Pedro“
  5. Juan Huarte de San Juan. Auñamendi Eusko Entziklopedia. Bernardo Estornés Lasa Fondoa
  6. James S. Amelang: THE LIBRARY OF IBERIAN RESOURCES ONLINE Honored Citizens of Barcelona. Chapter Six. STUDIES IN SOCIAL VOCABULARYFrom Genius to Culture
  7. Matthias Giger: Huartes Prüfung der Köpfe zu den Wissenschaften. SwissGifted, Vol. 1, Nr. 1, S. 26–30
  8. Ignacio Morgado: Los sentidos. Cómo percibimos el mundo. Ariel, Barcelona 2012, ISBN 978-84-344-3119-5, S. 29
  9. Volker Roloff, Harald Wentzlaff-Eggebert: Der spanische Roman: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 2. Auflg., Melzer, Stuttgart/Weimar 2016, ISBN 978-3-4760-3605-6, S. 96